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Aktualisiert: vor 21 Stunden 59 Minuten

HDI: Vermittler beim Elementarschutz gefordert

Fr, 10/13/2017 - 15:28

Elementarschadenereignisse nehmen zu. Es mag ein besonders starker Sprung sein, aber in 2016 mussten die deutschen Versicherer fast zehnmal so tief in die Tasche greifen, wie noch 2015. Und auch in diesem Jahre machte sich die verändernde Wetterlage bereits bemerkbar, als es im Sommer in weiten Teilen Deutschlands zu Starkregenfällen und hohen Schäden kam.

Schon damals hatte man beim Berliner Maklerpool Aruna auf procontra-Nachfrage den Vermittlern deutlich empfohlen, im Zuge ihrer Sachwalterschaft Elementarschutz beim Kunden aktiv anzusprechen. Auch aus Gründen der eigenen Haftbarkeit.

Von Seiten der HDI Versicherungen wird diese Empfehlung nun noch einmal ausdrücklich betont. Mit Verweis auf eine GfK-Umfrage aus dem vergangenen Jahr erklärt der Versicherer, dass 93 Prozent der Hauseigentümer glauben würden, ihr Eigenheim wäre gegen Naturgefahren aller Art versichert. Tatsächlich sei dies aber nur bei 40 Prozent der Fall. Hier sind nun die Vermittler in der Pflicht, Aufklärungsarbeit zu leisten – auch, um sich selbst vor Beratungsrisiken zu schützen, heißt es seitens HDI.

Eigenverantwortung wird wichtiger

Dies sei auch deswegen wichtig, weil neben den stärker werdenden Naturereignissen noch ein anderer Risikofaktor zunehmen wird. „In der Vergangenheit hat der Staat, zum Beispiel nach Orkanen oder Flutkatastrophen, häufig Nothilfe-Fonds eingerichtet um Menschen, die ihr Hab und Gut verloren hatten, einen finanziellen Neuanfang zu ermöglichen. Künftig sollen Hauseigentümer aber nur noch dann unterstützt werden, wenn sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegen Schäden durch Naturgefahren versichert haben. Eigenverantwortung wird wichtiger – und Vermittler sind umso mehr gefordert, ihre Kunden zu sensibilisieren", so Wolfgang Hanssmann, Vertriebsvorstand bei HDI. 

Laut dem GDV sind 99 Prozent aller Gebäude problemlos gegen Starkregen und Überschwemmungen versicherbar.

PKV: Künstliche Befruchtung nur für Ehepaare?

Fr, 10/13/2017 - 13:33

Für Frauen, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können, bietet die künstliche Befruchtung Grund zur Hoffnung. Eine entnommene Eizelle wird dabei außerhalb des Körpers im Glas (lateinisch: in vitro) befruchtet und dann in die Gebärmutter übertragen. Private Krankenversicherer können hierbei für die Kosten aufkommen – aber in welchen Fällen? Darf die PKV die Übernahme von Behandlungskosten nur auf Ehepaare begrenzen? Mit dieser Frage befasste sich nun das OLG Karlsruhe (Az: 12 U 107/17).  

Was war passiert?  

Eine privat versicherte Frau konnte zwar auf natürlichem Wege schwanger werden, litt aber an einer chromosomalen Veränderung, durch die die Wahrscheinlichkeit, ein gesundes Kind zu gebären, auf 50 Prozent sank.  Laut den Versicherungsbedingungen ihrer PKV übernahm diese bei organisch bedingter Sterilität drei Behandlungsversuche zur künstlichen Befruchtung.  

Allerdings, so schränkten die Versicherungsbedingungen ein, gelte dies nur, wenn die versicherte Person verheiratet ist und für die künstliche Befruchtung ausschließlich Ei- und Samenzellen des Ehepaares verwendet werden.  

Die Frau ließ allerdings bereits vor ihrer Hochzeit einen Versuch durchführen, der allerdings erfolglos verlief. Hierbei entstanden Kosten in Höhe von 11.771 Euro. Diese wollte die Versicherung nicht zahlen, verwies auf die Beschränkung auf Ehepaare und argumentierte, dass die Frau sehr wohl auf natürlichem Wege schwanger werden könne. Hiergegen klagte die Frau.  

Seite 1: Künstliche Befruchtung auch für unverheiratete Paare?
Seite 2: So urteilten die Karlsruher Richter

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Das Urteil  

Die Karlsruher Richter urteilten, dass die Beschränkung der Kostenübernahme auf Ehepaare unwirksam sei. Der Versicherer hatte zuvor auf eine ähnliche Bestimmung für gesetzlich Versicherte verwiesen. Dieser Vergleich greife hier aber, so die Richter. Im Gegensatz zur gesetzlichen Versicherung, in der der Gesetzgeber bei der Gestaltung der Leistungspflichten diverse Erwägungen verfolge, seien für die privaten Anbieter ausschließlich wirtschaftliche Interessen von Bedeutung. Deshalb sei die Unterscheidung zwischen verheirateten und unverheirateten Paaren willkürlich und damit unwirksam.  

Darüber hinaus stellten die Richter fest, dass die Frau zwar auf natürlichem Wege schwanger werden könne, ihre genetische Veränderung allerdings ein hohes Risiko eines Scheiterns der Schwangerschaft darstelle und somit die Fortpflanzungsfähigkeit der Frau beeinträchtige. Damit sei es eine Krankheit, für die die Versicherung die Kosten übernehmen müsse.  

Unter welchen Voraussetzungen private Krankenversicherer Maßnahmen der Vorimplationsdiagnostik erstatten müssen, haben Deutschlands höchste Richter bislang jedoch genauso wenig entschieden wie die Frage, ob eine Leistungsbeschränkung auf verheiratete Paare rechtens sei. Das OLG Karlsruhe ließ darum eine Revision zu, so dass der Fall vor den Bundesgerichtshof gebracht werden kann.

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Seite 2: So urteilten die Karlsruher Richter

Das sind die besten Riester-Renten 2017

Fr, 10/13/2017 - 10:45

Von der Politik kamen zuletzt positive Signale in Sachen Riester-Rente. So wird in 2018 die Grundzulage erhöht und die Riester-Einkünfte werden weniger als bisher auf die Grundsicherung angerechnet. Diese Maßnahmen kommentieren Branchenexperten aber nicht durchweg positiv und auch die Zahl der Riester-Versicherungsverträge ist zumindest aktuell weiterhin rückläufig.

Dennoch oder gerade deswegen hat sich das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) zum neunten Mal dem Thema Riester-Rente angenommen und ein Rating der am Markt befindlichen Produkte erstellt. Untersucht wurden 45 Tarife von 31 Anbietern, je nach ihrer Anlageform unterteilt in die Produktkategorien Klassik, Klassik Plus, Index, fondsgebundene Tarife mit Garantien und Comfort.

So wurde getestet

Bewertet wurden die Riester-Produkte anhand von 85 Kriterien, die sich thematisch auf vier Bereiche verteilen. Diese vier Teilbereiche wirken sich unterschiedlich stark auf die letztendliche Gesamtnote im IVFP-Rating aus: Unternehmen (35 Prozent), Rendite (30 Prozent), Flexibilität (25 Prozent) sowie Transparenz und Service (10 Prozent).

Untersucht wurden bei den einzelnen Tarifen zum Beispiel folgende Kriterien:

  • Eigenkapital-Quote        
  • RfB-Zuführungsquote      
  • Abschluss- und Verwaltungskostenquote     
  • Stornoquote     
  • Fondsbewertung     
  • Rückkaufswerte nach 5 und 20 Jahren     
  • Kosten für Anbieterwechsel     
  • Hinterbliebenenabsicherung in der Rentenphase     
  • Auswahl Anlagemöglichkeiten    
  • Hinweis auf Zuordnung der Kinderzulage

Eine vollständige Liste aller angewandten Testkriterien sowie weitere Informationen zur Rating-Struktur können über diesen Link als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Seite 1: IVFP erstellt Rangliste für Riester-Renten
Seite 2: Das sind die Testsieger
Seite 3: Unabhängiges Rating?

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Riester-Tarife Klassik:

  • Allianz mit „Allianz RiesterRente Klassik“ (Gesamtnote 1,2)      
  • R+V mit „R+V-RiesterRente“ (Gesamtnote 1,6)     
  • Debeka mit „Debeka Riester-Rente“ (Gesamtnote 1,7)

Riester-Tarife Klassik Plus (nur zwei Platzierungen):

  • Allianz mit „Allianz RiesterRente Perspektive“ (Gesamtnote 1,2)     
  • Neue Leben mit „neue leben aktivplan riester klassik“ (Gesamtnote 1,6)

Riester-Tarife Index:

  • Allianz mit „Allianz RiesterRente IndexSelect“ (Gesamtnote 1,1)      
  • Stuttgarter mit „RiesterRente index-safe“ (Gesamtnote 1,3)     
  • Axa mit „Relax RiesterRente Classic“ (Gesamtnote 1,3)

Riester-Tarife fondsgebunden mit Beitragsgarantie:

  • Allianz mit „Allianz RiesterRente InvestFlex“ (Gesamtnote 1,1)     
  • Alte Leipziger mit „ALfonds-Riester“ (Gesamtnote 1,4)     
  • Stuttgarter mit „RiesterRente performance-safe“ (Gesamtnote 1,4)

Riester-Tarife Comfort:

  • Allianz mit „Allianz RiesterRente KomfortDynamik“ (Gesamtnote 1,1)     
  • Württembergische mit „Genius RiesterRente Plus Comfort“ (Gesamtnote 1,4)     
  • Zurich mit „VarioInvest FörderRente“ (Gesamtnote 1,8)

Seite 1: IVFP erstellt Rangliste für Riester-Renten
Seite 2: Das sind die Testsieger
Seite 3: Unabhängiges Rating?

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Die Produkte der Allianz liegen in allen fünf Kategorien an der Spitze, dahinter variieren die Platzierten stark (vollständige Ergebnisliste als PDF-Datei). Auch in anderen Rententarif-Ratings des IVFP belegen fast ausschließlich Allianz-Produkte den Testsieger-Thron, etwa bei Privatrenten und bAV-Tarifen.

Das Institut weist darauf hin, dass es komplett unabhängig von Produktgebern oder politischen Einflüssen agiert. Die Bewertung der Produkte erfolgt auf Basis öffentlich zugänglicher Daten. Weiter heißt es im IVFP-Bericht:

„Als Quellen werden die Versicherungsbedingungen, verbindliche Verbraucherinformationen (unter anderem das Produktinformationsblatt), Antragsformulare, Geschäftsberichte, Werbematerialien sowie Produktinformationen über die Website des Versicherers herangezogen. Für die Renditeberechnungen werden die aktuellen Tarifrechner verwendet. Um die Vergleichbarkeit von Kennzahlen sicherzustellen, wurden standardisierte Methoden zur Berechnung dieser Werte festgelegt.“

Das IVFP betont zudem, dass es aufgrund der unterschiedlichen Versicherungsbedingungen sowie der Komplexität des Themas beim Abschluss eines Riester-Vertrages unabdingbar ist, sich als Kunde umfassend beraten zu lassen. „Nur mit einer individuellen Bedarfsanalyse durch einen kompetenten Berater lässt sich das richtige Produkt finden“, so das Fazit.

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Seite 2: Das sind die Testsieger
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Zusatzbeiträge: Krankenkassen warnen vor Beitragssatz-Jojo

Fr, 10/13/2017 - 09:41

14,6 Prozent beträgt der gesetzlich festgelegte Beitragssatz zur Krankenversicherung – jeweils zur Hälfte zu tragen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Doch dieser Betrag reicht nicht, um die steigenden Gesundheitskosten decken zu können. Die Idee der Politik: Zusatzbeiträge, die allerdings alleine von den Arbeitnehmern zu zahlen sind.  

Festgelegt wird der Zusatzbeitrag zwar von der jeweiligen Krankenkasse, doch im Hinblick auf die Gesamtheit aller Krankenkasse war der Zusatzbeitrag in den vergangenen Jahren stets angestiegen. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt derzeit bei 1,1 Prozent – ein Beitrag, der allerdings nur für 9,7 Millionen GKV-Versicherte gilt, wie dem Tätigkeitsbericht des Bundesversicherungsamtes zu entnehmen ist. 

Nun scheint aber eine Senkung dieses Beitrags möglich – diese ist zumindest Medienberichten zu entnehmen, die sich auf die Beratungen des zuständigen Schätzerkreises berufen. Hier diskutieren Vertreter aus Gesundheitsministerium und Bundesversicherungsamt über die zukünftige Höhe des Durchschnittbeitrages, der dann zum 1. November vom Bundesgesundheitsminister festgelegt wird.  

Wie beispielsweise der Berliner Tagesspiegel berichtet, halten die Experten eine Senkung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von derzeit 1,1 auf 1 Prozent für möglich – Grund hierfür sei die gute Finanzsituation der Krankenkassen.  

Uneinheitliche Situation

Die finanzielle Situation der Krankenkasse ist allerdings höchst uneinheitlich – während manche über große finanzielle Rücklagen verfügen, leben andere praktisch von der Hand in den Mund. Entsprechend negativ fiel von Seiten der Kassen das Echo auf die vorgeschlagene Beitragssenkung aus. Vielen Versicherten würden finanzielle Spielräume zur Beitragssenkung vorgegaukelt, die in der Praxis bei den allermeisten Krankenkassen nicht vorhanden seien, kritisiert Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbands, der politischen Interessenvertretung der 78 Betriebskrankenkassen: „Ich halte nichts vom Beitragssatz-Jojo“, so Knieps.  

Ähnlich äußerten sich auch die Innungskrankenkassen. „Wir Innungskrankenkassen halten eine Absenkung des durchschnittlichen Beitragssatzes für den falschen Weg und befürchten, dass es zu einem Jo-Jo-Effekt kommt", erklärt Jürgen Hohnl, Geschäftsführer des IKK e.V.  

Die finanziellen Auswirkungen für den einzelnen Versicherten dürften auf jeden Fall marginal ausfallen, wie der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vorrechnet. Versicherte mit einem monatlichen Einkommen von 3.000 Euro kämen auf eine Ersparnis von gerade einmal drei Euro – und auch nur, wenn die jeweilige Krankenkasse die Beitragssenkung mitmacht.

Was steckt hinter dem Rentenfaktor?

Fr, 10/13/2017 - 09:24

procontra: Herr Genheimer, der Rentenfaktor funktioniert ja quasi wie ein Wechselkurs, zu dem das angesparte Kapital des Kunden in eine lebenslange monatliche Rente umgerechnet wird. Für welche Art von Tarifen spielt dieses Modell eine Rolle?

Frank Genheimer: Der Rentenfaktor spielt bei Altersvorsorgetarifen eine Rolle, vorrangig bei fondsgebundenen Tarifen, denn dort kann bei Vertragsbeginn aufgrund der Unsicherheit bezüglich der späteren Ablaufleistung kein fester Rentenwert in Euro angegeben werden. Darüber hinaus ist ein Rentenfaktor auch relevant, wenn ein Altersvorsorgeprodukt beispielsweise nur eine Beitragsgarantie vorsieht – wie es etwa bei Hybridprodukten oder auch Varianten der modernen Klassik der Fall sein kann.

Der Rentenfaktor wird in aller Regel als ein Geldbetrag pro 10.000 Euro Guthaben angegeben. Beträgt der Rentenfaktor beispielweise 30 Euro, so bekommt der Kunde bei einem Guthaben von 200.000 Euro zum Rentenbeginn eine monatliche Rente von 600 Euro ausgezahlt.

Durch welche Vorteile zeichnen sich Tarife mit einem Rentenfaktor aus?

Wer für das Alter vorsorgen will, möchte gerne möglichst genau wissen, in welcher Höhe er durch ein Vorsorgeprodukt die Versorgungslücke im Alter schließen kann. Daher trifft ein Rentenfaktor eigentlich genau den Kundenwunsch. Gerade bei fondsgebundenen Tarifen hat der Kunde bestenfalls eine vage Vorstellung von der möglichen Ablaufleistung, aber in der Regel kein Gefühl für die sich daraus möglicherweise ergebende lebenslange Rente.

Warum bieten nur noch wenige Versicherer einen zu 100 Prozent garantierten Rentenfaktor an?

An dieser Stelle müssen wir zwei Ebenen unterscheiden: Zunächst einmal ist es wichtig, welche Rechnungsgrundlagen bei der Berechnung des Rentenfaktors verwendet werden. Zentral sind dabei die Annahmen zu Zins und der Lebenserwartung. Je vorsichtiger ein Unternehmen diese Annahmen wählt, desto niedriger fällt der Rentenfaktor aus. Im zweiten Schritt ist es dann erst wichtig, zu welchem Anteil dieser Rentenfaktor garantiert wird.

In Summe kann also ein Unternehmen mit weniger vorsichtigen Annahmen und einer 80%igen Garantie des Rentenfaktors letztlich eine höhere Garantie aussprechen als ein Unternehmen mit vorsichtigeren Annahmen und einer 100%igen Garantie.

Ganz allgemein gilt: Je weniger vorsichtig die Annahmen zum Rentenfaktor und je höher die Garantie dieses Faktors sind, desto größer ist das Risiko für das Versicherungsunternehmen, dass sich Entwicklungen bei Zins und der Lebenserwartung nachteilig für das Unternehmen auswirken können.

Hat das Rentenfaktor-Modell auch Nachteile?

So einfach die Grundidee des Rentenfaktors auch ist, die vielseitige Praxis macht es dem Vermittler und dem Kunden oft nicht leicht. Unterschiedliche Annahmen, unterschiedliche Garantiehöhen und auch unterschiedliche Bezugsgrößen bei den Rentenfaktoren sorgen regelmäßig für Verwirrungen.

Häufig kommt bei Altersvorsorgetarifen, etwa mit einer Beitragsgarantie, bei der Berechnung der tatsächlichen Rente ein mehrstufiges Verfahren zur Anwendung: Bei Rentenbeginn wird die garantierte Rente, die sich aus dem Garantiebetrag und dem garantierten Rentenfaktor ergibt, mit der Rente verglichen, die sich aus dem gesamten Guthaben unter Anwendung eines Rentenfaktors mit den zum Rentenbeginn gültigen Annahmen ergibt. Die höhere der beiden so ermittelten Renten wird dann ausgezahlt. Dies bedeutet aber auch, dass im Extremfall, beispielsweise aufgrund einer weiter steigenden Lebenserwartung, eine positive Performance der Kapitalanlage in der Aufschubzeit neutralisiert werden kann und nur die Garantierente zur Auszahlung kommt.

Worauf sollten Vermittler Ihrer Meinung nach achten?

Entscheidend ist nicht der Prozentsatz, zu dem ein Rentenfaktor garantiert wird, sondern die absolute Höhe. Zudem ist es wichtig, wie der Rentenfaktor ermittelt wird und welcher Rentenfaktor auf welchen Teil des Guthabens (Beitragssumme, Garantie, Ablaufleistung mit oder ohne Überschussbeteiligung) letztlich Anwendung findet.

Nicht weniger wichtig ist auch, ob und unter welchen Umständen ein Rentenfaktor in der Zukunft durch das Unternehmen angepasst werden kann. Hier gab es zu Beginn des Jahres bekanntlich ein paar Anbieter, die von dem Recht der Anpassung Gebrauch gemacht haben.

In Zukunft wird es für den Vermittler besonders wichtig sein, seinen Bestandskunden auch beim Rentenübergang beratend beizustehen, um einen optimalen finanziellen Start ins Rentnerdasein zu gewährleisten.

Wie können harte Rentenfaktoren erkannt werden?

Nun, ein „harter“ Rentenfaktor zeichnet sich dadurch aus, dass er zum einen garantiert ist und zum anderen nicht nachteilig für den Kunden geändert werden kann. Für eine abschließende Bewertung der angegebenen Rentenfaktoren hilft daher nur das genaue Studium der gesamten Vertragsunterlagen oder eben das Heranziehen sehr guter Vergleichsportale, die die Arbeit des Vermittlers hier entscheidend erleichtern können.

Wird dem Rentenfaktor heutzutage eher zu viel oder eher zu wenig Beachtung geschenkt?

Diese Frage kann ich nicht pauschal beantworten und möchte sie daher aus verschiedenen Perspektiven betrachten.

Wer für das Alter vorsorgen will, möchte gern möglichst genau wissen, in welcher Höhe er durch ein Vorsorgeprodukt die Versorgungslücke im Alter schließen kann. Daher ist der Rentenfaktor ein sehr wichtiges Element.

Es ist aber festzuhalten, dass der Rentenfaktor ja nur dann relevant wird, wenn es auch zu einer Verrentung kommt – dies hängt zum einen von der Schicht und zum anderen von den verschiedenen zukünftigen Entwicklungen ab. Zu nennen sind da etwa das zukünftige Angebot an geeigneten und attraktiven Tarifen für den Rentenbezug am Markt oder aber auch die Entwicklung der Lebenserwartung in der Bevölkerung.

Bei der Produktauswahl stehen zudem zahlreiche andere und wichtige Kriterien zur Diskussion. Etwa die (realistischen) Performance-Chancen eines Tarifs oder die Informationen zu den Kosten eines Produktes und der Kapitalanlage. Was bringt mir ein etwas besserer Rentenfaktor, wenn man fast sicher davon ausgehen muss, dass am Ende auch nicht viel mehr als die garantierte Rente zur Auszahlung kommt, weil die Produktkonstruktion für die Zukunft nicht viele Performance-Chancen hergibt?

Für den Rentenbezug wird sowohl die Flexibilität hinsichtlich der Verfügbarkeit des Kapitals als auch die Kapitalanlage selbst immer wichtiger werden. Hier haben die Lebensversicherer aber noch eine Reihe an Hausaufgaben zu machen. Der Wettbewerb um die Rentenbezugszeit wird zunehmen, und es werden daher in Zukunft in vielen Fällen zum Rentenbeginn die Karten neu gemischt werden. Hier kommt dem Vermittler eine besondere Aufgabe zu.

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Zur Person:

Frank Genheimer ist Partner bei New Insurance Business, einer Gesellschaft für strategische und taktische Beratung von Versicherungsunternehmen und deren Kooperationspartner. Sein Hauptaugenmerk liegt auf den Themen „Innovationen & Digitalisierung” sowie „Neugeschäftsstrategie”, „Produkte” und „Kooperations­management”. Frank Genheimer ist regelmäßig Referent und Moderator bei Events, Seminaren und Workshops in der Finanzdienstleistungsbranche. Vor seiner aktuellen Tätigkeit als Berater war er über zehn Jahre in verschie­denen Positionen in der europäischen Lebensversiche­rungsindustrie tätig. 

GDV und BdV vereint bei Verbraucherschutzreform

Do, 10/12/2017 - 16:01

Spätestens, als Martin Schulz während dem Kanzler-Duell live im Fernsehen von der Musterfeststellungsklage sprach, gelangte das Thema zurück in die öffentliche Wahrnehmung. Nun hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) den Bund der Versicherten (BdV) um eine Stellungnahme zum „Diskussionsentwurf eines Gesetzes zur Einführung einer Musterfeststellungsklage“ gebeten.

Sammelklagen wie in den USA gibt es in Deutschland nicht. Wer hierzulande sein Recht durchsetzen will, muss in den allermeisten Fällen selbst einen Rechtsstreit durchfechten – unabhängig davon, was andere in vergleichbaren Fällen bereits erstritten haben. Eine Ausnahme bildet die Musterfeststellungsklage. Sie macht, Experten zufolge, vor allem dann Sinn, wenn eine Vielzahl von Verbrauchern Opfer desselben Schadens geworden sind, diesen aber nicht einfordern, weil er im Einzelnen zu klein für einen aufwendigen Rechtsstreit erscheint.

Dieselgate als Antrieb

Ein aktuelles Beispiel und Antreiber für die neu entfachte Diskussion ist der Skandal um die manipulierten Abgaswerte bei rund 11 Millionen Dieselfahrzeugen von Volkswagen. Der Skandal tangiert auch die Versicherungsbranche. Tausende von Leistungsfällen machen den Rechtsschutzversicherern zu schaffen und haben unter anderem auch für einen enormen Anstieg bei den Beschwerdezahlen gesorgt.

„Wir halten die Einführung eines Musterfeststellungsverfahrens für sinnvoll. Nur so kann eine zügige und kostengünstige Durchsetzung von Ansprüchen, die einer Vielzahl von Verbrauchern zustehen, ermöglicht werden – so zum Beispiel auch im Bereich der Lebensversicherung“, erläutert BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. So könnten die Grundsatzfragen vieler Betroffener, die dieselbe oder eine vergleichbare Schadenursache haben, in einem Verfahren zusammengefasst und geklärt werden. Das daraus resultierende Urteil könnten dann alle Betroffenen für sich als bindende Präzedenz nutzen.

Seite 1: Auch kleines Unrecht muss bestraft werden
Seite 2: Klage muss für 10 Euro möglich sein

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Aktuell ist die Musterfeststellungsklage nur in eingeschränkter Form für geschädigte Aktionäre möglich. Das regelt derzeit das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG). Sollte es zur Einführung eines allgemein gültigen Gesetzes kommen, sieht man beim BdV einen niedrigschwelligen Zugang zum Verfahren für den Verbraucher als besonders wichtig an.

Laut Kleinlein müsse es genügen, wenn sich der Betroffene für das Klageregister anmeldet, womit Kosten von etwa 10 Euro verbunden wären. Danach müsse er nichts mehr tun und könne den Ausgang des Verfahrens abwarten. An die neue Bundesregierung appelliert Kleinlein, dass diese zeitnah die Grundlage für eine gesetzliche Regelung schaffen müsse.

Auch GDV fordert Gesetz

Konkrete Vorschläge für eine Einführung der Musterfeststellungsklage kommen auch vom Gesamtverband der Versicherer. In seiner Kolumne hatte Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Geschäftsführung, betont, dass eine Musterfeststellungsklage erst dann statthaft sein sollte, wenn eine mindestens dreistellige Zahl von Verbraucherinnen und Verbrauchern betroffen ist. Dadurch könne, laut von Fürstenwerth, ein Missbrauch des Instruments verhindert werden.

Aus Sicht des GDV-Geschäftsführers dürfe die Musterfeststellungsklage nicht dazu führen, dass hierzulande eine Art „Klageindustrie“ entsteht, die nicht im Sinne des Verbraucherschutzes, sondern aus reinen Profit-Interessen agiert.

Allerdings sei ein passendes Gesetz in Deutschland längst überfällig. Von Fürstenwerth: „Es ist Verbraucherinnen und Verbrauchern unter bestimmten Voraussetzungen nicht zuzumuten, ihre Ansprüche umständlich einzeln vor Gericht geltend machen zu müssen, wenn es leichter und effizienter im Kollektiv ginge. Das kann auch für Unternehmen und Branchen Vorteile bringen: Klare Rahmenbedingungen, das Herstellen einer eindeutigen Rechtslage und nicht zuletzt: Effizienter Verbraucherschutz.“

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Seite 2: Klage muss für 10 Euro möglich sein 

Diese Lebensversicherer schließen einen Run-Off aus

Do, 10/12/2017 - 15:14

Die Verunsicherung von Lebensversicherungs-Kunden ist nach den Run-Off-Ankündigungen von Ergo und Generali. Selbst die deutsche Finanzaufsicht BaFin fühlte sich aufgrund der medial hochpeitschenden Wogen dazu aufgerufen, auf ihrer Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht die jüngste Run-Off-Welle zu thematisieren. „Wir werden die Belange der Versicherten wahren – nicht nur in finanzieller Hinsicht. Je größer die betreffenden Bestände sind, desto größer sind auch die operationellen Anforderungen an einen Übernehmer“, erklärte BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund.  

In Sachen Beruhigung der eigenen Kunden, aber wohl auch um sich öffentlichkeitswirksam als verlässlicher Partner im Lebensversicherungs-Geschäft zu präsentieren, versuchten sich auch mehrere Lebensversicherer in den vergangenen Tagen in der Beruhigung ihrer Kunden, indem sie einen Run-Off ihrer LV-Bestände ausschlossen.  

„Dies ist für uns absolut kein Thema“, erklärte Frank-Henning Florian, Vorstandschef der R+V-Lebensversicherung gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Der Versicherer habe die notwendige Finanzstärke, um einen Verkauf der Bestände nicht ins Auge fassen zu müssen. Kaufen wolle man die sich am Markt befindlichen Bestände jedoch auch nicht, so Florian.  

Lebensversicherungen basieren auf Vertrauen

An die Öffentlichkeit gewandt hatten sich zuvor auch die Nürnberger Versicherung (Bestand: 2,684 Millionen Verträge) sowie die Alte Leipziger (1,391 Millionen Verträge). „Die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. hält das Geschäftsmodell der Lebens- bzw. Rentenversicherung trotz Niedrigzinsphase für zukunftsfähig“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Man stehe zu seinen Verpflichtungen gegenüber den Kunden und werde deswegen die Lebensversicherungsbestände nicht verkaufen.  

„Die Nürnberger Lebensversicherung [...] steht zu ihrer Verantwortung gegenüber Kunden und Maklern“, lässt derweil Dr. Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger“, verlauten. Deshalb komme eine Run-Off für den Versicherer nicht in Frage.  

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der deutsche Marktführer, die Allianz Leben (Bestand: 10,546 Millionen Policen), zu Wort gemeldet. Man möchte keine Kunden loswerden, sondern gewinnen, ließ Dr. Markus Faulhaber, Chef der Allianz Leben, die Öffentlichkeit wissen: „Eine Lebens- und Rentenversicherung ist ein langfristiger Vertrag zwischen Versicherer und Kunde und basiert auf Vertrauen. Unsere Kunden müssen wissen, dass sie sich auf uns verlassen können – heute und in Zukunft“, buhlte der Deutschland-Chef um Vertrauen.  

Auch die Hannoveraner Talanx hat dem Run-Off von LV-Beständen eine Absage erteilt.

Die Ratingagentur Fitch geht laut einer jüngst veröffentlichten Einschätzung davon aus, dass das Run-Off-Volumen bis 2022 auf 180 Milliarden Euro weiter steigen wird.

Die 10 Lebensversicherer mit dem größten Policenschwund

Do, 10/12/2017 - 12:05

Die deutschen Lebensversicherer hatten auch 2016 mit einem schwindenden Vertragsbestand zu kämpfen. Nach Angaben des Branchenverbands GDV ging die Zahl der Verträge bei den Lebensversicherern im eigentlichen Sinne von 86,7 Millionen Stück im Jahr 2015 auf 85 Millionen Stück im vergangenen Jahr zurück – ein Minus von 1,9 Prozent.  

Wie Zahlen des procontra-LV-Checks (deckt, gemessen an den Bruttobeiträgen, 95 Prozent aller Lebensversicherer ab) zeigen, geht dieses Minus in erster Linie auf den Bereich der Kapitalversicherungen zurück – ein Markt, der bereits seit Jahren mit Rückgängen um die sechs Prozent zu kämpfen hat. So ging dann auch der Bestand hier von 20,846 Millionen Verträgen im Jahr 2015 auf 19,53 Millionen Verträge 2016 zurück – ein Minus von 6,31 Prozent.  

Auch im Bereich der Kollektivversicherungen gab es aus Marktsicht ein Minus zu verzeichnen. So sank die Vertragszahl hier von 15,52 auf 15,07 Millionen Verträge – ein Rückgang um 2,93 Prozent.   Der Bereich der fondsgebundenen Policen (+ 1,86 Prozent auf nun 13,380 Millionen Verträge) entwickelte sich indes ebenso wie die Sparten Rentenversicherungen (+ 0,42 Prozent auf 23,766 Millionen Verträge) sowie Risikoversicherungen (+2,34 Prozent auf 8,891 Millionen Verträge) positiv.  

Doch welche Anbieter hatten besonders unter Bestandsverlusten zu leiden? Und in welchen Sparten schlugen sich diese nieder? Dies zeigt die folgende Bilderstrecke.

Die Lebensversicherer mit dem größten Policenschwund

Viele Studenten ohne Altersvorsorge oder BU; Verbraucherschützer freuen sich

Do, 10/12/2017 - 09:40

Immer mehr Menschen in Deutschland möchten studieren. Zum jetzt beginnenden Wintersemester zählen viele Universitäten einen deutlichen Anstieg bei den Studentenzahlen. Die Bundesländer Bayern (390.000) und Berlin (183.000) beispielsweise vermelden sogar neue Rekorde bei der Anzahl der Studierenden. Damit einher gehen Wohnungsknappheit und hohe Mieten.

Diese sind möglicherweise ein Grund dafür, warum 55 Prozent der Studenten noch nichts für ihre Altersvorsorge tun. Drei Viertel von ihnen gaben an, sich das (derzeit) nicht leisten zu können. Das geht aus einer Umfrage von Swiss Life Select unter 311 Studierenden hervor. Dabei war es noch nie so wichtig wie heute, schon in jungen Jahren mit der Altersvorsorge zu beginnen.

Noch weniger Zuspruch als für Altersvorsorgeprodukte gibt es unter den Studenten für die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Nur 13 Prozent der Befragten haben bereits eine abgeschlossen.

Zufriedene Verbraucherschützer

Dennoch wurde die studentische Enthaltsamkeit bei Rentenversicherung und Co bereits von Seiten des Verbraucherschutzes gelobt. So schrieb Niels Nauhauser, Abteilungsleiter des Fachbereichs Altersvorsorge, Banken und Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, als Reaktion auf die Swiss Life-Studie bei Twitter:

Sehr vernünftig, Studenten! Erst in die eigene Ausbildung investieren, solide finanzielle Basis schaffen. Dann um #Altersvorsorge kümmern. https://t.co/agdkYZGU54

— Niels Nauhauser (@NielsNauhauser) 11. Oktober 2017

Studenten, lasst Euch nicht als Finanz-Muffel beleidigen. Die wollen Euch nur Finanzprodukte verkaufen, die Ihr (jetzt noch) nicht braucht! https://t.co/Qih8zP4c0E

— Niels Nauhauser (@NielsNauhauser) 12. Oktober 2017

Seite 1: Nur jeder 8. Student hat eine BU
Seite 2: Gegenwind für Verbraucherschützer

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Mit seinen Aussagen dürfte Nauhauser jedoch auch auf Widerstand stoßen. Schließlich bietet der frühzeitige Abschluss von Versicherungen einige Vorteile. Beispielsweise beim Vermögensaufbau können so auch mit kleinen Beiträgen gute Ergebnisse erzielt werden und ein BU-Abschluss in jungen Jahren ist tendenziell mit weniger Leistungsausschlüssen und Beitragszuschlägen behaftet. 

In den letzten Wochen hatten die öffentlichen Äußerungen verschiedener Verbraucherschützer für einigen Ärger auf Seiten der Versicherungsvermittler gesorgt. So hatte zum Beispiel ein Vertreter der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein Auszubildenden und Studenten mit recht fragwürdigen Argumenten vom Abschluss einer BU abgeraten. Ein anderer hatte empfohlen, lieber selbst Kapital für eine BU-Rente anzusparen, anstatt sich mit einer Police abzusichern

Petition und Professor

Um bei der Meinungsbildung junger Menschen auch auf ihre Argumente aufmerksam zu machen, unterstützen bereits über 1.000 Vermittler eine Petition. Damit erreicht werden soll unter anderem eine Weiterbildungspflicht für Verbraucherschützer sowie eine Haftungsübernahme für die getätigten Ratschläge.

Dabei ist gar nicht alles schlecht, was Studenten über Versicherungen zu hören bekommen. Erst kürzlich hatte sich Professor Horst Müller-Peters, Risikoforscher am Institut für Versicherungswesen der TH Köln, öffentlich für die Wichtigkeit des Abschlusses einer BU-Versicherung ausgesprochen

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Garantierte Rechnungsgrundlagen – der rote Faden des Vertrags

Do, 10/12/2017 - 07:43

Bei langfristigen Produkten wie der Altersvorsorge gehören Veränderungen naturgemäß dazu: die Anpassung der monatlichen Beiträge etwa, aber auch zugeteilte Überschüsse, Nachversicherungen oder Sonderzahlungen. Für den Endkunden ist es jedoch verwirrend, wenn sich bei jeder Änderung auch die Bedingungen oder die Rechnungsgrundlagen komplett verändern.

Schließlich ziehen sich die Rechnungsgrundlagen, die auf biometrischen, zinspolitischen oder kostenkalkulatorischen Faktoren beruhen, wie ein roter Faden durch den Vorsorgevertrag. Auf ihrer Basis werden die Beiträge berechnet, und sie sorgen dafür, dass ausreichend hohe Rückstellungen gebildet werden. Ändern sich beispielsweise der Zins oder die Sterbetafeln, hat das Auswirkungen auf das Versicherungsprodukt. Für den Endkunden kann das unter Umständen bedeuten, dass bei jeder Anpassung seines Vertrages die dann jeweils aktuellen Rechnungsgrundlagen herangezogen werden. Eine Senkung des Garantiezinses würde zum Beispiel nach sich ziehen, dass er für dieselbe monatliche Altersrente mehr Beiträge zahlen muss.

Es gibt jedoch mittlerweile einige Anbieter, die ihren Versicherten die Rechnungsgrundlagen vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses garantieren – mit der Option, von einer eventuellen Verbesserung im Moment des Rentenbeginns zu profitieren. Moderne Vorsorgeverträge sind mit solchen „Garantierettern“ ausgestattet – das schafft Planungssicherheit und damit einen echten Mehrwert für den Endkunden. Gleichzeitig kann er sicher sein, dass seine Altersvorsorge flexibel bleibt und er zum Renteneintritt von den für ihn optimalen Parametern profitieren kann.

Vermittlerschwund nimmt wieder Fahrt auf

Mi, 10/11/2017 - 15:03

Die Zahl der registrierten Versicherungsvermittler kennt weiter nur eine Richtung: nach unten. Nach neuen vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichten Zahlen gab es zum 1. Oktober 2017 insgesamt 224.462 registrierte Versicherungsvermittler. Das waren mehr als 1.000 Vermittler als noch zum Ende des 2. Quartals dieses Jahres – damals waren es noch 225.616 Vermittler gewesen. Damit hat der Negativtrend im 3. Quartal auch wieder stärker an Fahrt gewonnen – im 2. Quartal betrug das Minus „nur“ 185 Personen.

Blickt man ein wenig weiter in die Vergangenheit, fällt der Vermittlerschwund wesentlich deutlicher ins Auge. Im Januar 2016 waren noch 233.430 Vermittler registriert – somit kommt in knapp zwei Jahren auf einen Schwund von fast 10.000 Vermittlern.  

Maßgeblich für das Vermittlersterben waren wieder einmal die gebundenen Versicherungsvertreter. Deren Zahl ging von 144.903 (Stand: 1. Juli 2017) auf 143.855 zurück. Zum 1. Januar 2016 waren es noch 152.928 gewesen.  

Auch bei den Maklern gab es im dritten Quartal des Jahres ein Minus zu verzeichnen – allerdings eines, das in keinem Verhältnis zu dem der gebundenen Vermittler steht. Ihre Zahl ging um 55 Personen auf nun 46.781 zurück (Juli 2017: 46.836). Im Quartal zuvor war ihre Zahl hingegen um 45 Personen gestiegen – damit verharrt die Zahl der Makler seit einiger Zeit auf dem gleichen Niveau, wenn auch mit leicht steigender Tendenz, wie ein Blick in den Januar 2016 zeigt (46.642).  

Die Zahl der Versicherungsberater bleibt indes nicht nur niedrig, sie ging auch erstmals seit längerer Zeit zurück. Gerade einmal 317 Versicherungsberater waren zum 1. Oktober dieses Jahres registriert – das waren vier weniger als am 1. Juli.

Wann der Sonntagsspaziergang zum Arbeitsunfall wird

Mi, 10/11/2017 - 13:47

Kann ein sonntäglicher Spaziergang einen Arbeitsunfall darstellen? Diese Frage hatte nun das Düsseldorfer Sozialgericht zu beantworten (Az: S 6 U 545/14).  

Was war passiert?  

Ein 60-jähriger Düsseldorfer war während einer Kur beim Überqueren eines Fußgängerüberweges von einem Auto erfasst worden. Diesen Vorfall wollte er als Arbeitsunfall anerkannt wissen – die entsprechende Berufsgenossenschaft weigerte sich allerdings. Sie erklärte, dass der besagte Spaziergang nicht ärztlich angeordnet worden sei – damit handele es sich um eine eigenwirtschaftliche Tätigkeit, die nicht versichert sei. Hiergegen klagte der Mann.  

Das Urteil  

Das Sozialgericht Düsseldorf schloss sich der Argumentation des Mannes an. Dieser hatte angegeben, dass er mit dem Spaziergang seiner Verpflichtung zur aktiven Mitarbeit bei der Gewichtsreduzierung nachkommen wollte. Diese sei schließlich ein Ziel seiner Kur gewesen.  

Die Richter urteilten, dass der Spaziergang einen inneren Zusammenhang mit der Rehabilitationsmaßnahme aufweise. Dabei sei es als unerheblich zu bewerten, dass der Unfall an einem therapiefreien Sonntag stattgefunden habe. Entscheidend sei, dass der Mann davon ausgehen konnte, mit dem Spaziergang seiner Behandlung zu dienen und der Spaziergang auch aus objektiver Sicht kurgerecht sei. Beides sei im vorliegenden Fall gegeben gewesen, so dass der Vorfall als Arbeitsunfall zu werten sei, so das Gericht.

Firmenchefs nehmen Cyber-Risiko nicht ernst genug

Mi, 10/11/2017 - 13:45

Neun von zehn Firmenchefs halten die Absicherung Ihres Unternehmens gegen Cyber-Risiken für wichtig. Allerdings betreibt aktuell nur jeder Vierte ein gezieltes Risikomanagement für den Fall einer Attacke. Das ergab eine Umfrage der Axa unter den Geschäftsführern von 66 mittelständischen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro.

Die Quote lässt aufhorchen, denn in 46 Prozent der befragten Unternehmen hat man bereits negative Erfahrungen mit Cyber-Angriffen gemacht. Eine andere Studie unter IT-Experten hatte bereits ergeben, dass mehrheitlich von einem starken Anstieg von Hacker-Angriffen, Viren und Co auf Unternehmen ausgegangen wird.

Wie die Axa-Studie nun zeigt, muss anscheinend erst ein Schaden eintreten, bevor sich die Unternehmensleitung zum aktiven Handeln entschließt. Immerhin gaben 14 Prozent der Geschäftsführer an, dass in ihren Firmen aktuell etwas in Richtung Cyber-Schutz getan wird. Insgesamt zwei Drittel aller Befragten gaben zudem an, sich bereits intensiv mit Cyber-Angriffen auseinandergesetzt zu haben und sich der möglichen Gefahren bewusst zu sein.

Teure Schäden

Und diese können mitunter schwerwiegend sein und teuer ausfallen. So hatten die beiden großen Schadsoftware-Angriffe des Jahres, „Petya“ und „Wannacry“, weltweit für Schäden im dreistelligen Millionenbereich gesorgt. Auch viele kleine und mittlere Unternehmen waren davon betroffen. Sollten derartige Attacken die Server von Internet-Giganten wie Google oder Amazon treffen, könnten die Schäden sogar schnell Milliardenhöhe erreichen.

Von Seiten der Versicherer kommen nun auch zunehmend Angebote für Cyber-Deckungen auf den Markt, entweder als eigene Police oder als Zusatzbaustein für die private oder gewerbliche Haftpflichtversicherung. Wichtig ist bei diesem komplexen Thema auch eine qualifizierte Beratung. Hilfe für Vermittler bieten dabei zum Beispiel die Cyber-Musterbedingungen des GDV. Vermittler, die eine qualifizierte Beratung in Sachen Cyber-Versicherung bieten wollen, sollten laut Experte Kaspar Bonleitner aber über den GDV-Tellerrand hinausblicken

Run-Off: Was Makler wissen sollten

Mi, 10/11/2017 - 10:39

Die Ankündigungen von Generali und Ergo, Lebensversicherungs-Bestände in den Run-Off zu schicken, haben in den vergangenen Tagen deutschlandweit hohe Wellen geschlagen. Im Fokus der medialen Berichterstattung stand dabei meist die Frage, was es denn nun für den Kunden zu beachten gebe. Die Frage, was der Makler zu beachten hat, blieb dabei außen vor. procontra sprach aus diesem Grunde mit  Rechtsanwalt Jens Reichow von der Hamburger Kanzlei Jöhnke & Reichow.

procontra: Wird das Thema Run-Off auf dem deutschen Markt Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren weiter an Fahrt gewinnen?  

Jens Reichow: Die Entwicklung der kommenden Jahre abzuschätzen ist natürlich immer sehr schwer. Jedoch sehen wir bereits seit einigen Jahren, dass Lebensversicherer in Bedrängnis geraten, den gesetzlichen Garantiezins zu erwirtschaften. Solange die aktuelle Niedrigzinsphase andauert, muss daher befürchtet werden, dass weitere Lebensversicherer am deutschen Markt ihr Neugeschäft einstellen.

procontra: Muss der Makler beim Run-Off einen Verlust seiner Bestandsprovision bzw. im Fall eines Stornos des Kunden seiner Abschlussprovisionfürchten?

Reichow: Bezüglich der Bestands- und Abschlussprovisionen bleibt alles beim Alten. Soweit eine Vermittlung bereits erfolgt ist, hat der Makler weiterhin einen Anspruch auf die vereinbarte Vergütung (Bestandsprovision wie Abschlussprovision), solange der Vertrag nicht storniert wird.

procontra: Inwiefern muss der Makler seine Kunden im Falle eines Run-Offs informieren?

Reichow: Die Beratungspflichten des Maklers nach Abschluss des vermittelten Versicherungsvertrages sind unter Juristen höchst umstritten. Ob eine Informationspflicht besteht, hängt dabei auch oftmals von der genauen Ausgestaltung des Maklervertrages ab. Jedenfalls empfiehlt es sich jedoch aus Maklersicht den Kunden im Falle eines Run-Offs zu informieren, um bereits im Voraus Bedenken der Kunden zu begegnen. Gemeinsam mit dem Kunden sollte dann entschieden werden, ob die Versicherung fortgeführt wird. Gerade bei Altverträgen ist dies regelmäßig sinnvoll.

procontra: Erwarten Sie durch die kommende Run-Off-Welle Probleme auf die Makler zukommen? Wie können sich diese am besten vorbereiten?

Reichow: Durch den Run-Off einzelner Lebensversicherer wird der Markt und damit das Angebot von Lebensversicherer natürlich kleiner. Makler sollten daher bei der Auswahl des Versicherers einschätzen, wie groß die Gefahr ist, dass der konkrete Versicherer möglicherweise von einem Run-Off betroffen ist. Makler sollten dabei verstärkt erwägen, gemeinsam mit dem Kunden in Produkte ohne garantierte Mindestverzinsung zu investieren. Dies ist natürlich nur möglich, wenn das Risikoprofil des Kunden dies zulässt.

Haftungsrisiken reduzieren und Beratungsqualität erhöhen? Der procontra LV-Check 2017 analysiert die Bilanzen der deutschen Lebensversicherer und liefert Ihnen einen detaillierten Blick auf die Anbieter.

 

 

BaFin gibt Element ihren Segen

Mi, 10/11/2017 - 09:09

Der vom StartUp-Inkubator FinLeap (unter anderem auch verantwortlich für den Onlinemakler Clark) gegründete Digitalversicherer Element hat von der deutschen Finanzaufsicht BaFin die Erlaubnis bekommen, als Schaden- und Unfallversicherer tätig zu werden.  

Element, an dem sich auch der Versicherer Signal Iduna beteiligt hat, versteht sich selbst als digitale Versicherungsplattform, die im Bereich Sachversicherungen möglichen Partnern individuelle Versicherungsprodukte anbieten könne. Mögliche Partner seien hierbei andere InsurTech-Unternehmen, Händler, die ihr Angebot um Versicherungsleistungen erweitern wollen, aber auch Makler, die „innovative Produktlösungen anbieten wollen“.  

Versicherern fehle es an Geschwindigkeit

Dies sei über die etablierten Versicherer nicht möglich, so Element, da es bei diesen an der notwendigen „Entwicklungs- und Prozessgeschwindigkeit“ fehle. „Bisher stoßen viele Marken und Unternehmen in der Zusammenarbeit mit Versicherern immer wieder an ihre Grenzen. Sie können daher das Potenzial von Versicherungsangeboten – insbesondere für Kundenbindung und Zusatzumsatz – noch nicht vollständig zu ihren Gunsten nutzen“, behauptet Wolff Graulich, Vorstand bei Element.  

Im gleichen Zug wie die Lizenz-Erteilung gibt Element auch eine neue Personalie bekannt. Richard Hector, zuvor tätig bei den Unternehmen AppNexus und esome advertising technologies, wird als neuer Chief Sales Officer zu den Berlinern stoßen.  

Neben Element drängen weitere Digitalversicherer wie „flypper“, „Coya“ oder auch „Nexible“ auf den Markt. Ottonova, das private Krankenversicherungen verkauft, sowie die Baloise-Tochter Friday sind schon am Markt aktiv.

Die effiziente Altersvorsorge für Vorwärtsdenker

Di, 10/10/2017 - 16:03

Wer ein Leben lang Ausgaben hat, braucht ein Leben lang Einkommen. Aber die gesetzliche Rente reicht nicht aus, um den Lebensstandard zu halten. Niemand sollte also mit der privaten Altersvorsorge warten. Dennoch: Vor allem sicherheitsorientierte Kunden sind im aktuellen Marktumfeld zögerlich. Sie wünschen sich bessere Renditechancen. Eine Fondsanlage kommt für sie aber nicht infrage.

Um den veränderten Bedürfnissen von Kunden und Vermittlern langfristig gerecht zu werden, hat die Continentale ihr Angebot vor wenigen Wochen entsprechend erweitert – und zwar zusätzlich zu ihrer bewährten Rente Classic. Mit der neuen kapitaleffizienten klassischen Produktlinie bleibt der Versicherer weiterhin seiner Linie treu, lebenslange Garantien, Sicherheit und Planbarkeit zu bieten. Bei der Rente Classic Pro und der Rente Classic Balance kann sich der Versicherte auf zielgerichtete Garantien verlassen. Und zwar genau dann, wenn sie für die Altersvorsorge wichtig sind: zum Ende der Ansparphase, zu Rentenbeginn und in der Rentenphase. Denn wenn nicht während der gesamten Ansparphase die maximale Garantie erwirtschaftet werden muss, schafft das die Möglichkeit für bessere Renditechancen.

Mit einem Kundenfilm können Vermittler ihre Kunden für das Thema private Altersvorsorge sensibilisieren. Außerdem erläutert der Zwei-Minüter die Vorteile der kapitaleffizienten klassischen Produktlinie der Continentale.

Bei beiden Varianten profitiert der Kunde während der Ansparphase von der Anlage seiner Beiträge im bestehenden Sicherungsvermögen des substanzstarken Versicherers. Die Kapitalanlagestrategie der Continentale ist traditionell auf Sicherheit und Ertrag ausgerichtet. Zum vereinbarten Rentenbeginn stehen 100 Prozent der ursprünglich vereinbarten Altersvorsorgebeiträge als Mindestkapitalwert zur Verfügung. Gleichzeitig ermöglichen schlankere Garantien in der Ansparphase eine höhere Überschussbeteiligung, die monatlich dem Rentenguthaben zugeführt wird. Zum Rentenbeginn kommen noch die Schlussüberschüsse und die Beteiligung an den Bewertungsreserven hinzu. Daraus ergibt sich das gesamte Verrentungskapital.

Darüber hinaus bieten die neuen kapitaleffizienten Klassiker der Continentale eine Günstigerprüfung zum Garantietermin. Dabei vergleicht die Continentale beim Verrentungskapital, welche Rechnungsgrundlagen sich vorteilhafter auf die Rente auswirken. Garantiert ist eine Rente, die auf dem Mindestkapitalwert mit den Rechnungsgrundlagen zu Vertragsbeginn basiert. Dann wird die Höhe der Rente geprüft, die sich aus dem Verrentungskapital mit den bei Rentenbeginn gültigen Rechnungsgrundlagen ergibt. Der Versicherte erhält immer die höhere Rente.

Wer sich noch mehr Sicherheit wünscht, wählt die Rente Classic Balance. Sie sieht eine zusätzliche, am Markt einzigartige Günstigerprüfung vor. Auch hier vergleicht die Continentale beim Verrentungskapital, welche Rechnungsgrundlagen sich vorteilhafter auf die Rente auswirken: die vom Vertragsbeginn oder die zum Rentenbeginn.

Beide Varianten stehen als private Rente sowie als Direktversicherung und Pensionszusage in der betrieblichen Altersversorgung zur Verfügung. Darüber hinaus werden sie noch in diesem Jahr als Basisrente abschließbar sein.

Die neuen kapitaleffizienten Klassiker auf einen Blick

IGVM: Weiterbildung nur eine von vielen IDD-Schwachstellen

Di, 10/10/2017 - 14:40

Die Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM) hat bei ihrer jüngsten Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Der bisherige Vorsitzende, Matthias Glesel, hat aus beruflichen Gründen nicht erneut kandidiert. Sein Nachfolger ist der bisherige stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Wilfried E. Simon. Zu seinem Amtsantritt wollte procontra von ihm wissen, wie es um die Makler steht.  

procontra: Wo sehen Sie momentan die größten Probleme für den Berufsstand Versicherungsmakler?

Wilfried Simon: Die Umsetzung der IDD liegt inzwischen hinter uns. Das Ergebnis kann insgesamt nicht befriedigen. Es konnte zwar schlimmeres verhindert werden, doch der Berufsstand der Versicherungsmakler ging leider nicht gestärkt aus dem Gesetzgebungsverfahren hervor. Die IGVM hatte in ihren Stellungnahmen mit der Unterstützung von vier renommierten Wissenschaftlern gefordert, die Honorarberatung als erklärtes Ziel der großen Koalition dadurch wirklich zu stärken, indem man dem österreichischen Modell folgen sollte, in dem die Berufe Versicherungsmakler und -berater vereinigt sind. Das ist leider nicht geschehen. Nun steht die Änderung durch Anpassung der Verordnung über die Versicherungsvermittlung und -beratung als separater Bereich der IDD-Umsetzung an.  

Hier gibt es nach unserer Auffassung einiges an Änderungsbedarf. Ein Punkt davon betrifft die Fortbildung. Die IGVM wird auch hier wieder auf der politischen Bühne präsent sein und sich dafür stark machen, dass künftig wirklich nur noch qualifizierte Fortbildung mit Fortbildungspunkten bedacht wird. Dabei wird eine der brisanten Fragen sein, ob Onlineveranstaltungen hierfür zugelassen und wie eine aktive Teilnahme überprüft werden kann oder ob nur die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen hierfür zugelassen wird. Auch die Fortbildung in eigener Regie sollte nach unserer Vorstellung bei der Gesamtfortbildung von 15 Stunden angemessen berücksichtigt werden, ähnlich wie bei den Fachanwälten. Denn auch die Lektüre von Fachzeitschriften und Urteilsdiensten dienen der Fortbildung und sind insbesondere bei Versicherungsmaklern ohnehin unverzichtbar.      

procontra: Was können Sie als neu gewählter IGVM-Vorsitzender gegen diese Probleme und für Ihre Mitglieder beziehungsweise für alle Makler tun??  

Simon: Ein Einzelner wird sicher nicht entscheidend für Veränderungen sorgen können – seien sie auch noch so wichtig und sinnvoll. Die Kooperation und Koordination der wichtigsten Versicherungsmaklerverbände scheint mir da eher die richtige Plattform dafür zu sein. Wenn wir uns die Umsetzung der IDD anschauen, dann konnten einem die Bundestagsabgeordneten schon etwas leidtun, insbesondere die Ausschussmitglieder des 9. Wirtschaftsausschusses. Unzählige Stellungnahmen, die teils inhaltsgleich waren, sollten gelesen und ausgewertet werden. Eine schier unlösbare Aufgabe.  

Hier wünsche ich mir, dass sich die Versicherungsmaklerverbände künftig besser abstimmen. Insbesondere bei den Bundestagsabgeordneten der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke musste der aufmerksame Beobachter den Eindruck gewinnen, dass diese entweder die Stellungnahmen mit ausführlichen Begründungen nicht gelesen oder wirklich nichts davon verstanden haben. Dann aber sollte man sich auch zurückhaltender geben.       

procontra: Nicht nur bei der IGVM wurde gewählt. Was erhoffen Sie sich für Ihren Berufsstand von der neuen Bundesregierung?  

Simon: Nehmen wir einmal an, dass es zu einer Jamaika-Koalition kommt. Dann könnte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ihre Forderungen nach Festigung der Honorarberatung mit unrealistischen Forderungen in die Koalitionsverhandlung einbringen und daran auch eine Regierungsbeteiligung knüpfen. Die Redebeiträge dieser Fraktion im Deutschen Bundestag waren alles andere als fachmännisch geprägt und machten sehr deutlich, dass man in dieser Partei völlig realitätsfern denkt. Denn eine Honorarberatung, die nur wenige wollen oder sich leisten können, wenn es um die Beratung vorhandener oder neuer Verträge geht, ist ganz gewiss nicht zielführend. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn ab 2018 Versicherungsberater dann auch Policen vermitteln dürfen. Das durften die 307 Versicherungsberater seit 2007 bereits schon, es sei denn, die IHK hätte dies explizit als Auflage untersagt.  

Andererseits kann es aber auch nicht sein, dass Versicherungsmakler zur umfassenden Beratung gesetzlich verpflichtet sind, jedoch bei Verbrauchern gehindert sind, ihre Dienstleistung nach der derzeit herrschenden Meinung dem Nutznießer der Beratung angemessen in Rechnung zu stellen. Hier besteht Rechtsunsicherheit, die schnellstens beseitigt werden muss. Die IGVM erhofft sich von der neuen Bundesregierung, dass das Versäumte aus der IDD-Umsetzung in der 19. Legislaturperiode rasch nachgeholt wird und will sich dafür einsetzen, dass der Status und Berufsstands des Versicherungsmaklers nachhaltig gestärkt wird. Als Vorbild verfolgen wir dabei das österreichische Modell, wo dies alles in einem Maklergesetz vorbildlich geregelt ist und auch vortrefflich funktioniert. Der Mandant kann wählen, ob er von seinem Berater und Vermittler gegen gesondertes Entgelt oder durch Courtage beraten werden möchte. In der IDD kommt das Wort Versicherungsberater nicht einmal vor. Bei nur 307 Berufsträgern – und die Anzahl ist seit 2007 nur leicht angestiegen – stellt sich in der Tat nicht mehr die Frage, ob beide Berufe zusammengelegt werden sollen.        

Rente: Den Jungen fehlen monatlich 800 Euro

Di, 10/10/2017 - 14:35

Wenn junge Menschen sich nur auf ihre gesetzliche Rente im Alter verlassen wollen, müssen sie im Alter deutliche Abstriche bei ihrem Lebensstandard machen. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Vorsorgeatlas, den Ökonomen der Universität Freiburg im Auftrag von Union Investment erstellt haben.  

Wer seinen Lebensstandard indes halten will, benötigt pro Monat weitere 800 Euro, führen die Forscher aus. Das heißt: Sie müssen betriebliche und/oder private Altersvorsorge betreiben.  

Damit unterscheiden sich die heute 20- bis 34-Jährigen deutlich von der Gruppe der 50- bis 65-Jährigen: Die Ersatzquote, also der Anteil ihres Bruttoeinkommens, der mittels gesetzlicher Rente ersetzt werden kann, liegt bei den 50- bis 65-Jährigen bei 64,1 Prozent. Bei der Altersgruppe der 20- bis 34-Jährigen sinkt diese Quote allerdings bereits auf 38,6 Prozent. Um den eigenen Lebensstandard im Alter halten zu können, gehen die Forscher von einer Ersatzquote in Höhe von 60 Prozent aus.  

Hierbei gibt es allerdings regionale Unterschiede in Deutschland, die abhängig sind von der Höhe der Gehälter und der Beitragsmessungsgrenze in der GRV (siehe Grafik).  

Allerdings kommen die Forscher zu dem Schluss, dass durch betriebliche bzw. private Vorsorge der Lebensstandard gehalten werden kann – diese sich also für den Kunden rentiert. „Die Zahlen belegen die Stabilität des Vorsorgesystems über drei Schichten. [Schicht 1: Basisversorgung; Schicht 2: Zusatzversorgung; Schicht 3: Kapitalanlagen] Grundlegende Veränderungen sind nicht erforderlich“, betonte Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, der die Studie geleitet hatte.

So sei unter Einbeziehung der zweiten und dritten Säule eine Ersatzquote von rund 83 Prozent möglich, rechnen die Forscher vor. „Entscheidend ist, dass die Möglichkeiten insbesondere der privaten Vorsorge genutzt werden. Wer das beherzigt, ist im Alter gut versorgt, gibt sich Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender bei Union Investment überzeugt.  

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In unserem Vorsorgesystem bleibt auch in Zukunft die gesetzliche Rente der maßgebliche Stützpfeiler für die Menschen, mit der die Deutschen im Schnitt 48,7 Prozent ihres Bruttoeinkommens ersetzen können.   Wesentlich höher falle die Ersatzquote bei Menschen aus, die Leistungen aus der sogenannten zweiten Säule erhalten.

Sie liegt im Durchschnitt bei 61,8 Prozent – junge Menschen kommen indes auf eine Quote von 55 Prozent. Besonders häufig setzen die Menschen in der zweiten Säule auf die Riester-Rente. 44 Prozent der Förderberechtigten verfügten über einen entsprechenden Vertrag und kämen hier im Rentenalter bei den aktuellen Sparraten durchschnittlich 290 Euro. Das wäre eine Ersatzquote von 10,6 Prozent.  

Insbesondere Frauen, jüngere Menschen und Geringverdiener hätten Riester-Verträge abgeschlossen, legen die Forscher dar (siehe Grafik).

Durch das in diesem Sommer verabschiedete Betriebsrentenstärkungsgesetz sollen Geringverdiener zudem weiter zum Riestern animiert werden – nicht nur durch die Erhöhung der Grundzulage, sondern auch die Tatsache, dass Riester-Erträge nicht mehr vollständig auf eine etwaige Grundsicherung im Alter angerechnet werden. Allerdings gibt es hier aus Sicht von Union-Investment-Chef Reinke weiteren Nachbesserungsbedarf. „Insbesondere bei der Riester-Rente gibt es noch Möglichkeiten, die Akzeptanz zu erhöhen und die Verbreitung auszubauen.“ Zuletzt war der Bestand an Riester-Verträgen in zwei aufeinanderfolgen Quartalen negativ ausgefallen.  

Weitere acht Millionen Menschen beziehen betriebliche Altersvorsorge. Im Schnitt kämen die Menschen hier auf 575 Euro und damit eine Ersatzquote von durchschnittlich 14,9 Prozent. Jüngere Menschen verfügten allerdings seltener über eine betriebliche Altersvorsorge – ihre Partizipationsquote beträgt hier nur 12,7 Prozent (insgesamt: 16,3).  

Auch Geringverdiener setzen nur in geringem Maße auf eine bAV – gerade einmal 5,4 Prozent der Angestellten mit einem monatlichen Einkommen von unter 1.100 Euro betrieben bAV, bei der Einkommensgruppe von über 2.000 Euro sind es hingegen 33,5 Prozent.  

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Ein wesentlicher Baustein für die Altersvorsorge könne darüber hinaus die 3. Vorsorge-Schicht sein. Hierunter fällt das privat angesparte Geld- und Immobilienvermögen, also Aktien, private Rentenversicherungen, Immobilien und Spareinlagen. Durchschnittlich könne hiermit eine Ersatzquote von 26,1 Prozent erzielt werden.  

Nimmt man also die Einnahmen aus allen drei Schichten zusammen, können die Menschen auf eine Ersatzquote von 82,6 Prozent kommen. Zur Erinnerung: Zur Haltung des Lebensstandards hatten die Freiburger Forscher eine Ersatzquote von 60 Prozent festgelegt. In manchen Teilen Deutschlands, vor allem im Süden, aber auch in Teilen von Rheinland-Pfalz und im Münsterland, sei so eine Ersatzquote von über 87 Prozent möglich. In weiten Teilen Ostdeutschlands sei indes nur eine Ersatzquote von unter 75,4 Prozent zu erreichen (siehe Grafik).  

„Die gesetzliche Rente bleibt über das Jahr 2030 die tragende Säule der Altersvorsorge. Aber erst die private Vorsorge sichert den Lebensstandard“, fasst Raffelhüschen die Studienergebnisse zusammen.

Hinweis: Eine Möglichkeit zur Kapitalanlage stellen fondsgebundene Lebensversicherungen aus. Doch wie funktioniert diese eigentlich? Und hat diese überhaupt noch etwas mit einer Versicherung zu tun? Die Antworten hierauf liefert Frank Genheimer am 23. Oktober auf in seinem Webinar auf der Online-Messe profino. Hier geht es zur Anmeldung.

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Der Digital Leader in der Baufinanzierung

Di, 10/10/2017 - 14:16

Wer eine Immobilie erwirbt, ist im Durchschnitt um die 40 Jahre alt, zumindest bei einem Ersterwerb. Damit rückt derzeit eine Generation immer mehr ins Immobilienkäufer-Alter, die gemeinhin als Digital Natives bezeichnet wird: jene zwischen 1980 und 1999 Geborenen, für die Internet und Digitalisierung selbstverständlich sind und denen die Fax-Telefon-Überweisungsträger-Ära so fern erscheint wie älteren Mitbürgern die Postkutschen-Zeit. Auf ihre Ansprüche müssen auch Banken reagieren, am besten proaktiv, wie es die ING-DiBa seit Jahren vormacht. Die nach Kundenzahl drittgrößte Bank Deutschlands hat sich einen Ruf als „Digital Leader“ erworben, indem sie konsequent auf Convenience – also bequeme Handhabung und Abwicklung – durch Digitalisierung setzt. Das Spektrum reicht von der volldigitalen Kontoeröffnung über diverse Banking-Apps und eine gut besuchte Facebook-Präsenz bis hin zum Online-Kreditcheck. Diese permanente Digitaloffensive schließt auch die Immobilienfinanzierung ein, in der die ING-DiBa zu den renommiertesten Anbietern zählt. Durch die Verquickung von „klassischem“ Face-to-Face-Vertrieb über Makler mit den Möglichkeiten der Digitalisierung entstehen Vorteile für alle Beteiligten – die Prozesse laufen zielführender, mit weniger Verwaltungsaufwand, schneller und zuverlässiger ab.

Mehrwerte durch ImmoWert2Go-App, Partnerportal & Co.

So hat die ING-DiBa eine App entwickelt, mit der die Maklerpartner gemeinsam mit ihren Kunden direkt vor Ort eine erste Einschätzung vornehmen können. ImmoWert2Go liefert auf der Basis der bewährten Sprengnetter-Kauf- und -Verkaufspreis- Datenbank sofort einen indikativen Schätzwert. Gebraucht werden dazu lediglich ein Foto des Objekts, das am Standort aufgenommen wurde, und die (von der App automatisch geladenen) GPS-Daten, am besten auch Baujahr und Quadratmeterzahl. Damit lassen sich nicht nur Digital Natives beeindrucken.

Service wird auch beim Partnerportal großgeschrieben, einem Vertriebstool, das Maklern den Abwicklungsprozess erleichtert. Es bietet einen Überblick über die tagesaktuellen Konditionen von rund 400 Darlehensgebern, also quasi über den gesamten Baufinanzierungsmarkt. Finanzierungsanfragen lassen sich schnell, unkompliziert und auf Wunsch mit umfassender Expertenunterstützung direkt im Partnerportal versenden. Dieses stellt den Maklern außerdem einen Zins- und Tilgungsrechner, ein Kundenberatungstool mit Budgetrechner, Objektbewertungs und Flurkartenrecherche-Tools sowie eine aufwandsarme Beratungsdokumentation und ESIS zur Verfügung – unter anderem. Die Ausgestaltung „seines“ Partnerportals kann jeder Makler selbst festlegen.

Es würde hier den Rahmen sprengen, alle digitalen Maklerhelfer zu präsentieren, die die ING-DiBa ihren Kooperationspartnern bereitstellt. Erwähnung verdienen indes noch der digitale Dokumentenupload, der die Antragsbearbeitung deutlich beschleunigt, die Online-Sofortauszahlung, mit der die Kunden bis zu 10.000 Euro vorab erhalten können, sowie die unkomplizierte Online-Prolongationüber das Partnerportal. Abgerundet wird das Digital-Angebot mit einer Liveberatung und informativen Webinaren für Makler. Wer wissen will, was in der Baufinanzierung digital möglich ist, findet die Antwort auf partner.ing-diba.de.

Bayerischer Namensstreit geht in die 2. Runde

Di, 10/10/2017 - 08:47

Der Namens-Streit zwischen der Bayerischen und der Versicherungskammer Bayern (VKB) geht in die nächste Runde. Gegenüber procontra kündigte die VKB an, gegen das Urteil des Landgerichts München (Az:33 O 14425/16) Revision einzulegen.  

Die VKB hatte gegenüber seinem Münchener Konkurrenten geklagt, dass dieser sich nicht weiter „die Bayerische“ nennen dürfe. Diese hatte den Namen im Jahr 2012 eingeführt. Das Münchener Gericht hatte die Klage der VKB abgewiesen – der verwendete Name „die Bayerische“ erfülle nicht den Tatbestand der Irreführung. „Weder die Verwendung des bestimmten Artikels ,die’ allein, noch die Kombination mit dem Wort ,Bayerische’ sind geeignet, die maßgeblichen Kreise in die Irre zu führen“, zitiert die Bayerische aus der Urteilsbegründung. Es bestehe aufgrund des Namens keinerlei Verwechselungsgefahr, befand das Gericht.  

Diese Auffassung teilt man bei der VKB nicht und geht in Berufung. „Wir rechnen uns gute Chancen aus, in einem Berufungsverfahren Recht zu bekommen“, erklärte der VKB-Vorstandsvorsitzende Dr. Frank Walthes. Mut macht offenbar die Tatsache, dass das Gericht die Kosten des Rechtsstreits zu 94 Prozent der Bayerischen Beamtenversicherung (gehört zur Versicherungsgruppe der Bayerischen) auferlegt hat.  

In einem Statement betont die VKB die aus ihrer Sicht weiterhin bestehende Verwechselungsgefahr. Die Verbraucher seien durch die Umbenennung in „die Bayerische“ in die Irre geleitet worden.  

Wie es mit der seit Jahren bestehenden Kooperation der beiden Unternehmen im Bereich der Kranken- und Kompositversicherung weitergeht, sei derzeit noch unklar, erklärt die VKB in ihrem Statement.

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