Die Bedeutung der neuen SCR-Bedeckungsquote

 

Die deutschen Versicherer mussten bis zum 22. Mai 2017 erstmalig den SFCR-Bericht (Solvency and Financial Condition Report) veröffentlichen. Eine höhere Transparenz und bessere Vergleichbarkeit der Versicherungsunternehmen ist mit den neuen Berichten nicht unbedingt gegeben.

Zum einen erklären einige Versicherer wortreich auf annähernd 100 Seiten die Solvabilität ohne auch nur einmal die tatsächliche Höhe der SCR-Bedeckungsquote explizit zu nennen, der geneigte Leser muss diese selbst im Anhang des SFCR-Berichtes suchen. Das verwendete Fachchinesisch trägt dabei nicht unbedingt zur besseren Verständlichkeit der Thematik bei.

Andere Versicherer stellen ihren Berichten eine Zusammenfassung voran: die zugrundeliegenden Kapitalanforderungen, die Höhe der SCR- und MCR-Bedeckungsquoten, welches Modell verwendet wurde, ob Übergangsmaßnahmen zum Einsatz kamen und wie sich die Bedeckungsquoten dadurch verändert haben.

 

Damit kommen wir zu der Bedeutung der Bedeckungsquoten:

Mit der Einführung von Solvency II fand eine erhebliche Umstellung des Bewertungssystems statt – weg von einer buchwertbasierten und hin zu einer marktwertbasierten Bewertung. Ist ein Versicherer mit einer hohen SCR-Quote empfehlenswerter als Unternehmen mit einer niedrigen Quote? Das kommt darauf an - unterschiedliche Geschäftsmodelle führen zu unterschiedlichen Ergebnissen bei den Kennzahlen. So ist neben der Größe des Unternehmens und der Marktlage im jeweiligen Segment auch das individuelle Risikoprofil des jeweiligen Versicherers zu berücksichtigen.

Es bleibt festzuhalten, dass die Beurteilung eines Versicherers nicht an einer einzelnen Kennzahl festgemacht werden kann. Vermittler sollten also weiterhin Versicherungsunternehmen in der Gesamtheit beurteilen und sich ggfs. das Zustandekommen der hohen oder niedrigen SCR-Quote ausführlich erklären lassen.

 

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