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Aktualisiert: vor 11 Stunden 15 Minuten

KfZ: Erodiert der Versicherungsmarkt?

vor 12 Stunden 52 Minuten

procontra: Die Hersteller selbstfahrender Autos versprechen eine Zukunft ohne Unfälle. Wo kein Risiko mehr ist, braucht man auch keine Versicherung mehr. Wird die Kfz-Police überflüssig?  

Christoph Lüer: Dafür müssten die autonomen Autos tatsächlich in allen Situationen sicherer fahren als der Mensch. Davon sind die Hersteller noch weit entfernt. Gleichzeitig bringt die technische Entwicklung neue Risiken wie Cyberattacken, bei denen Hacker den Bordcomputer manipulieren – mit denkbar schrecklichen Folgen.

procontra: Immerhin wollen Bosch und Daimler nächstes Jahr auf deutschen Straßen Robo-Taxis testen. Und Google sammelt seit Jahren Erfahrungen mit autonomen Fahrzeugen. Machen solche Leistungen die Versicherer nicht nervös?  

Lüer: Das Google-Auto ist kein gutes Beispiel dafür, dass vollautonomes Fahren in Kürze der Standard sein wird. Soweit mir bekannt ist, gab es mindestens einen Unfall mit dem System und weitere 13 Schadensereignisse wurden nur verhindert, weil der Mensch aktiv wieder die Kontrolle über das Fahrzeug übernahm. Insgesamt war das System meines Wissens bisher in rund 280 Situationen schlicht überfordert.

procontra: Daher verlangt der deutsche Gesetzgeber ja, dass der Fahrer jederzeit bereit und in der Lage sein muss, sein Fahrzeug zu steuern. Das System muss also gar nicht perfekt sein, oder?  

Lüer: Es ist wenig attraktiv, wenn ich als Fahrer immer in Bereitschaft sein muss. Dann verzichten viele Menschen lieber auf einen teuren Autopiloten. Zudem zeigt die Unfallforschung, dass ein Mensch von der Systemaufforderung bis zur Kontrolle über das Fahrzeug im Schnitt 12 Sekunden benötigt. Bei 60 km/h legt das Auto dann noch 250 Meter zurück. Sicheres Fahren ist das nicht.  

procontra: Wahrscheinlich vergehen bis zum vollautomatischen Fahren im Straßenverkehr noch viele Jahre. Aber bereits heute übernehmen Fahrassistenzsysteme zunehmend Aufgaben des Fahrers. Was bedeutet das für die Kfz-Versicherung?  

Lüer: Die Schadensbilder verändern sich. Es gibt zum Beispiel weniger Blechschäden. Dafür nimmt der Anteil der Personenschäden zu. Und die Schäden an Autos mit solchen Systemen werden teurer.  

procontra: Können Sie das genauer erklären?  

Lüer: Sicherheitssysteme wie Airbag und ABS haben die Sicherheit erhöht. Es gibt weniger Verkehrstote. Und diejenigen, die verletzt werden, leben dank des medizinischen Fortschritts auch länger - die Lebenserwartung steigt. Zudem werden medizinische Hilfsmittel wie beispielsweise Prothesen viel leistungsfähiger und damit patientenfreundlicher. Das sind erfreuliche Entwicklungen, für die die Versicherer auch entsprechend höhere Rücklagen bilden.  

Seite 1: Die Versicherungen und das autonome Fahren
Seite 2: Sinkende Prämien - steigender Kostendruck?

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procontra: Wollen Anbieter mit solchen Argumenten nicht nur die Prämien hochhalten?  

Lüer: Nein. Das Kfz-Geschäft ist sehr wettbewerbsintensiv. Wenn Sie sich die Schaden-Kosten-Quoten der Versicherer anschauen, dann sehen Sie, dass hier keine Reichtümer angesammelt werden.  

procontra: Die Branche klagt seit Jahren über Verluste. Und jetzt gibt es Studien, die einen Rückgang der Bruttobeitragseinnahmen um 80 Prozent voraussagen. Erodiert der Markt?  

Lüer: Diese Studien basieren in der Regel auf der Annahme einer stark sinkenden Schadensfrequenz, der gegenläufige Trend beim Schadensaufwand je Fahrzeug wird nicht berücksichtigt. Zudem gehen die Autoren in ihren Hochrechnungen davon aus, dass der Individualverkehr in wesentlichem Umfang durch gemeinsam genutzte Fahrzeuge ersetzt wird. Wenn viele Menschen den Bus oder die Bahn benutzen oder Carsharing machen, sind weniger Kfz-Policen notwendig und dann sinkt tendenziell auch das Prämienvolumen. Unsere Prognosen zur Shared Mobility sind allerdings viel vorsichtiger.  

procontra: Bitte konkret: Welche Entwicklung erwarten Sie beim Prämienvolumen?  

Lüer: Unter dem Strich gehen auch wir von einem Rückgang aus – aber bei weitem nicht in dem von Ihnen genannten Ausmaß. Die Autohersteller arbeiten bereits daran auch in Zukunft unterschiedliche Fahrzeugkonzepte anzubieten, die Lust auf ein oder mehrere Fahrzeuge im Haushalt machen. Auch wird es in bestimmten Segmenten weiterhin eine Nachfrage geben, sich selbst hinters Steuer zu setzen. Einen Rückgang um 80 Prozent halte ich daher für eine provokante These.  

procontra: Bei sinkenden Prämien steigt der Kostendruck. Wie können die Versicherer gegensteuern?

Lüer: Sie müssen ihre Prozesse effizienter organisieren. Großes Potenzial für Einsparungen sehe ich im Schadensprozess. Bei einem normalen Unfall ohne schwere Verletzungen macht der Versicherte heute vieles selber: er tauscht die relevanten Daten mit dem Unfallgegner aus, ruft die Polizei und meldet sich bei seinem Versicherer. Dieser schickt dann einen Sachverständigen. Bis dann das Gutachten vorliegt, vergehen mitunter Wochen. Erst dann erfolgen Reparatur und Abrechnung.  

Wie dieser Prozess in Zukunft aussehen könnte und über den Wettstreit zwischen Versicherern und Autoherstellern lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der procontra.

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So verändert sich der PKV-Markt

Do, 08/17/2017 - 15:43

Die Signal Iduna Gruppe hat ihre beiden privaten Krankenversicherer zusammengeführt. Aus der Signal Krankenversicherung a.G. und dem Deutscher Ring Krankenversicherungsverein a.G., der sich 2009 mit der Signal Iduna zu einem Gleichordnungskonzern zusammenschloss, ist nun die Signal Iduna Krankenversicherung a.G. entstanden.  

Die BaFin hatte der Verschmelzung bereits Anfang August zugestimmt und alle Gremien haben der Fusion einstimmig „grünes Licht“ gegeben, heißt es von Unternehmensseite. Mit der nunmehr erfolgten Handelsregistereintragung ist die Verschmelzung rechtskräftig. Damit avanciert der neu benannte Anbieter mit nun rund 2,7 Milliarden Euro an Beitragseinnahmen zu einem der fünf größten privaten Krankenversicherer auf dem Markt.  

Weiter heißt es, dass die Marke Deutscher Ring aus Kundensicht erhalten bleibt und sich auch am Versicherungsschutz nichts ändert. Ebenfalls unverändert bleiben sollen die bestehenden Arbeitsverhältnisse aller betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Axa begrüßt Debeka und VKB bei „Meine Gesundheit“

Die Debeka und die Versicherungskammer Bayern (VKB) beteiligen sich an dem Online-PKV-Portal „Meine Gesundheit“ (MGS). Dieses wurde im vergangenen Jahr von der Axa und dem Hersteller für Ärzte-Software, der CompuGroup Medical AG, initiiert. Das Bundeskartellamt hat dafür bereits seine Zustimmung erteilt. Durch die Beteiligung der beiden Versicherer stehen die Leistungen von MGS nun rund 3,5 Millionen Vollversicherten zur Verfügung.

Diese umfassen im Kern eine schnellere und effizientere Vernetzung der versicherten Patienten mit ihren gesundheitlichen Leistungserbringern – hauptsächlich Ärzten – und den Krankenversicherern selbst. Wie die Axa mitteilt, sind bereits 53.000 Nutzer und 4.200 Ärzte registriert. Durch das digitale Einreichen von bislang 315.000 Rechnungen und die anschließende Online-Bearbeitung der Fälle konnten laut Axa 420.000 Seiten Papier eingespart werden. Zu den Services gehören unter anderem auch eine Online-Terminvereinbarung und ein persönlicher Medikamentenmanager.

„Viele Versicherte wünschen sich, ihr Gesundheitsmanagement auf vollständig digitalem Wege stärker selbst in die Hand zu nehmen und gleichzeitig jederzeit den Überblick zu haben“, erklärt Axa Deutschland-Chef Alexander Vollert.

Die Beteiligung der Axa-Mitbewerber Debeka und der beiden VKB-Gesellschaften BBKK und Union Krankenversicherung begrüßt er. So erhoffen sich alle Unternehmen durch die Erhöhung der Nutzerzahlen von MGS auch mehr Ärzte anziehen zu können. Dadurch könnten voraussichtlich alle beteiligten PKV-Anbieter ihre Kosten in der Leistungsbearbeitung weiter senken. 

LVRG drückt Abschlusskostenquote weiter

Do, 08/17/2017 - 13:43

Das LVRG wirkt weiter. 2016 sank die Abschlusskostenquote der Lebensversicherer auf 4,66 Prozent (Vorjahr: 4,84 %). Bereits 2015 fielen dabei die absoluten Aufwendungen um über 7 Prozent geringer aus. Diese Tendenz verstärkte sich nun in 2016 nochmals. Das belegt der procontra LV-Check 2017, eine der größten Bilanzanalysen deutscher Lebensversicherer. Die untersuchten 69 Anbieter repräsentieren dabei über 95 Prozent des LV-Marktes.

Für die aktuelle Studie (Veröffentlichung Ende August) können Sie sich jetzt kostenfrei und unverbindlich vormerken lassen.

Während die Abschlussaufwendungen um weitere 1,4 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro zurückgingen, steigerte sich die Beitragssumme des Neuzugangs sogar um 2,4 Prozent auf 146 Milliarden Euro. Das heißt, die Lebensversicherer mussten deutlich weniger für ihr Neugeschäft an die Vertriebe - zumindest im Abschluss - zahlen.

Kostensenkung oder nur -verschiebung?

Aufgrund der vielen unterschiedlichen Provisionsmodelle nach LVRG, ist die Ursache des Effekts nicht pauschal auszumachen. Vielfach kommt es auch einfach nur zu Verschiebungen von Kosten, weg von reinen Abschluss- hin zu laufenden Provisionszahlungen. Das bestätigen die Anbieter. Etwa die Generali, die ihre Abschlusskostenquote marktweit mit am deutlichsten reduzierte (von 4,7 auf 3,2 %). „Mit der Umstellung auf das neue Provisionsmodell haben wir unsere Provisionen teilweise von einer sofortigen auf eine über fünf Jahre verteilte Abschlussprovision umgestellt. Bis sich das neue Modell über die nächsten Jahre eingeschwungen hat, ergeben sich hieraus Verschiebungen in der Relation zwischen sofortigen und laufenden Provisionen.“
Auch die Bayerische drosselte die Kostenquote im Abschluss spürbar von 5 auf 4,3 Prozent und begründet dies ebenfalls mit ihrem Mitte 2016 und nach LVRG angepassten „Provisionsmodell 3.0“.

Unter den Anbietern mit einer Beitragssumme des Neuzugangs von mindestens 50 Millionen Euro, verzeichnen die Credit Life (12,1 %), HDI (8,4 %) und die ERGO (6,8 %) die höchsten Abschlusskostenquoten am Markt. Die niedrigsten gehören zur myLife (2,6 %), HanseMerkur (2,6%) und der Europa (2,9 %).

Abschlusskostenquote setzt die Abschlussaufwendungen in Relation zur Beitragssumme des Neuzugangs.
Weitere Bilanzkennzahlen einfach erklärt im Whitepaper LV-Kennzahlen

Tops & Flops der Abschlusskostenquote   #AnbieterAbschlusskostenquote Beitragssumme des Neuzugangs in Mio. €1myLife2,60 %198,92HanseMerkur2,61 %499,23Europa2,90 %1.129,44InterRisk3,00 %158,55Generali3,20 %5.053,1Markt*4,66 %145.984,565Familienfürsorge6,22 %224,966VPV6,42 %570,267ERGO6,80 %3.865,968HDI8,38 %1.976,669Credit Life12,1 %305,0

Quelle: procontra LV-Check 2017 *Markt ermittelt sich aus dem Durchschnitt der 69 Anbieter im LV-Check

Falsche Verträge: Vertreter ergaunert 670.000 Euro

Do, 08/17/2017 - 11:58

Ein besonders dreister Betrugsfall wird anscheinend gerade vor dem Landgericht Bonn aufgearbeitet. Wie der Bonner General-Anzeiger berichtet, ist dort ein ehemaliger Versicherungsvertreter angeklagt, weil er mit fingierten Policen Provisionen und interne Wettbewerbs-Boni in Höhe von rund 670.000 Euro abkassiert haben soll. Die Geschichte erinnert an einen anderen Fall, bei dem ein Vertreter sogar 1,3 Millionen Euro ergaunert haben soll.

Im aktuellen Verfahren besonders auffällig: Der ehemalige Vertreter, der seine Agentur inzwischen los ist, gibt alles offen zu und sorgt auch für Klarheit über seine Motive. Mit einem Geschäftspartner zusammen hatte er 2008 die Agentur bei dem Versicherer eröffnet, bei dem er bereits seit seiner Jugend gearbeitet hatte. Dem Bericht zufolge hatte er dann 2011 damit begonnen, Verträge zu fingieren.

Unter anderem habe er auf die Namen von Bekannten und deren Kindern private Rentenversicherungen abgeschlossen, ohne dass diese davon etwas ahnten. Für Grundstücksgesellschaften versicherte er Gebäude, die es gar nicht gab. Wie dies von Seiten der Kunden oder des Versicherers jahrelang niemand bemerken konnte, darauf wird nicht näher eingegangen.

Versicherer will die Hälfte zurück

Als eines seiner Motive für den Betrug nennt der heute 59-Jährige die Erkrankung und den damit verbundenen Arbeitsausfall seines Geschäftspartners. Nun habe er die Agentur alleine am Laufen halten müssen, schreibt der General-Anzeiger. Der Mann gab aber auch zu, dass er weiter das Ansehen als eine der besten Agenturen in den internen Vertriebs-Wettbewerben des Versicherers genießen und die damit verbundenen Bonuszahlungen erhalten wollte. Mit dem Geschäftspartner habe er das ergaunerte Geld geteilt. Dieser soll von den Betrügereien aber nichts gewusst haben, heißt es weiter.

Auf die Schliche kam dem Agenten im Januar 2014 ein anderer Vertreter, in dessen Betreuung einige seiner Kunden gewechselt waren. Gegenüber der Innenrevision des Versicherers gab der Vertreter, ein vierfacher Familienvater, alles zu. Dem Medienbericht zufolge sei er inzwischen aufgrund von Depressionen arbeitsunfähig, würde aber aus privaten Vorsorgeverträgen 4.700 Euro monatlich erhalten.

Der Versicherer, der ihn auf 672.000 Euro Schadenersatz verklagt hat, soll ihm mittlerweile angeboten haben, gegen eine Rückzahlung von 350.000 Euro in den nächsten 15 Jahren den Rest zu erlassen. Das Verfahren soll dem Bericht zufolge aber noch fortgesetzt werden. 

Beitragspflicht auch auf italienische Altersversorgung?

Do, 08/17/2017 - 11:16

Müssen aus einer italienischen Altersversorgung Beiträge zur deutschen gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden, wenn deren Bezieher in Deutschland gesetzlich kranken- und pflegeversichert ist? Ein solcher Fall lag unlängst auf dem Richterpult des Sozialgerichts Stuttgart (Az: S 9 KR 5689/15).  

Was war passiert?  

Eine Frau arbeitete zunächst als Lehrerin in Italien, später zog sie dann nach Deutschland, wo sie dem gleichen Beruf nachging. Da sie bis zu ihrem 45. Lebensjahr in Italien tätig war, bezog sie eine vorgezogene Altersversorgung aus ihrem ehemaligen Beamtenverhältnis („pensione di anzianita“). Diese Altersversorgung wurde nun aber in Deutschland von der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtigt, die hieraus Beiträge berechnete, solange die Frau in Deutschland gesetzlich kranken- und pflegeversichert war. Dies wollte die Frau allerdings nicht akzeptieren und klagte.  

Das Urteil  

Vor Gericht musste sie allerdings eine Niederlage einstecken. Das Stuttgarter Sozialgericht entschied, dass auch ausländische Renten und Versorgungsbezüge beitragspflichtig seien, sofern sie der Definition gemäß § 228 Absatz 1 Satz bzw. § 229 Absatz 1 Satz 2 des 5. Sozialgesetzbuches entsprechen.  

Auch einen Verstoß gegen europäisches Recht konnten die Richter nicht feststellen – dieses erlaubt EU-Mitgliedsstaaten die Erhebung von Beiträgen aus Renten anderer Mitgliedsstaaten (siehe Verordnung 883/2004 EG).  

Das Verbot der doppelten Beitragserhebung greife hier ebenfalls nicht, so die Richter. Schließlich sei die italienische Kranken- und Pflegeversicherung steuerfinanziert, so dass die Frau von ihrer italienischen Altersversorgung in Italien nur Steuern, allerdings keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zu entrichten habe. Die Beitragserhebung durch die Kranken- und Pflegeversicherung in Deutschland sei aus diesem Grund zulässig, urteilte das Sozialgericht

Kann die Versicherung die Leistung zurückfordern?

Do, 08/17/2017 - 08:39

Ein Unfall, die Versicherung springt ein und begleicht den Schaden. So weit, so gut. Doch plötzlich will die Versicherung das Geld zurück, beruft sich auf ein Eigenverschulden am Schaden. Hat sie mit einem solchen Ansinnen Aussicht auf Erfolg? Das Hammer Oberlandesgericht musste in einem solchen Fall entscheiden (Az: I-9 U 150/16).  

Was war passiert?  

Einen Mann hatte nach einem Unfall auf einem Parkplatz einen Schaden von 20.000 Euro an seinem Auto zu beklagen. Obwohl der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners bekannt war, dass der Mann mit seinem Auto viel zu schnell auf dem Parkplatz unterwegs gewesen war, regulierte sie den Schaden auf Basis der Abrechnung auf Totalschadenbasis und einer Haftungsquote von 50 Prozent und zahlte 5.500 Euro.

Das reichte dem Mann allerdings nicht, er wollte weitere 15.000 Euro von der Versicherung. Die Versicherung verweigerte dies und verlangte ihrerseits nun die bereits gezahlten 5.500 Euro zurück. Das OLG Hamm musste entscheiden.  

Das Urteil  

Die Hammer Richter erklärten, dass dem Autobesitzer überhaupt kein Schadensersatz zustehe – schließlich sei er auf dem Parkplatz zu schnell unterwegs gewesen. Allerdings könne die Versicherung die vorprozessuale Zahlung nicht zurückverlangen.  

Zwar sei das Zurückverlangen eines Geldbetrags rechtens, wenn jemand irrtümlich an jemanden gezahlt habe. Allerdings wusste die Versicherung, dass sie dem Mann nichts schulde, der entsprechende Grundsatz komme hier also nicht zur Geltung. Schließlich sei der Versicherung bekannt gewesen, dass der Mann zu schnell unterwegs war. Die Betriebsgefahr trete hier ganz zurück, daher müsste der KfZ-Besitzer gar nicht haften, so die Richter.  

Der KfZ-Besitzer habe indes darauf vertrauen können, dass die Versicherung den Schaden habe begleichen wollen – sie habe schließlich ihre Zahlung nicht unter Vorbehalt bestellt noch sie als vorläufig bezeichnet. Vielmehr habe sie ihre Zahlung begründet, dass auch ihr Versicherungsnehmer unvorsichtig gewesen sei. Die Richter kamen somit zu dem Schluss, dass der KfZ-Besitzer darauf vertrauen durfte, das Geld behalten zu dürfen.

Solvency II: Die Netto-Quoten der Lebensversicherer

Mi, 08/16/2017 - 16:21

Solvency II bleibt ein Dauerthema in der Versicherungs- und Finanzwirtschaft. Seit dem 22. Mai müssen die Versicherer alle drei Monate ihre Bedeckungsquoten öffentlich mitteilen. Fast automatisch werden diese dann miteinander verglichen, obwohl es in der Branche auch viel Kritik an der Aussagekraft der Zahlen gibt.

Anscheinend herrscht aber die Meinung, dass sich die Solvenzquoten immerhin etwas besser miteinander vergleichen lassen, wenn sie auf ihren Nettowert heruntergekürzt sind. Dafür werden bei der Netto-SCR-Quote (Solvency Capital Requirement) von den vorhandenen Basiseigenmitteln die versicherungstechnischen Rückstellungen (Übergangsmaßnahmen) abgezogen sowie die Volatilitätsanpassung auf null gesetzt.

Wie schon bei den privaten Krankenversicherern hat das Info-Portal PKV-Wiki auf diesem Wege nun die Netto-Solvenzquoten aller 84 nach Solvency II berichtspflichtigen Lebensversicherer ausgerechnet.

Übergangsmaßnahmen sinnvoll nutzen

Dabei weisen 22 Unternehmen eine Netto-Quote von weniger als 100 Prozent aus. Dieser Wert ist gemäß Solvency II vorgeschrieben, gilt aber für die Brutto-Quote. Um ihn zu erreichen, nutzen laut der PKV-Wiki-Analyse derzeit 60 Lebensversicherer von der BaFin genehmigte Übergangsmaßnahmen, 56 eine Volatilitätsanpassung und 47 sogar beides.

Einer dieser Lebensversicherer ist die Iduna, die der Analyse nach auf eine Netto-Quote von 92,7 Prozent kommt (Brutto: 381,8 Prozent). Angst, dass die vergleichsweise niedrige Netto-Solvenzquote dem Geschäftserfolg des Lebensversicherers schaden könnte, hat man bei der in Dortmund ansässigen Konzernmutter Signal Iduna aber nicht.

„Nein, im Gegenteil. Unsere Lebensversicherung ist kapitalstark und sehr solide aufgestellt. Das wurde uns aktuell noch einmal von Assekurata bestätigt. Die langfristigen Übergangsmaßnahmen sind ja gerade dafür gedacht, im Übergangszeitraum die Nettoquoten sukzessive zu erhöhen, ohne den Kunden zu schaden“, erklärte ein Signal Iduna Sprecher auf procontra-Nachfrage. Jedoch würde das Unternehmen aktuell sowohl in der Produktpolitik als auch in der Kapitalanlage die Ausrichtung auf die Nettoquote verstärken.

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Seite 2: Bei 4 Unternehmen steht die Null
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Insgesamt gibt es bei den Lebensversicherern teilweise enorme Unterschiede zwischen den Brutto- und Netto-Quoten. So weist beispielsweise die Sparkassenversicherung Sachsen mit 309 Prozent eine verhältnismäßig hohe Netto-Quote aus (Marktschnitt laut PKV-Wiki = 198,2 Prozent). Der Unterschied zu ihrer Brutto-Quote (1.391,2 Prozent) beträgt aber über 1.000 Prozent. Im Marktdurchschnitt beträgt die Brutto-SCR-Quote 385,2 Prozent.

Vier Lebensversicherer kommen den Berechnungen nach sogar auf eine Netto-Solvenzquote von null Prozent. Laut PKV-Wiki handelt es sich dabei um die Hansemerkur24 (Brutto: 116,6 Prozent), die Landeslebenhilfe VVaG (Brutto: 222,4 Prozent), die Rheinland Lebensversicherung (Brutto: 143,2 Prozent) und die Süddeutsche Lebensversicherung (Brutto: 230,5 Prozent).

Nachrangdarlehen

Weitere 5 Lebensversicherer – Continentale, Debeka, LV 1871, VPV und Volkswohl Bund – hätten sich gegenseitig sogenannte Nachrangdarlehen gegeben, wodurch sich ihre Brutto-Quoten erhöht hätten, erläutert PKV-Wiki-Betreiber Marcus Dippold auf seiner Internetseite. Trotz dieses Effekts schaffen es zwei Unternehmen nicht auf eine Netto-Quote von 100 Prozent: Die VPV (88,6 Prozent) und die Debeka (72,4 Prozent).

Gerade letztere musste sich bei der kürzlichen Analyse der Solvenzberichte durch den Bund der Versicherten und das Analysehaus Zielcke viel Kritik gefallen lassen. Abzüglich des Effekts durch die Nachrang-Darlehen würde die Netto-Quote der Debeka sogar nur 61 Prozent betragen, hieß es dabei.

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Einen Teil dieser Aussagen weist das Unternehmen auf procontra-Nachfrage entschieden zurück. „Die Debeka Lebensversicherung hat von keinem der genannten Versicherer eine Nachranganleihe gezeichnet“, betonte ein Sprecher des Unternehmens. Die Aussage des BdV sei falsch. Vielmehr wurden nachrangige Namensschuldverschreibungen an eine Vielzahl von privaten und institutionellen Investoren aus verschiedenen Branchen ausgegeben. Dies sei ein „absolut übliches Instrument im Kapitalmanagement von Banken und Versicherungen.“

Der Anteil an den gesamten Kapitalanlagen sei zudem verschwindend gering, so der Sprecher weiter. Die Debeka Lebensversicherung würde jährlich durch hohe Kapitalerträge und geringe Kosten Überschüsse von rund einer Milliarde Euro erwirtschaften. Der Sprecher betonte zudem, dass die aufsichtsrechtlich relevante Quote bei 322 Prozent liege und die Debeka ihre eingegangenen Garantieverpflichtungen auch bei anhaltend niedrigen Zinsen dauerhaft erfüllen könne.

Vollständige Liste

Beim Vergleich der Solvenzquoten muss unter anderem auch beachtet werden, ob die Versicherer zur Berechnung das Standardmodell nach Solvency II verwendet oder sich einem partiellen beziehungsweise eigenen Modell bedient haben. Dies ist laut PKV-Wiki immerhin bei 11 Unternehmen der Fall. Die vollständige Liste aller von dem Info-Portal berechneten Netto-Quoten sowie Zusatzinformationen zur Bedeutung der Zahlen finden sich über diesen Link.

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Wer hat’s erfunden? Zu den Anfängen der Technikversicherung

Mi, 08/16/2017 - 13:46

Den Ausgangspunkt für die ersten technischen Versicherungen lieferte der berühmte schottische Erfinder James Watt. Indem er in den 1760er Jahren die Funktionsweise der Dampfmaschine maßgeblich verbesserte, schuf er die wesentlichen Voraussetzungen für die Industrialisierung. 

Das Unglück von Bolton und die Geburt der Maschinenversicherung

Leider kam es im Zuge des flächendeckenden Einsatzes von Dampfmaschinen immer wieder auch zu schweren Unglücken. Das größte Risiko bestand in einer Explosion, wenn die Druckverhältnisse außer Balance gerieten. Es war ein solcher Unfall, der schließlich dazu führte, dass sich Unternehmer Gedanken über die Absicherung ihrer gewaltigen Maschinen machten.

Am 15. Dezember 1845 explodierte in einer Baumwollfabrik im englischen Bolton ein Dampfkessel. Die Ursache war ein Leck im Kessel. Mindestens 14 Arbeiter starben sofort, so berichten die Chroniken, und doppelt so viele wurden schwer verletzt. Einige der Verwundeten erlagen später noch ihren Verletzungen. Der mittlere Teil der sechsgeschössigen Fabrik wurde komplett zerstört. Glück im Unglück hatten die vielen Passagiere eines Zuges, der nur fünf Minuten vor der Explosion am benachbarten Bahnhof gehalten hatte: Aufgrund der Druckwelle wurden mehrere schwere Trümmerteile auf die dann glücklicherweise leeren Schienen geschleudert. Einer der beiden Partner der Fabrik starb bei dem Unglück. Der andere wurden wegen Totschlags verurteilt, weil trotz des entdeckten Lecks der Betrieb der Maschinen nicht gestoppt worden war.

Nicht zuletzt deswegen gründeten einige Ingenieure im Jahr 1854 die Manchester Steam User’s Association. Diese bot den Fabrikanten regelmäßige Überprüfungen der Dampfmaschinen an. Fünf Jahre später schlossen sie an diesen Revisionsdienst die Steam Boiler Assurance Co. an. Diese gab ein Haftungsversprechen ab: Für den Fall, dass es trotz der Überprüfung zu einer Kesselexplosion kam, wurden die Personen- und Sachschäden übernommen.

Damit war die Maschinenversicherung geboren. Im Jahr 1865 wurde die erste von der Revision unabhängige Dampfkessel-Versicherung angeboten, ein Jahr später übernahmen die Amerikaner das Konzept. Nach Deutschland gelangte diese erste Form der technischen Versicherung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Sparte rasch weiter, indem zunächst Versicherungen für Schwachstromanlagen, Bauwesen und Montage hinzukamen – Produkte, die im Gewerbebereich auch heute noch eine wichtige Rolle spielen.

Doch kein „Schiffbruch“ für Schiffsfonds?

Mi, 08/16/2017 - 13:13

Deutsche Schiffsfonds haben wahrlich „Schiffbruch“ erlitten. Die Wirtschaftskrise von 2008 löste eine Welle von Pleiten oder Nahezu-Pleiten der Fonds aus. Anleger verloren mit den Schiffsfonds sehr viel Geld.

Gleichwohl ist der Markt nicht untergegangen. Seit Anfang 2015 wurden drei neue Schiffsfonds mit einem Zielvolumen von 70 Millionen Euro registriert. Zwei der Fonds kommen von einem Reeder namens MST und finanzieren den Erwerb zweier Massengutfrachter. Der dritte Fonds stammt vom Hamburger Emissionshaus PCE und hat ein Flusskreuzfahrtschiff erworben. Dass Schiffsfonds überhaupt noch aufgelegt werden, kommt überraschend. Nach dem Scheitern zahlreicher Schiffsfonds für Privatanleger war der Markt eigentlich am Ende. 

Der Anfang vom Ende

Die Misere der Fonds begann 2008, als die Charterraten, also die Gebühren für den Transport per Schiff, im Zuge der Wirtschaftskrise stark einbrachen. Wegen Überkapazitäten in der Branche haben sich die Raten bis heute nicht erholt. Für Privatanleger in Deutschland – meistens vermögende Kunden – war die Erfahrung mit dem Produkt eine Katastrophe.

Als Kommanditisten mussten sie ab 2008 viel Kapital nachschießen, um notleidende Schiffsfonds zu stützen. Trat der Insolvenzfall dennoch ein, wurde das Schiff verkauft und der Erlös ging zuerst an die Gläubigerbanken. Den Rest mussten die Anleger unter sich teilen, und oft sind sie leer ausgegangen.

Im Juli 2013 trat zudem eine wichtige Regelung für Geschlossene-Fonds-Anbieter – darunter auch Schiffsfonds – in Kraft. Demnach müssen die Anbieter eine Lizenz als Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) bei der BaFin beantragen, wenn sie neue Produkte auflegen wollen. Die Regulierung der Geschlossenen Fonds-Branche war ein echtes Novum. Für die Anbieter stellte sich die Frage, ob sich der Aufwand für die KVG, also Zusatzkosten und neue Auflagen, lohnte. 

Logistikbedarf dürfte wieder steigen

Emissionshäuser wie Lloyd Fonds haben bislang keine KVG beantragt für neue Schiffsfonds. Dazu erklärt Lloyd-Vorstandschef Torsten Teichert: „Die KVG ist kein Hemmschuh, dient sie doch der Transparenz und Sicherheit für die Kunden. Die geringe Nachfrage nach Schifffahrtsinvestments hat Lloyd Fonds aber bisher davon abgehalten, neue Produkte aufzulegen, nicht die KVG-Lizenz. Sollten sich die Märkte nachhaltig erholen, würden wir uns zunächst einer externen KVG bedienen.“  Diese Erholung sei auch zu erwarten, weil der Logistikbedarf angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung zunehmen werde, ergänzt Teichert.

Andere Häuser wie MPC Capital und Dr. Peters haben aber eine KGV-Lizenz bekommen und machen weiterhin Schiffsinvestments. Es gibt aber deutliche Unterschiede zu der Zeit vor der Wirtschaftskrise 2008. Der erste Unterschied sind natürlich die Volumina. Seit Anfang 2015 wurden drei Schiffsfonds gemeldet mit einem bereits erwähnten Zielvolumen von 70 Millionen Euro (Eigenkapital plus Fremdkapital). Zum Vergleich: 2007, das beste Jahr überhaupt, wurde ein Marktvolumen von knapp 7,4 Milliarden Euro mit Dutzenden neuer Fonds erzielt. Davon entfallen rund  40 Prozent auf Eigenkapital, welches überwiegend von Privatanlegern eingesammelt wurde.  

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Einen weiteren Unterschied machen die Anleger aus. Laut Branchenexperten dürften die Investoren der neuen Schiffsfonds eher institutionelle Anleger sein ( etwa Versicherer und Pensionskassen) sowie deutsche Vermögensverwalter. Dafür spricht das Niedrigzinsumfeld, welches diese Investoren dazu zwingt, neue Ertragsquellen zu finden. So könnten die MST-Fonds, die Ausschüttungen zwischen 5,5 und 11 Prozent pro Jahr anstreben, durchaus infrage kommen. Eine entsprechende Nachfrage von procontra wurde von MST nicht beantwortet.

Laut CEO Anselm Gehling richten sich die heutigen Schiffsinvestments von Dr. Peters vor allem an Institutionelle aus dem Ausland. Angesichts der Überkapazitäten in der Branche werde eher nach Opportunitäten auf dem Zweitmarkt gesucht. Gehling erläutert: „Für unsere Co-Investor-Modelle geben wir auch bis zu 5 Prozent Eigenkapital dazu. Damit zeigen wir den anderen Investoren, dass wir an das Projekt fest glauben.“ Die nötige Fremdfinanzierung komme auch nicht mehr ausschließlich von deutschen Banken, sondern auch von größeren Instituten in den USA oder China, fügt er hinzu.

MPC schafft neue Alternative zu Schiffsfonds

Die Schifffahrtsbranche hat sich zwar nicht ganz erholt, doch sieht MPC bereits Potenzial bei kleineren Containerschiffen (zwischen 1.000 und 3.000 Standardcontainern). Für den Erwerb und Betrieb solcher Schiffe hat das Haus jüngst eine Aktiengesellschaft in Oslo namens MPCC gegründet. Mit dem Kapital institutioneller Investoren (151 Millionen Euro bislang) kauft MPCC die kleineren Containerschiffe, um diese dann an die Linien-Reedereien zu verchartern. 

MPC-Finanzvorstand Constantin Baack weist darauf hin, dass Privatanleger mit MPCC nun auch eine interessante Anlagealternative zum klassischen Schiffsfonds hätten. „Man braucht nur MPCC-Aktien an der Börse zu erwerben, und es gibt keinen Mindestanlagebetrag wie bei den Schiffsfonds“, betont er.

Weitere Vorteile gegenüber deutschen Schiffsfonds sind die hohe Liquidität der Aktienanlage sowie das Entfallen einer Nachschusspflicht. Für deutsche Privatanleger, die gerne wieder in die Schifffahrtsbranche investieren wollen, ist das schon mal eine gute Nachricht.

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Debeka verspricht sinkende PKV-Beiträge, aber…

Mi, 08/16/2017 - 10:57

Die Debeka ist sowohl nach Beitragseinnahmen als auch gemessen an der Zahl der Vollversicherten der größte private Krankenversicherer in Deutschland. Für rund 1,2 Millionen seiner Voll- und Zusatzversicherten kündigte das Koblenzer Unternehmen nun sinkende Beiträge an, die ab 2018 gelten sollen.

Die Kunden erwartet eine durchschnittliche Reduzierung um 1,5 Prozent, teilte die Debeka mit. Zusätzlich soll eine noch nicht genau bekannte Anzahl von älteren Versicherten ab dem 60. respektive 81. Lebensjahr entlastet werden, indem gesetzliche Zuschläge wegfallen und zusätzliche garantierte Beitragssenkungen greifen. Zu den geplanten Reduzierungen sagte der Debeka-Vorstandsvorsitzende, Uwe Laue: „Entgegen vieler Vorurteile gibt es auch so etwas in der privaten Krankenversicherung.“

Auch Erhöhungen geplant

Im selben Atemzug erklärte der Branchenprimus aber auch, dass im kommenden Jahr rund 125.000 Versicherte von Beitragserhöhungen betroffen sein werden. Im Wesentlichen gehe es dabei um Verträge für Kinder, für die mehr Versicherungsleistungen in Anspruch genommen wurden, heißt es von Unternehmensseite. Die Erhöhungen sollen bei durchschnittlich drei Prozent liegen.

Bezogen auf die größten privaten Krankenversicherer mit mehr als 200.000 Vollversicherten hatte die Debeka die Beiträge ihrer Vollversicherungstarife in diesem Jahr um durchschnittlich 8,5 Prozent angehoben – der höchste Wert in dieser „Rangliste“.

Appell an Gesetzgeber

Dazu Laue: „Die teilweise deutlichen Erhöhungen in 2017 – nach mehreren Jahren stabiler Beiträge – ergaben sich unter anderem deshalb, weil die gesetzlichen Vorschriften eine zeitnahe Anpassung an veränderte Leistungsausgaben und Rechnungsgrundlagen nicht zugelassen haben. Würden diese Regelungen geändert, könnten Beitragsanpassungen in moderaten Schritten erfolgen. Das läge auch im Interesse der Versicherten.“

Auf die Forderung der Krankenversicherer nach mehr gesetzlicher Flexibilität bei den Beitragsanpassungen hatte dieser Tage auch die Rating-Agentur Assekurata in ihrem Marktausblick für die Krankenversicherung hingewiesen. 

Pflege: CDU sägt am Elternunterhalt

Mi, 08/16/2017 - 09:33

Die CDU möchte Menschen, die ihre Eltern pflegen, finanziell entgegenkommen. So tritt die CDU in ihrem Wahlprogramm dafür, dass die Kinder erst ab einem gewissen Einkommen zur Finanzierung der Pflegekosten ihrer Eltern herangezogen werden. Hierzu heißt es: „Ein Rückgriff auf Kinder soll erst ab einem Einkommen von 100.000 Euro erfolgen.“  

Generell sind Kinder in der Pflicht, sich an den Pflegekosten der Eltern zu beteiligen, wenn die Zahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sowie die Rente und das Vermögen des zu Pflegenden nicht ausreichen. Dann springt meist das Sozialamt ein, das sich das Geld später allerdings von den Kindern des Pflegebedürftigen wiederholt. Zahlen des PKV-Verbandes hatten jüngst illustriert, dass zwischen den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Pflegekosten eine große Differenz besteht.  

Elternunterhalt abhängig vom Einkommen

Ob die Kinder jedoch zahlen müssen, hängt auch heute schon vom Einkommen ab. Hierzu wird deren Nettoeinkommen gebildet, von dem die Kinder noch diverse Kosten abziehen können (die Details lesen Sie hier).

Zudem können die Kinder noch einen Selbstbehalt abziehen – dieser beträgt bei Singles 1.800 Euro, bei einem Ehepaar sind es 3.240 Euro. Darüber hinaus können 50 Prozent des über den Selbstbehalt hinausgehenden Vermögens einbehalten werden.  

Diese Grenze will die CDU nun also ausbauen, stößt damit allerdings auf Kritik: „Die derzeitigen Regelungen sind nach unserer Einschätzung praktikabel und vernünftig, eine entsprechende Neuregelung würde dazu führen, dass nur noch sehr wenige Kinder für ihre Eltern einstehen müssen“, kritisierte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, gegenüber der „Rhein-Neckar-Zeitung“.

SPD will Pflege-"Vollkasko"

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe verteidigte indes das Vorhaben. Es gehe darum, „dass wir Kinder pflegebedürftiger Eltern vor finanzieller Überforderung schützen und damit dazu beitragen, sie noch besser zu entlasten“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. 

Aus der SPD sind hingegen andere Töne zu hören. Hier wurden Stimmen laut, die gesetzliche Pflegeversicherung zu einer „Vollkasko“-Versicherung auszubauen, die für sämtliche entstehende Pflegekosten aufkommt.  

Ein Weg, die Angehörigen vor Zahlungen zu bewahren, ist auch heute schon der Abschluss einer privaten Pflegeversicherung, die die Finanzierungslücke der gesetzlichen Pflegeversicherung überbrücken kann. Wie Zahlen des PKV-Verbands zeigen, ist dies ein Weg, den auch immer mehr Menschen gehen wollen. So legte die Zahl der staatlich geförderten Pflege-Bahr-Versicherungen zuletzt stark zu. 

7 Tipps zum Pflegetagegeld

Eine gute Form der privaten Vorsorge zur Schließung der "Pflege-Lücke" bietet die Pflegetagegeldversicherung. Worauf Vermittler dabei besonders achten müssen und welche Neuerungen das PSG II mit sich gebracht hat, hat Fachmaklerin Leonie Pfennig in einer Bilderstreite für procontra zusammengestellt.  

Spezielle BU: So werden Fußballprofis versichert

Di, 08/15/2017 - 15:17

Im Profifußball geht es um viel Geld. Kann ein Spieler wegen Krankheit oder Verletzung seinen Beruf nicht mehr ausüben, entsteht schnell eine Millionen-Lücke für ihn und seinen Verein. Zwar stehen die Chancen auf Anerkennung einer Berufskrankheit für Fußballer nicht schlecht. Für solche Einnahmeausfälle gibt es aber auch spezielle Versicherungen. Wie diese funktionieren erklärte Michael Walther, Senior Medical Underwriter bei der Ergo-Einheit Ergo Specialty, dem GDV.

So werde grundsätzlich zwischen zwei Varianten unterschieden. Auf der einen Seite würden die Vereine für ihre neu eingekauften Spieler sogenannte Marktwertversicherungen abschließen. Da die Klubs die bezahlten Ablösesummen über die Laufzeit des Vertrags mit dem Spieler in ihrer Bilanz abschreiben, dient dieser sinkende Wert als Versicherungssumme.

Fast alle Bundesligaprofis mit Police

Auf der anderen Seite schließen die Profis für sich selbst eine Sportinvaliditätsversicherung ab – quasi eine Sonderform der Berufsunfähigkeitsversicherung. Mit diesen, auch Spielereigendeckungen genannten, Policen sichern die Profisportler im Schnitt drei Jahresnettogrundgehälter ab, so Walther. „Wir konzentrieren uns ja nur auf die 1. und 2. Fußball-Bundesliga. Und für beide Ligen kann man sagen: Die allermeisten Spieler haben heutzutage eine Sportinvaliditätsversicherung“, wird der Ergo-Underwriter vom GDV zitiert. Bei den Marktwert-Policen gelte hingegen: Je aktiver ein Verein auf dem Transfermarkt ist, desto häufiger werden die Summen abgesichert.

Bei beiden Varianten ist ein verletzungs- oder krankheitsbedingtes vorzeitiges Karriereende der Leistungsauslöser. Die häufigsten Ursachen sind dabei instabile Knie- oder Sprunggelenke oder chronische Belastungsschmerzen. Beide Produkte haben jeweils nur eine Laufzeit von einem Jahr und werden immer wieder aufs Neue verlängert. Die Leistung erfolgt in beiden Fällen als Kapitalentschädigung.

Wachsender Absicherungsbedarf

Die Prämie wird laut Walther für jeden Spieler individuell berechnet. Sie liegt im Schnitt bei rund einem Prozent der Versicherungssumme und reicht von 0,6 bis 2 Prozent. Abhängig sei dies vor allem vom Alter des Spielers, da etwa die Verletzungsanfälligkeit mit dem Alter steigt, so Walther.

Grundsätzlich sei aufgrund der steigenden Ablösesummen und Gehälter ein wachsender Absicherungsbedarf erkennbar, erklärt der Underwriter. So hatte erst kürzlich der Rekordwechsel des brasilianischen Superstars Neymar (25) für eine Ablösesumme von 222 Millionen Euro von Barcelona nach Paris für weltweite Aufregung gesorgt. Die Prämie für seine Marktwert-Absicherung würde damit im ersten Jahr zwischen 1,332 und 4,44 Millionen Euro liegen. Bis es auch in der Bundesliga zu solchen Summen kommt, dürfte aber noch einige Zeit vergehen. 

BaFin geht gegen obskuren Versicherer vor

Di, 08/15/2017 - 13:59

Es ist nur ein Buchstabe, aber eine Verwechselung könnte verhängnisvoll sein: Die BaFin warnt in einem aktuellen Rundschreiben vor der Deutschen Gesundheitskasse – oder kurz DeGeKa aus Dresden. Diese ähnelt vom Namen her stark dem PKV-Branchenführer Debeka und bietet auch eine Krankenversicherung mit der Bezeichnung „Basistarif KVBT“ an, die Leistungen beim Arzt, Zahnarzt, Krankenhaus und im Ausland umfassen soll.

Weiterhin können Kunden noch eine Krankentagegeld- sowie eine Krankenhaustagegeldversicherung abschließen. Das Problem hierbei: Solche Versicherungen darf die Deutsche Gesundheitskasse gar nicht anbieten – es fehlt schlicht und einfach an der Erlaubnis, solche Versicherungsgeschäfte in Deutschland betreiben zu wollen, wie die BaFin mitteilt.  

Das dürfte der Deutschen Gesundheitskasse allerdings recht egal sein. Auf der Homepage ist in einem auf den 8. August datierten Beitrag vermerkt: „Sollten Sie sich für uns entscheiden wollen, müssen sie sich im Klaren sein, daß die BaFin für die Deutsche Gesundheitskasse und auch für die Deutschen Staatsangehörigen nicht verantwortlich ist. Deren Handeln beruht eindeutig nur im Rechtskreis des Vereinten Deutschlands (Vereinigtes Wirtschaftsgebiet der EU).“  

Auch sonst scheint der selbsternannte Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit mit der Bundesrepublik und den hier geltenden Gesetzen und Vorschriften nur bedingt zu tun haben zu wollen. In ihrer Satzung erklärt die DeGeKa, dass das Geschäftsgebiet des Vereins ganz Deutschland in seinen Außengrenzen vom 31. Juli 1914 umfasst.  

Seite 1: BaFin geht gegen DeGeKa vor
Seite 2: Nicht der erste Versuch

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Als verantwortlich für den Inhalt wird im Impressum „Die Universität für sozialpädagogische Identitätskompetenz“ genannt, als zuständige Aufsichtsbehörde das Reichs-Versicherungsamt. Etwaige Maßnahmen der BaFin, wie beispielsweise eine Einstellungsanordnung, dürften bei der DeGeKa dementsprechend wohl kaum für eine Einstellung des Geschäftsbetriebes sorgen.  

Die DeGeKa ist nicht der erste Versuch aus der sogenannten „Reichsbürger“-Szene, eigene Versicherer auf die Beine zu stellen. Berühmtheit erlangte unter anderem der sogenannte „König von Deutschland“ Peter Fitzek. Dieser gründete nicht nur eine eigene Krankenkasse, sondern auch eine eigene Renten- und Haftpflichtversicherung sowie eine Bank.

Bei letzter wurde rund 600 Anleger um eine Summe von 1,3 Millionen Euro betrogen – das Landgericht Halle sprach Fitzek im März dieses Jahres wegen unerlaubter Bankgeschäfte und Untreue in einem besonders schweren Fall schuldig und verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten.http://www.procontra-online.de/artikel/date/2017/08/bafin-geht-gegen-obskuren-versicherer-vor/

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Infinus-Anleger: Alte Sorgen und neue Probleme

Di, 08/15/2017 - 12:21

Vor rund vier Jahren wurde die Infinus-Gruppe mit einer Razzia ausgehebelt. Seitdem wird nicht nur an einer juristischen Aufarbeitung des Skandals gearbeitet – auch die über 40.000 Anleger bangen seither um eine teilweise Rückerstattung ihre eingezahlten Ersparnisse von rund einer Milliarde Euro.

Doch bevor es dazu kommt mussten sie, die Anleger, dieser Tage erst einmal eine neue bittere Pille schlucken. Bruno Kübler, der Insolvenzverwalter der Infinus-Muttergesellschaft Future Business KG a.A. (Fubus), soll von rund 2.900 Inhabern von Fubus-Genussrechten Geld zurückfordern. Das berichten mehrere Medien unter Bezug auf das Schreiben, dass den Anlegern Anfang August zuging. 

Konkret werden darin Gewinnausschüttungen für die Jahre 2009 bis 2012 in Höhe von insgesamt fast 12 Millionen Euro zurückgefordert. Begründet wird dies damit, dass es sich bei dem damals an die Anleger ausgezahlten Geld um sogenannte Scheingewinnausschüttungen auf Genussrechte handelte.

Wo kein Gewinn, da kein Zins…

Erneut erstellte Jahresabschlüsse der besagten Jahre im Auftrag Küblers hätten aber gezeigt, dass anstatt einem Gewinn jeweils ein Verlust von durchschnittlich etwa 90 Millionen Euro erwirtschaftet wurde, berichtet das Finanzmagazin Fonds professionell. "Gewinnabhängige Renditen hätten daher nicht ausgezahlt werden dürfen“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters dem Magazin.

Weiter heißt es, Kübler sei sogar verpflichtet, das Geld bei den Genussrechteinhabern einzufordern, da er sich sonst gegenüber den übrigen Insolvenzgläubigern regresspflichtig machen würde. Wie berichtet wird, hätten die zur Rückzahlung aufgeforderten Anleger jedoch die Möglichkeit zur "Einrede der Entreicherung", auf die der Insolvenzverwalter in seinem Schreiben sogar selbst hinweist. Das bedeutet, dass sie das erhaltene Geld bereits ausgegeben haben und deshalb nicht mehr zurückzahlen können. Dies bedarf aber anscheinend einer aufwendigen juristischen Prüfung.

…und keine Steuern

Wie Fonds professionell weiter berichtet, will Kübler aufgrund der neuen Jahresabschlüsse auch die in den Jahren 2009 bis 2012 gezahlte Gewerbesteuer von der Stadt Dresden zurückverlangen. Da die Unternehmen eigentlich dauerhaft Verluste erwirtschaftet haben, hätten sie auch keine Steuern zahlen müssen, so die Begründung.

Insgesamt würde die bislang herangezogene Insolvenzmasse bei rund 170 Millionen Euro liegen und damit 20 Millionen höher als in 2016. Der Insolvenzverwalter hatte vergangenes Jahr in Aussicht gestellt, den Anlegern bis zu 20 Prozent ihrer Ersparnisse zurückzahlen zu können

Getsurance kooperiert mit Maklerpool, Wefox mit Versicherer

Di, 08/15/2017 - 11:37

Das InsurTech Wefox, das auch unter die Versicherer gehen will, hat ein weiteres Mitglied für sein Innovations-Lab gefunden: Wie das InsurTech mitteilte, wird der Dortmunder Versicherer Volkswohl Bund der dritte Versicherer, mit denen Wefox im Rahmen seines Innovation Labs zusammenarbeiten will. Zuvor waren bereits Kooperationen mit den Versicherern VHV, Barmenia und Ergo bekannt gegeben worden.   Zusammen wolle man zukunftsweisende Produkte sowie Prozesse zum Vorteil von Maklern, Kunden und Versicherern erarbeiten, teilte WeFox mit.

So werde beispielsweise an Standards gearbeitet, mit denen administrative Prozesse, wie Angebotserstellung, Schadenmeldungen und Zahlungsverkehr über Schnittstellen kosten- und zeitsparend organisiert werden können. Der Volkswohl Bund hatte zuletzt mit der Gründung des neuen Lebensversicherers „Die Dortmunder Lebensversicherung“, die als erstes Produkt eine Grundfähigkeitspolice anbietet, von sich reden gemacht.  

Nicht nur Wefox, auch das Berliner InsurTech Getsurance hat eine Kooperation bekannt gegeben. Die Berliner, die jüngst mit einer digitalen BU-Versicherung an den Markt gingen, wollen in Zukunft mit dem Maklerverbund germanBroker.net zusammenarbeiten. „Wir öffnen uns damit auch für den klassischen Maklervertrieb und schlagen eine Brücke zwischen modernen digitalen Produkten und der persönlichen Kundenberatung vor Ort“, erläuterte Getsurance-Gründer Dr. Viktor Becher seine Beweggründe.  

Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen soll auch die zukünftige Produktentwicklung umfassen. Hierbei arbeitet Getsurance bereits mit dem amerikanischen Rückversicherer Reinsurance Group of America (RGA) zusammen.

Krankenhausaufenthalt dauert im Schnitt 7 Tage

Di, 08/15/2017 - 09:10

Insgesamt 19,5 Millionen Patientinnen und Patienten wurden 2016 stationär in einem Krankenhaus behandelt – das sind 1,4 Prozent oder 277.400 Behandlungsfälle mehr als im vergangenen Jahr, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Insgesamt stehen den Deutschen 498.700 Betten zur Verfügung.  

Im Durchschnitt wurde ein solches im Rahmen eines Krankenhausaufenthaltes für 7,3 Tage belegt. Die durchschnittliche Bettenauslastung in den 1.948 Krankenhäusern betrug 77,8 Prozent, wobei insbesondere die öffentlichen Krankenhäuser (79,9 Prozent) stärker ausgelastet waren als die freigemeinnützigen (76,6) sowie privaten Häuser (74,9).  

Auch die Zahl der stationären Behandlungen in Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen nahm im vergangenen Jahr zu: Insgesamt nahmen 2016 1.983.886 Patienten deren Dienste in Anspruch, das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 0,7 Prozent bzw. 13.300 Behandlungsfällen.  

Insgesamt standen hier knapp 164.900 Patienten in 1.148 Einrichtungen zur Verfügung, deren durchschnittliche Bettenauslastung lag bei 83,2 Prozent. Auch hier fiel die Auslastung in den öffentlichen Einrichtungen (91,3 Prozent) wesentlich höher aus als in den freigemeinnützigen (84,8) und privaten (80,6).

„Die Technischen Versicherungen sind ganz nah am Puls der Zeit“

Mo, 08/14/2017 - 14:30

Herr Köster, heutzutage besitzt die Mehrzahl der Unternehmen Maschinen oder elektronische Geräte, für die es technische Spezialpolicen gibt. Trotzdem zeigen Studien, dass beim Mittelstand lediglich für die Betriebshaftpflicht- und Gebäudeversicherung die Abschlussquoten bei über 50 Prozent liegen. Können Sie dieses Ergebnis bestätigen?

Viele Kunden, gerade im produzierenden Gewerbe, wissen sehr genau, welche technischen und finanziellen Risiken sie im täglichen Betrieb eingehen können und welche nicht. Bei vielen Unternehmen ist die Nachfrage nach Versicherungsschutz ähnlich hoch wie im Bereich der Betriebshaftpflicht– und Gebäudeversicherung. Andere Firmen hingegen sichern sich gezielt nur gegen bestimmte Risiken ab.

Wie erklärt sich Ihrer Meinung nach diese Kluft aus Bedarf und gezielter Absicherung?

Hier muss man ganz klar nach produzierendem und nicht produzierendem Gewerbe unterscheiden. Bei letzterem fokussieren sich die Kunden eher auf die klassischen Sachgefahren und nicht so sehr auf die Technischen Versicherungen. Nicht jeder braucht eben immer alles.

Wirken sich die MultiLine-Angebote der R+V auf die technischen Versicherungen aus? Oder anders gefragt: Sind Unternehmen eher dazu bereit, technische Versicherungen abzuschließen, wenn diese Teil einer Paketlösung sind?

Bündelprodukte wie die MultiLine-Angebote von R+V kommen im Markt hervorragend an. Gerade für den typischen Mittelstandskunden hat eine Rundum-Deckung, die etliche passende Bausteine zusammenführt, durchaus Charme. Manche Unternehmen aber setzen Schwerpunkte und bevorzugen ein individuelles Angebot. Für uns ist wichtig, dass wir als Versicherer beide Wünsche befriedigen können.

Was können Makler tun, um ihre Kunden noch besser vom Sinn der technischen Spezialversicherungen zu überzeugen?

Die technische Entwicklung wird heute immer schneller. Dadurch entstehen praktisch über Nacht neue Risiken, die man sich vor Kurzem noch gar nicht vorstellen konnte – denken Sie beispielsweise an das Thema Cyber-Kriminalität. Hier gilt es, den Kunden umfassend zu beraten. Die Technischen Versicherungen sind dabei ganz nah am Puls der Zeit. Deshalb können wir neue Risiken rasch identifizieren und gemeinsam mit unseren Maklerpartnern den Kunden entsprechende Lösungen anbieten.

Mit den Photovoltaik- und CyberRisk-Policen sind in jüngerer Zeit neue, bedarfsgerechte Produkte auf den Markt gekommen. Welche weiteren Spezialversicherungen könnten Sie sich für die nahe Zukunft vorstellen? 

Neben der sehr erfolgreichen Photovoltaik-Police sind wir auch mit unserer neuen CyberRisk-Police hoch zufrieden. Die rasanten Zuwächse zeigen uns, dass es wichtig und richtig war, ein solches Produkt auf den Markt zu bringen. Wie gesagt: Die Technischen Versicherungen sind ganz nah dran am technologischen Fortschritt – und beschäftigen sich daher mit Themen wie Big Data oder Industrie 4.0. Gerade durch die Vernetzung von Maschinen untereinander oder auch durch die 3D-Drucker-Technik ergeben sich permanent neue Risiken. Hier sind entsprechende Versicherungslösungen gefragt. Bei den Technischen Versicherungen bleibt es also auch in Zukunft spannend.

 

 

Gut versichert von Anfang an: Die Bauleistungsversicherung

Mo, 08/14/2017 - 14:22

Die Errichtung gewerblicher Gebäude stellt eine beachtliche Investition dar. Gleichzeitig ist das Objekt schon während der Bauphase verschiedensten Risiken ausgesetzt. Klassische Gewerbeversicherungen wie die Gebäude- und die Inhaltsversicherung greifen jedoch erst für den fertigen Bau. Um das Projekt vom ersten Tag an zu schützen, sollte deshalb eine Bauleistungsversicherung abgeschlossen werden. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Wer schließt die Bauleistungsversicherung ab?

Versicherungsnehmer ist entweder der Bauherr oder aber das von ihm als Hauptauftragnehmer engagierte Bauunternehmen. Alle nachfolgenden Subunternehmer, also die einzelnen Handwerker, sind auf diese Weise mitversichert.

Was genau wird durch die Bauleistungsversicherung abgesichert?

Die Bauleistungsversicherung schließt alle Bauleistungen mit ein, auch sogenannte Eigenleistungen des Versicherungsnehmers. Ebenfalls versichert sind sämtliche Baustoffe und Bauteile sowie Hilfsstoffe und Bauhilfsstoffe, inklusive wichtiger fest einzubauender Elemente wie Fenster und Türen. Sie gilt für Hoch-, Tiefbau- und Montageprojekte.

Welche Schäden sind abgedeckt?

Versichert sind unvorhersehbare Schäden durch höhere Gewalt und Naturereignisse, ungewöhnliche Witterungsverhältnisse, vorsätzliche und mutwillige Zerstörung durch Dritte, Material- oder Konstruktionsfehler, Fahrlässigkeit oder Ungeschicklichkeit der Arbeiter, Glasbruch, Diebstahl von versicherten und fest mit dem Gebäude verbundenen Sachen.

Welche Leistungen erbringt die Bauleistungsversicherung im Schadenfall?

Die Bauleistungsversicherung trägt die Kosten für Materialien und Arbeitslöhne, die aufgebracht werden müssen, um den baulichen Zustand vor dem Schadensereignis wiederherzustellen. Das schließt auch die Aufwendungen für Aufräumarbeiten. Sollte an Hilfsbauten und Bauhilfsstoffen ein Totalschaden entstehen, wird der Zeitwert ersetzt.

Wann endet der Versicherungsschutz?

Der Versicherungsschutz der Bauleistungsversicherung endet spätestens mit der Bezugsfertigkeit des Gebäudes bzw. am Tag der behördlichen Gebrauchsabnahme – oder aber sechs Werktage nach Beginn der Nutzung. Generell dauert er maximal zwei Jahre, wobei Verlängerungen auf Antrag möglich sind.

Maschmeyer: DVAG, AWD und der Doppelagent

Mo, 08/14/2017 - 14:08

Egal wohin er geht oder was er tut – Carsten Maschmeyer eilt ein Ruf voraus. Als der Ex-AWD-Chef kürzlich ankündigte, sich wieder in der Versicherungswirtschaft engagieren zu wollen, überschlugen sich in den sozialen Netzwerken die negativen Kommentare. Doch sind Maschmeyer und der AWD besser als ihr Ruf?

Ein neues Buch wirft diese Frage auf. Es trägt den Titel „Mein Auftrag: Rufmord“ und soll dieser Tage im Herbig Verlag erscheinen. Autor ist Stefan Schabirosky, ehemals für den AWD als Vermittler tätig und später Mitarbeiter von dessen Konkurrenten, der Deutschen Vermögensberatung (DVAG). Diese habe ihn beauftragt, eine Rufmord-Kampagne gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber und dessen Chef zu organisieren, behauptet Schabirosky. Wie diese ausgesehen habe, beschreibt der Autor – zahlreichen Medienberichten zufolge – detailliert in seinem Buch.

Frisierte Zahlen, gestohlene Dokumente

So habe er unter anderem für die Erstellung von „Anti-AWD“-Internetseiten und für zahlreiche anonyme Strafanzeigen gegen den Finanzvertrieb gesorgt. Schabirosky soll dem AWD aber auch Unterlagen entwendet und verschiedene Unternehmenszahlen frisiert haben.

Schabirosky war zunächst 10 Jahre für den AWD tätig. Nach dem Zerwürfnis mit dem Arbeitgeber 2003 bot er seine Dienste der Konkurrenz an. Die DVAG bestätigte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), mit Schabirosky einen Beratungsvertrag als Controller abgeschlossen zu haben. Die Vorwürfe einer Rufmord-Kampagne gegen Maschmeyer und AWD weist der Finanzvertrieb aber „entschieden zurück“.

Seite 1: Rufmord? Ein Insider packt aus
Seite 2: „Persönlicher Rachefeldzug auf DVAG-Kosten“

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Wie die DVAG weiter mitteilte, sei Schabirosky für sie als Beobachter des europäischen Finanzmarktes tätig gewesen und habe eigenverantwortlich gehandelt. "Nachdem keine verwertbaren Arbeitsergebnisse geliefert wurden und die Erkenntnis reifte, dass Schabirosky überwiegend und auf Kosten der DVAG einen persönlichen Rachefeldzug gegen den AWD führte, trennte sich die DVAG Ende 2008 von Schabirosky“, erklärte die DVAG gegenüber der dpa.

Im Kontext der Trennung habe Schabirosky eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass mögliche Missachtungen von Gesetzen auf sein eigenes "Tun und Handeln ohne Wissen, ohne Weisung der DVAG geschehen" seien.

Millionen und Milliarden

Mehreren Medienberichten zufolge soll sich Schabirosky – beinahe im Stile eines Doppelagenten – im Jahr 2016 dazu entschlossen haben, Maschmeyer zu kontaktieren und ihn über die Rufmord-Kampagne ins Bild zu setzen. Daraufhin soll auch die Idee für das Buch entstanden sein. Auch deswegen, wie die Welt am Sonntag berichtet, weil ihm die DVAG einen Schlussbonus in Millionenhöhe nicht auszahlen wollte.

Ob und in welchem Ausmaß Schabiroskys Vorwürfe auch zu juristischen Auseinandersetzungen führen werden, ist derzeit noch offen. Es sollte jedoch klar sein, dass „erfolgreiche“ Rufmord-Kampagnen in einem vertrauensabhängigen Geschäftszweig wie der Finanzbranche ein mächtiger Hebel sein können. Bei den Allfinanzvertrieben ist dieser sogar besonders hoch. Denn als größter dieser Art konnte die DVAG im vergangenen Jahr rund 1,3 Milliarden Euro an Provisionserlösen verbuchen – zehn Mal so viel wie der erfolgreichste Maklerpool.

Seite 1: Rufmord? Ein Insider packt aus
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Talanx: Weniger Mitarbeiter – mehr Gewinn

Mo, 08/14/2017 - 13:28

Die Probleme in der Lebens- und Krankenversicherung stärken die Bedeutung der Schaden-/Unfallsparte für die Versicherer, so stellte erst kürzlich Assekurata in einer Studie fest. Die aktuell von Talanx vorgelegten Geschäftszahlen spiegeln genau diese Entwicklung wider

Schaden/Unfall: „Geschäftsentwicklung ermutigend“

Im Privat- und Firmenkundengeschäft sieht sich Talanx auf einem guten Weg. Zwar sanken die Prämieneinnahmen in den ersten sechs Monaten leicht (von 3.346 Mio. auf 3.310 Mio. Euro. Doch das EBIT dieses Geschäftsbereichs stieg auf 63 (56) Mio. EUR. Damit konnte der Beitrag zum Konzernergebnis von 24 auf 50 Mio. Euro verdoppelt werden.
Ein Halbjahresergebnis, mit dem sich die Talanx-Führung auf ihrem bisherigen Weg (Stellenabbau trotz Rekordgewinn) bestätigt fühlt.
Tatsächlich bemerkenswert ist, dass das Fehlen des Kfz-Flottengeschäfts nicht weiter auffällt. Das Flottengeschäft war erst kürzlich vom Firmensegment in die Industrieversicherung überführt worden. Wie Talanx mitteilte, seien die daraus resultierenden Mindereinnahmen durch Absatzsteigerungen über die digitale Kfz-Strecke, den Ausbau der Arbeitslosigkeitsversicherung sowie Wachstum beim Geschäft mit kleinen und mittelständischen Firmen und freien Berufen „mehr als kompensiert“ wurden.
Im Schaden/Unfallbereich ging die kombinierte Schadenkostenquote um 3,2 Prozentpunkte zurück und notierte bei 101,5 (104,7) Prozent. Verantwortlich für die Verbesserung seien hauptsächlich die günstige Schadenentwicklung und eine geringe Belastung durch Naturkatastrophen, so der Versicherer.

Gewinnerwartung nach oben korrigiert

Insgesamt konnte die Talanx-Gruppe hat ihr Halbjahresergebnis um 14,9 Prozent auf 463 (403) Mio. EUR steigern. Besonders das deutsche Privat- und Firmenkundengeschäft und die Industrieversicherung hätten zu diesem Ergebnis beigetragen, so der Versicherer. Entsprechend wurde die Gewinnerwartung um 50 Mio. Euro nach oben korrigiert: „Mit dem Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2017 sind wir sehr zufrieden und passen unseren Ausblick 2017 entsprechend an. Beim Konzernergebnis gehen wir nun von rund 850 Mio. EUR aus", sagt Herbert K. Haas, Vorstandsvorsitzender der Talanx AG.

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