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Aktualisiert: vor 19 Stunden 24 Minuten

Patientenverfügung & Co.: Wer braucht sie, wer zahlt?

Fr, 10/19/2018 - 15:01

Als „Sachwalter des Kunden“ haben Versicherungsmakler gern das große Ganze im Blick. Beraten sie zur langfristigen Vorsorge, geht das daher über finanzielle Aspekte hinaus, auch wenn die natürlich im Vordergrund stehen. Man muss keineswegs offiziell als Ruhestandsplaner unterwegs sein, um die Kunden auf sinnvolle Vorsorgemaßnahmen jenseits versicherbarer Risiken hinzuweisen. Zu jenen gehören auch Patientenvollmacht, Testament und Betreuungsvollmacht. Zwar müssen Makler darauf achten, die Grenze zur Rechtsberatung nicht zu überschreiten. Das Kundenbewusstsein für Eventualitäten zu schärfen ist allerdings unbedenklich – und zeugt von echter Kundenorientierung.

Doch wem sollte was empfohlen werden? Eine Patientenverfügung ist für alle Menschen sinnvoll, die in medizinischen Notfällen nicht mithilfe moderner Apparatemedizin um jeden Preis am Leben erhalten werden wollen. Sie legt fest, was in bestimmten Situationen passieren soll, wenn der Betroffene sich nicht mehr selbst äußern kann. So kann man damit beispielsweise Wiederbelebungsmaßnahmen, künstliche Ernährung oder Beatmung ausschließen. Eine Betreuungsvollmacht bzw. -verfügung sorgt für den Fall vor, dass man seine Angelegenheiten krankheits- oder unfallbedingt nicht mehr selbst regeln kann. Die letztgültige Entscheidung trifft das Betreuungsgericht, das aber bei der Betreuerwahl die Verfügung berücksichtigt. Was ein Testament ist, muss ja in der Regel keinem Kunden erklärt werden. Wer kein Vermögen hat oder mit der gesetzlichen Erbfolge einverstanden ist, braucht keines. Alle anderen sollten ein Testament verfassen und hinterlegen.

Guter (Juristen-)Rat ist teuer

Da in den drei genannten Verfügungen sehr weitreichende Regelungen getroffen werden, müssen sie juristisch „wasserdicht“ sein. Und wie bei Versicherungsbedingungen heißt das: Es kann schon mal kompliziert und ausufernd werden, wenn alles seine Ordnung und Gültigkeit haben soll. Ohne Fachkenntnisse ein formal und inhaltlich korrektes Vorsorgedokument zu verfassen ist mindestens ein kühnes Unterfangen. Das unterstreicht ein BGH-Urteil von 2016 (präzisiert 2017): Es reicht demnach nicht aus, in einer Patientenverfügung pauschal festzulegen, dass „keine lebenserhaltenden Maßnahmen“ erfolgen sollen. Vielmehr müssen für konkrete Situationen konkrete Anweisungen getroffen werden. Auch ein Testament und eine Betreuungsvollmacht müssen bestimmten Kriterien genügen und vor allem wohldurchdacht formuliert werden.

Es empfiehlt sich also juristischer Beistand, wenn man „Nägel mit Köpfen“ machen will. Bekanntermaßen ist anwaltliche Beratung aber nicht ganz billig. Mehrere Hundert Euro an Gebühren pro Dokument sind keine Seltenheit. Eine Patientenverfügung ist zwar ein medizinisches Dokument, doch wer seiner Krankenversicherung mit einem Kostenübernahmewunsch kommt, wird nur ein müdes Lächeln ernten. Für derartige Vorsorgedokumente muss jeder den Beratungsaufwand prinzipiell selbst finanzieren. Angesichts dieser Kostenbelastung zucken viele Kunden erst mal zurück und vertagen die Vorsorge. Es sei denn, sie haben eine gute Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Die deckt nämlich die Kosten für die juristische Unterstützung bei Patientenverfügung, Testament & Co. ab. Ganzheitlich denkende und beratende Makler sollten diesen Punkt im Sinne ihrer Kunden auf dem Schirm haben.

P&R-Insolvenz: Kein Verkauf der Container unter Wert

Fr, 10/19/2018 - 11:25

Für die erste von insgesamt vier Gläubigerversammlungen (Berichtsterminen) mietete Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Dr. Michael Jaffé die Münchener Olympiahalle an (procontra berichtete). Zwar kamen am Mittwoch weniger als die ursprünglich angemeldeten 4.000 Anleger, doch der Berichtstermin wies dennoch eine Größenordnung auf, die selten ist in Deutschland.

So versammelten sich 2.516 der betroffenen Anleger, weitere 7.723 waren nach Angaben des Insolvenzverwalters anwaltlich vertreten. Die von den stimmberechtigten Gläubigern vertretenen Forderungen beliefen sich auf insgesamt über 1 Mrd. Euro. Vier Richterinnen und Richter, 24 Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger und 39 Justizwachtmeisterinnen und Justizwachtmeister waren vor Ort, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Beschlüsse der Gläubigerversammlung

Einer der ersten Beschlüsse der Gläubiger: Sowohl Insolvenzverwalter Jaffé, als auch der vom Amtsgericht München eingesetzte Gläubigerausschuss, der aus sieben Vertretern der maßgeblichen Gläubigergruppen besteht, wurden von der Versammlung bestätigt.
Der Insolvenzverwalter konnte also seine Arbeit fortsetzten und die bestand in erster Linie darin, seine bisherigen Erkenntnisse über Ursachen und Hintergründe der Insolvenz der P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs GmbH vorzutragen.

P&R: Bereits 2010 insolvent

So führte der Insolvenzverwalter aus, dass seinen Erkenntnissen zufolge, bereits 2007 eine Differenz zwischen der Zahl der von den vier deutschen Gesellschaften an die Anleger verkauften Container und der Zahl der vorhandenen und von der Schweizer P&R Gesellschaft verwalteten Container bestand. Diese Fehlmenge sei schließlich auf über 1 Million angewachsen (procontra berichtete).

Die Erlöse der Containerflotte reichten nicht mehr aus, um die Mietansprüche der Anleger zu bedienen. Doch statt einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit zu stellen, wurden die fälligen Auszahlungen an die Anleger durch Neuanlagegelder "refinanziert". Dieses "System P&R" ließ sich jedoch nur aufrechterhalten, solange genug Neuanlagegelder generiert werden konnten, hieß es im Bericht des Insolvenzverwalters. Rechtsanwalt Jaffé vertritt die Ansicht, dass der Insolvenzantrag bereits 2010 hätte gestellt werden müssen.

Magellan-Pleite und Prospektpflicht

Zu den Hintergründen und verstärkenden Effekten führte Jaffé aus, dass die Neuanlagen in Folge der Magellan-Pleite (procontra berichtete) und der ab 2017 geltenden Prospektpflicht einbrachen. Im März 2018 wurde dann Insolvenzantrag gestellt (procontra berichtete).

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Seite 2: Erste Auszahlungen in zwei Jahren?

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Eigenverwertung ausgeschlossen

Wie bereits im Vorfeld der Gläubigerversammlung betonte Jaffé, dass er eine Kombination aus Weitervermietung und Verkauf der Container in Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss für die bestmögliche Verwertungsmöglichkeit hält. „Es kann keinen übereilten Verkauf der Container unter Wert geben. Wir wissen aber auch um die berechtigte Erwartung der Anleger auf Erfüllung ihrer Ansprüche innerhalb eines überschaubaren Zeitrahmens. Erste Abschlagszahlungen können jedoch erst erfolgen, wenn entsprechende Mittel generiert wurden und Rechtssicherheit auch über die festgestellten Forderungen hergestellt ist. Ziel ist es, möglichst zügig die Voraussetzungen für eine erste Abschlagsverteilung an die Gläubiger zu schaffen", so Jaffé.

Voraussetzungen für Abschlag

Zwar würden die tatsächlich vorhanden 629.832 Container einen erheblichen Vermögenswert darstellen. Doch eine seriöse Bewertung hänge von verschiedenen Faktoren ab. So z.B. von der Entwicklung der Weltwirtschaft, Wechselkurzschwankungen aber insbesondere der „Möglichkeit der ungestörten Weitervermietung durch die Schweizer P&R“, so der Insolvenzverwalter. Bereits bis Ende 2021 könnten die erzielbaren Einnahmen der Schweizer P&R rund 560 Mio. Euro betragen, machte Jaffé den Anlegern Hoffnungen.

Erste Auszahlungen in zwei Jahren?

Eine erste Abschlagsverteilung an die Gläubiger könne bestenfalls innerhalb der nächsten zwei Jahre erfolgen: „Wenn wir wie geplant bei unserem mehrstufigen koordinierten Verwertungskonzept vorankommen, erscheint eine erste Zahlung an die Gläubiger im Jahr 2020 möglich" so Dr. Jaffé.

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DKM: Platzverweis für Atlético

Fr, 10/19/2018 - 08:43

Ob das ein gutes Vorzeichen für die anstehende Champions-League-Paarung Borussia Dortmund gegen Atlético Madrid ist?
Wie der „kicker“ in seiner Onlineausgabe berichtet, haben die Spanier keinen Schlafplatz in Dortmund für Mannschaft und Tross bekommen.
Der Grund: Die DKM hält Dortmund fest im Griff. Die Hotelzimmer in der westfälischen Metropole sind seit Monaten für Aussteller und Besucher der wichtigsten Offlinemesse der Versicherungs- und Finanzbranche reserviert.
Die Spanier werden nach Düsseldorf ausweichen. Ob die Mannschaft um Antoine Griezmann Zeit haben wird, der DKM einen Besuch abzustatten, darf bezweifelt werden. Gleichwohl spielt das runde Leder auch auf der Leitmesse traditionell eine große Rolle. So wird in diesem Jahr u.a. Mehmet Scholl in der Speakers Corner erwartet.

Spannungsvoll dürfte es auch bei der Verleihung des Jungmakler Award zugehen. Dort ist in diesem Jahr u.a. Anja Döring von KVoptimal nominiert, die für procontra bereits einige Gastbeiträge verfasst hat.

Alsterspree wird ebenfalls auf der DKM vertreten sein. Erstmals in diesem Jahr mit zwei Ständen: Zusätzlich zum procontra-Stand wird auch die Onlinemesse profino vertreten sein.

Wohngebäude: Vorsicht Waschbär

Do, 10/18/2018 - 13:23

Sie verbreiten sich in Deutschland rasant und zählen sogar zu den „unerwünschten Spezies“ in der Europäischen Union: Die Rede ist von Waschbären. Die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Kleinbären haben sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland enorm vermehrt. Die Bestandszahl kann allerdings nur geschätzt werden und schwankt wohl zwischen 200.000 und 500.000. Sicher sind hingegen die Angaben über während der Jagdsaison erlegten Tiere. Anhand dieser Zahlen lässt sich das Wachstum der Waschbären-Population in Deutschland deutlich ablesen. Wurden in den 1990er Jahren noch rund 400 Tiere erlegt, waren es während der Jagdsaison 2010/11 bereits 67.700 Waschbären. Zwei Jahre später wurden erstmals mehr als 100.000 Tiere getötet. 2015/16 wurden in Deutschland während der Jagdsaison 128.100 Tiere erlegt. Zum Vergleich: In Österreich wurden im selben Zeitraum 21 Waschbären, in der Schweiz einer getötet.

Wo Waschbären besonders häufig vorkommen

Die starke Verbreitung in Deutschland hat historische Ursachen. So wurden bereits 1934 Waschbären nördlich von Kassel ausgesetzt, um „die heimische Flora zu bereichern“. 1945 entkamen weitere Waschbären auf einer Pelzfarm in Brandenburg.
In diesen Gebieten haben sich die Waschbären besonders ausgebreitet. Von den 2015/16 erlegten Tieren entfielen 60 Prozent auf die Bundesländer Hessen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Der städtische Siedlungsraum stellt für Waschbären kein Hindernis dar. Im Gegenteil: In Gärten und im Hausmüll finden die Tiere leicht Nahrung. Garagen, Gartenlauben oder Dachböden bieten ideale Schlaf- und Wurfplätze. Die dichteste Waschbärpopulation in einer europäischen Großstadt findet sich übrigens in Kassel. Dort ist mit 50 bis 150 Tieren pro Quadratmeter zu rechnen – ein Wert, wie er sonst nur in Nordamerika erreicht wird. Allerdings handelt es sich bei den europäischen Waschbären um „Heimschläfer“. Während die Anzahl der in Häusern schlafenden Waschbären in Washington D.C. mit knapp 15 Prozent angegeben wird (1991) wird für Kassel eine Quote von 43 Prozent (2003) angegeben.

Schäden durch Waschbären

Haben Waschbären den Dachboden als Schlafplatz benutzt, können mitunter mehrere tausend Euro für die Reparatur nötig werden. Nicht selten tropft der Urin der Tiere aus deren Latrinen in die unter dem Dachboden befindlichen Räume. Die Geruchsbelästigung gilt als unerträglich. Ganze Deckenverkleidungen können abstürzen, wenn Waschbären sich „durchgefressen“ haben. Mitunter muss sogar die gesamte Dachdämmung erneuert werden.

Vorbeugen statt Fangen

Eignet sich ein Schlafplatz, ist er meist mehreren Waschbären bekannt oder wird schnell wiederentdeckt. Der „Waschbär-Befall“ kann deshalb nur schwer zurückgedrängt werden. Experten empfehlen Maßnahmen, die grundsätzlich verhindern, dass die Tiere auf das Grundstück gelangen. Etwa das Stutzen von Ästen.

Versichert oder nicht?

Ob Schäden durch Waschbären versichert sind, hängt von den Formulierungen in den Vertragsbedingungen ab. Je nach Anbieter und Tarifstufe finden sich dort mitunter Ausschlüsse. Etwa, dass nur Schäden durch Nagetiere ersetzt werden.

Rentner: Immer länger erwerbstätig

Do, 10/18/2018 - 12:03

Der Anteil der erwerbstätigen Rentner ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Waren 2007 noch 7,1 Prozent der 65- bis 69-Jährigen erwerbstätig, stieg der Prozentsatz im vergangenen Jahr auf 16,1 Prozent. Das geht aus den Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor.

Nicht nur das Geld ist ausschlaggebend

Die Gründe für die Erwerbstätigkeit sind verschieden. Laut einer repräsentativen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nennen Befragte vor allem soziale und persönliche Motive. So haben 90 Prozent der Rentner Spaß bei der Arbeit, brauchen den Kontakt zu anderen Menschen oder wünschen sich weiterhin eine Aufgabe. Das sei auch gesellschaftlich so gewollt, meint Altersforscherin Verena Klusman von der Uni Hamburg. „Man will die Älteren halten, man kann auf ihre Expertise nicht verzichten.“ Mehr als die Hälfte der Studienbefragten gibt finanzielle Gründe an. Dazu zählen insbesondere Frauen, die häufiger als Männer auf einen Zuverdienst zur Rente angewiesen sind. Eine gute finanzielle Lage im Ruhestand geht allerdings sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit einer höheren Erwerbstätigenquote im Rentenalter einher. 

Renteneintrittsalter sollte flexibel sein

„Politik und Betriebe sollten mit flexiblen Regelungen günstige Rahmenbedingungen schaffen, damit Erwerbswünsche im Rentenalter besser realisiert werden können“, heißt es in der Studie weiter. Würde in Tarifverträgen beispielsweise auf die Festlegung einer automatischen Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit Erreichen der Regelaltersgrenze verzichtet werden, könnten Senioren flexibel entscheiden, wie lange sie erwerbstätig bleiben möchten. So sollte es ebenso möglich sein, früher aus dem Job auszuscheiden, ohne extreme Nachteile davonzutragen, meint Verena Klusman.

6 Urteile, die Makler kennen sollten

Do, 10/18/2018 - 10:56
Beratungspflicht: Wann zählt die Fondspolice als Geldanlage?

Eine kapitalbildende, fondsgebundene Lebensversicherung kann als Anlagegeschäft zu werten sein, wenn die Todesfallleistung bei Vertragsabschluss anfangs 110 Prozent des Deckungskapitals beträgt und über die Aufschubzeit hinweg auf 100 Prozent absinkt. Das entschied das OLG Dresden.
Demnach entstünden weitere Pflichten im Anlagegespräch hinsichtlich potenzieller Interessenkonflikte. Jenen Pflichten kam der Berater jedoch nicht nach, da er weder eine Anlageempfehlung passend zum Risikoprofil des Kunden aussprach noch über die höheren Kosten des Dachfonds und die personellen Verflechtungen zwischen dem Versicherungsvorstand und der Anlagegesellschaft aufklärte.
Das OLG urteilte daraufhin, dass der Versicherer auch keinen Anspruch auf Zahlung der Vergütungsvereinbarung habe. Der Kunde sei so zu stellen, als habe er den Vertrag nicht abgeschlossen.
Oberlandesgericht Dresden (AZ: 4U1189/17)

Gesetzliche Unfallversicherung: Nur auf Probe versichert?

Ein Mann jobbte einen Probetag. Geld erhielt er dafür nicht. Während der Arbeit verletzte er sich schwer. Die gesetzliche Unfallversicherung weigerte sich, die Kosten für den Krankenhausaufenthalt und die Reha zu übernehmen. Begründung: Für den Kläger habe das Eigeninteresse im Vordergrund gestanden, den Job zu bekommen und seine Eignung zu prüfen. Die Richter gaben dem Mann recht. Er habe dieselben Tätigkeiten ausgeübt wie regulär Beschäftigte und sei in die Organisation des Arbeitgebers eingebunden gewesen, der ein konkretes Weisungsrecht hatte.
Landessozialgericht Sachsen-Anhalt (AZ: L6U82/15)

Aufsichtspflicht: Total von der Rolle

Ein Kleinkind wurde von den Eltern schlafen gelegt. Der Dreieinhalbjährige stand später unbeobachtet auf, um zur Toilette zu gehen. Dort verstopfte er das WC mit Toilettenpapier, worauf das Badezimmer überschwemmte. Die Wohngebäudeversicherung sollte rund 15.000 Euro zahlen, forderte aber einen Teil des Geldes von der Mutter und ihrer Haftpflichtversicherung zurück, weil sie die Aufsichtspflicht verletzt sah. Das sahen die Richter anders. Das Maß der gebotenen Aufsicht wurde erfüllt. In einer geschlossenen Wohnung muss ein Dreijähriger nicht unter ständiger Beobachtung stehen.
Oberlandesgericht Düsseldorf (AZ: I-4U15/18)

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Kfz-Versicherung: Bis(s) zum Gericht

Bei einem Werkstattbesuch wurden im Auto eines Mannes Bissschäden festgestellt. Unteranderem waren Dämmung und Kabelisolierung betroffen. Der Mann meldete den Schaden seiner Versicherung, die wollte aber nicht zahlen. In den Versicherungsbedingungen hieß es, dass Schäden, die durch Tierbiss am Fahrzeug verursacht wurden, versichert, Schäden am Fahrzeuginnenraum aber ausgeschlossen sind. Die Klage des Versicherungsnehmers hatte Erfolg. Die Schäden im Bereich zwischen der Außenhaut und der Innenraumverkleidung seien „am Fahrzeug“ im Sinne der Versicherungsbedingungen entstanden. Aus Sicht des durchschnittlichen Versicherungsnehmers sei der Begriff Fahrzeuginnenraum so auszulegen, dass darunter der zugängliche und nutzbare Bereich des Fahrzeugs verstanden wird.
Oberlandesgericht Frankfurt (AZ: 7 U 25/16)

Berufsunfähigkeitsversicherung: Kulanz bindet

Eine selbstständige Fußpflegerin konnte aufgrund einer beginnenden Rhizarthrose ihren Beruf nicht weiter ausüben. Sie stellte bei ihrer Versicherung einen Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente. Diese wurde über ein Jahr bewilligt und die Frau beitragsfrei gestellt. Da sich die Krankheit verschlechterte, beantragte die Frau die Leistungsweiterführung. Die Versicherung holte daraufhin ein Gutachten ein, das der Frau eine Berufsfähigkeit attestierte. Der Fall landete vor Gericht und der Frau wurde Recht zugesprochen. Sogenannte „Kulanz-Angebote“ der Versicherer, die zur Umgehung der Leistungsfallprüfung dienen, entbinden nicht von der Anerkennung der Leistungen aus dem Versicherungsvertrag. Vor allem dann, wenn der Versicherte nicht richtig darüber belehrt worden ist, dass es sich lediglich um ein zeitlich befristetes Anerkenntnis handelt.
Landgericht Lübeck (AZ: 4O170/16)

BGH: Bei Mieterhöhung gilt kein Widerrufsrecht

Eine Berliner Wohnungsgesellschaft erhöhte im Jahre 2015 die Miete monatlich um 121 Euro. Zunächst hatte der Mieter dieser Regelung zugestimmt, berief sich dann aber auf das Widerrufsrecht bei Fernabsatzverträgen. Denn die neuen Regeln zur Mieterhöhung waren per Brief zugesandt worden. Das sonst übliche vierzehntägige Widerrufsrecht bei Fernabsatzverträgen verneinte der Bundesgerichtshof aber bei Mieterhöhungen. Bei Mieterhöhungen habe der Mieter ohnehin eine Frist von zwei Monaten. Soll die Miete angehoben werden, muss das genau begründet werden. Das Widerrufsrecht sei hier nicht anwendbar, so die Richter.
Bundesgerichtshof (AZ: VIII ZR 94/17)

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BFH beseitigt Steuernachteil bei betrieblicher KV

Do, 10/18/2018 - 08:04

„Mit einer vom Arbeitgeber finanzierten betrieblichen Krankenversicherung (bKV) haben Firmen beim Wettbewerb um die besten Talente einen echten Trumpf in der Hand“, betont Dr. Jan Esser, Vorstand der Allianz Private Krankenversicherung in der soeben erschienenen neuen Print-Ausgabe von procontra. In der Tat ist die bKV für viele Arbeitnehmer, die in aller Regel gesetzlich krankenversichert sind, eine einfache Möglichkeit, ohne eigenen finanziellen Aufwand Leistungen der privaten Krankenversicherer zu bekommen.

Die bKV-Beiträge galten bis Ende 2013 als Sachbezüge und waren nicht als Einnahmen zu versteuern, wenn die Vorteile insgesamt 44 Euro im Kalendermonat nicht überstiegen. „Sie waren auch sozialversicherungsfrei, sofern es keine anderen Zuwendungen aus dem Bereich Sachlohn gab“, weiß Versicherungsmakler Andreas Trautner.

bKV vom günstigen Sachlohn zu Barlohn umgewidmet

Wermutstropfen: Ein BMF-Schreiben vom 10. Oktober 2013 strich den Steuervorteil zum 1. Januar 2014 – ohne Vertrauensschutz für ältere Policen. Die bKV-Beiträge sind seither als Barlohn vom Arbeitnehmer zu versteuern und werden auch mit SV-Beitrag belegt. „Als echter Vorteil kommen bei Finanzierung durch den Arbeitgeber noch rund 63 Prozent an“, ergänzt Trautner. Die Verschlechterung gilt unverändert, sagte er noch kürzlich procontra.

Nun hat der Bundesfinanzhof (BFH) gleich in zwei Urteilen, die am 12. September veröffentlicht wurden, diese Benachteiligung wieder gekippt. Gewährt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer Krankenversicherungsschutz, so handelt es sich in Höhe der Arbeitgeberbeiträge um Sachlohn, wenn der Arbeitnehmer aufgrund des Arbeitsvertrages nur Versicherungsschutz, nicht aber eine Geldzahlung verlangen kann. Damit ist die Zahlung für den Arbeitgeber steuerfrei (Az.: VI R 13/16 und VI R 16/17).

BFH: Kommando zurück unter bestimmten Bedingungen

Aufgepasst: Wenn der Arbeitgeber hingegen einen Zuschuss zur Krankenversicherung nur dann zahlt, wenn der Arbeitnehmer mit einem Versicherer seiner Wahl einen Vertrag schließt, dann handelt es sich um Barlohn, weil dann Geld aufgewendet wird. Dies ist nicht steuerfrei.

Ob Bar- oder Sachlohn vorliegt, ist wichtig für die Freigrenze des Paragrafen 8 Absatz 2 Satz 11 Einkommensteuergesetz. Sachbezüge bis 44 Euro im Monat sind demnach steuerfrei. Entscheidend für die Abgrenzung ist der Rechtsgrund des Zuflusses, der auf dem Arbeitsvertrag beruht, so der BFH. Übernimmt das Unternehmen die Beiträge, könnten diese bis zu einer Grenze von 44 Euro im Monat steuerfrei bleiben.

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Policen begünstigt, wenn Arbeitgeber sie abschließt

Im Fall VI R 13/16 schloss der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer für die Mitarbeiter des Unternehmens bei zwei Versicherern Gruppen-Zusatzkrankenversicherungen ab. Die für den Versicherungsschutz vom Arbeitgeber gezahlten monatlichen Beträge blieben unter der Freigrenze. Der BFH bestätigte das Vorliegen von Sachlohn, auf den keine Steuer und kein SV-Beitrag zu zahlen ist.

Zuschüsse des Arbeitgebers nicht begünstigt

Im Fall VI R 16/17 informierte das Unternehmen in einem „Mitarbeiteraushang“ die Arbeitnehmer lediglich darüber, ihnen zukünftig eine Zusatzkrankenversicherung über einen privaten Krankenversicherer anbieten zu können.

Mitarbeiter nahmen das Angebot an und schlossen unmittelbar mit dem Versicherer Verträge ab. Die Beiträge überwiesen die Mitarbeiter an den Versicherer und bekamen dafür vom Arbeitgeber monatliche Zuschüsse aufs Gehaltskonto, die regelmäßig unter der Freigrenze blieben. Dies ist laut BFH Barlohn und nicht steuerlich und beim SV-Beitrag begünstigt.

Finanzministerium unter Zugzwang

Wie sich die Urteile praktisch auswirken, hängt jetzt von zwei Faktoren ab. Erstens, wann und wie das Bundesfinanzministerium die Maßgabe des Gerichts umsetzt. Und zweitens, inwieweit Arbeitgeber den Freibetrag von 44 Euro bereits mit anderen Sachleistungen ausgeschöpft haben – denn der Freibetrag gilt als Obergrenze absolut.

„Der BFH bestätigte damit seine Entscheidung von 2011 und stellt sich gegen die aktuelle Umsetzung in den Finanzämtern“, erklärte Makler Trautner. Nun sei es am Bundesfinanzministerium, die frühere Praxis wieder in der Finanzverwaltung umzusetzen.

Das Thema „Steuer“ sei aber nur ein Baustein bei der Vermittlung der bKV in Unternehmen. „Wichtigere Punkte für die bKV sind die Reduzierung krankheitsbedingter Fehltage und die Personalbindung, da der Fachkräftemangel eine Bedrohung für den Mittelstand wird“, so Trautner.

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Passend für jede Berufsgruppe: Die Grundfähigkeitsversicherung der NÜRNBERGER

Mi, 10/17/2018 - 17:37

Eine BU wäre für die 28-Jährige die beste Absicherung – ein bedarfsgerechter BU-Schutz ist allerdings oft sehr teuer. Um auch Landwirte wie Eva optimal abzusichern, hat die NÜRNBERGER eine neue Grundfähigkeitsversicherung auf den Markt gebracht.

Alternative zur BU

Eine Grundfähigkeitsversicherung eignet sich besonders für Menschen, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit für eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) hohe Beiträge zahlen müssten. Versicherungsschutz besteht bereits bei starker Beeinträchtigung oder Verlust einer der versicherten körperlichen oder geistigen Fähigkeiten sowie bei Pflegebedürftigkeit. Die NÜRNBERGER bietet zwei Tarifvarianten an. Diese unterscheiden sich primär durch die unterschiedlichen Prognosezeiträume. Im Comfort-Tarif liegt er bei 12, in der Premium-Variante bei 6 Monaten. Zudem ist in der Premium-Variante das Autofahren (Fahrlizenzverlust Klasse B) aus gesundheitlichen Gründen als weiterer Leistungsauslöser versichert.

So individuell wie der Mensch

Um den Versicherungsschutz so individuell wie möglich zu gestalten, können verschiedene Zusatzbausteine eingeschlossen werden. Damit im Leistungsfall die Rente garantiert steigt, kann zusätzlich der „Inflations-Schutz“ vereinbart werden. Für die zielgruppenspezifische Abrundung des Versicherungsschutzes stehen daneben noch die optionalen Bausteine „Infektionsklausel“, „Lkw-/Busfahren (Fahrlizenzverlust Klasse C oder D)“ und „Volle Erwerbsminderung infolge psychischer Erkrankung“ zur Auswahl. Und damit wirklich an alles gedacht ist, kann noch der Krankheits-Schutz eingeschlossen werden. Dieser bietet sich besonders für selbstständige Landwirte wie Eva an. Damit hat sie den nötigen finanziellen Freiraum, um trotz Krankheit ihren landwirtschaftlichen Betrieb aufrecht zu erhalten. Denn tritt eine von 50 versicherten schweren Erkrankungen auf, zahlt die NÜRNBERGER eine einmalige Kapitalleistung, über die Eva frei verfügen kann.

Einfach der passende Schutz

„Die neue Grundfähigkeitsversicherung macht deutlich: Die NÜRNBERGER ist ein starker Partner und bietet jedem den passenden Schutz – egal in welcher Lebenssituation sich der Kunde befindet oder welchen Beruf er ausübt“, fasst Dr. Michael Martin, Leiter des Produkt- und Marktmanagements Leben zusammen.

Weitere Informationen gibt es auf 

<span style="font-family: Calibri, sans-serif; font-size: 11pt; ">https://fairantworten.info/der-neue-nuernberger-einkommensschutz/</span>

GDV: Höhere Kosten für Kfz-Schäden

Mi, 10/17/2018 - 15:36

Die Preise für Pkw-Ersatzteile sind in den vergangenen fünf Jahren rasant angestiegen, das vermeldete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Seit Januar 2013 beobachtet der Verband die Preisentwicklung. Seitdem stiegen die Kosten für Ersatzteile deutlich schneller als die Inflationsrate. So stieg der Verbraucherpreis-Index um 6,9 Prozent, während die Preise für Ersatzteile um knappe 24 Prozent teurer wurden.

Enormer Preisanstieg bei Scheinwerfern und Kofferraumklappen

Für ihre Ermittlung der Zahlen haben Ingenieure und Statistiker des GDV die Ersatzteilpreise für 20 verschiedene Fahrzeugtypen in der Schadenkalkulations-Datenbank von Audatex recherchiert. Vor allem Rückleuchten und Kofferraumklappen legten in der Preisentwicklung ordentlich zu. Musste ein Autobesitzer für letztere 2013 im Durchschnitt noch 507 Euro zahlen, waren es 2018 bereits 681 Euro. Das bedeutet einen Anstieg von rund 34 Prozent. Der Preis von Rückleuchten erhöhte sich in den vergangenen fünf Jahren von 120 auf 178 Euro. Der Anstieg lag damit bei fast 50 Prozent.

Teurere Kfz-Haftpflichtversicherungen?

Höhere Ersatzteilpreise führen bei Versicherern zu steigenden Reparaturkosten. Mussten Kfz-Versicherer im Jahr 2013 im Durchschnitt noch etwa 2.400 Euro für Pkw-Sachschäden zahlen, waren es im vergangenen Jahr bereits 2.700. Die steigenden Mehrkosten könnten zu einer Erhöhung der Kfz-Haftpflichtversicherung führen. Eine Gesetzesänderung im sogenannten Designschutz wäre hilfreich, um die Preise der Ersatzteile wieder zu senken. Dann müssten sichtbare Karosserieteile nicht mehr ausschließlich beim Autohersteller gekauft werden, wodurch wieder ein Wettbewerb zustande käme.

Generell gilt: Jetzt, zur Wechselsaison, können Kosten für die Kfz-Haftpflicht gespart werden. Dafür lohnt sich ein Vergleich der einzelnen Tarife. Noch bis zum 30. November können Kfz-Policen i.d.R. gekündigt werden.

Beratungsqualität hängt nicht vom Vergütungsmodell ab

Mi, 10/17/2018 - 15:09

Das Erfreuliche vorweg: Im Gegensatz zu anderen Artikeln der Publikumspresse gelang dem Focus zum Thema Provision und Beratungsqualität eine differenzierte Betrachtung. So wurde nicht nur die Argumentation der Verbraucherzentrale wiedergegeben, sondern auch Widersprüche und Probleme aufgezeigt. Etwa, dass in Sachen Beratungsqualität kein Anlass besteht, gegen Versicherungsmakler vorzugehen: Die Beschwerdestatistik über sie tendiert gegen Null, wie der AfW unter Verweis auf den Ombudsmann zitiert wird. Oder, dass gerade im Sachbereich Honorarberatung für den Verbraucher viel teurer wäre.

Interessenkonflikt: Kundenbedarf vs. Provisionserlös?

Nichtsdestotrotz darf Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt im Geschäftsbereich Verbraucherpolitik beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, ihre Thesen zur Honorarberatung unwidersprochen verbreiten. So beschwört sie erneut den Interessenkonflikt, der dem Provisionssystem innewohne. Dieser würde darin bestehen, die „Produktempfehlungen weniger am Kundenbedarf als am Provisionsinteresse auszurichten“, so Mohn.

Andererseits weiß Mohn zu berichten: „Die Beratung der Verbraucherzentralen ist anbieterunabhängig und ergebnisoffen. Verbraucher erhalten Unterstützung bei ihren Finanzentscheidungen im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe.“
Hilfe zur Selbsthilfe – das klingt so herrlich pädagogisch. Aber hier verbirgt sich noch etwas anders. Für die Beratungen in den Verbraucherzentralen gelten nicht dieselben Regeln wie für Versicherungsvermittler. Etwa im Bezug auf Sachkundenachweis, Weiterbildung oder Haftung.
Das aber stört Mohn gar nicht – was hat das auch mit Verbraucherschutz zu tun? Wie ideologisch verbohrt Dorothea Mohn dabei vorgeht, zeigte sich bereits vor drei Jahren in einem Interview mit procontra. Darin gesteht sie zwar ein, dass es bei Beratungsqualität und Verbraucherschutz Unterschiede bei den Vertriebswegen gibt, beharrt aber auf dem Interessenkonflikt durch Provisionszahlungen.

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Seite 2: Kleiner Fehler lässt tief blicken

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Kleiner Fehler lässt tief blicken

Allerdings ist es falsch, wenn im Focus-Beitrag geschrieben steht, dass ein Gros der Versicherungsmakler auch als „Finanzanlagevermittler nach Paragraf 34 h aktiv sind“. Gemeint sind Finanzanlagenvermittler nach Paragraf 34 f GewO. Und deren Zahl stieg zuletzt wieder an: von 37.593 (01.07.2018) auf 37.852 zum 01. Oktober 2018. Dabei setzt sich der Trend zu Offenen Investmentvermögen fort. Nur die Anzahl der Vermittler mit Erlaubnis zur Vermittlung Offener Investmentvermögen (§34f Abs. 1 Nr. 1 GewO) stieg an. Die beiden anderen Erlaubnisformen (Geschlossene Investmentvermögen und Vermögensanlagen) mussten Rückgänge verzeichnen.

Die kleine Begriffs-Verwechslung im Focus-Artikel ist aber mehr als nur ein Flüchtigkeitsfehler. Sie scheint mir eher dem Regulierungswahn der letzten Jahre geschuldet. Die weitaus meisten Menschen, die ich außerhalb der Branche kenne, wissen nicht um den Unterschied zwischen Versicherungsmakler und Versicherungsvertreter oder es ist ihnen schlicht egal. Nun soll der „mündige Verbraucher“ auch zwischen Finanzanlagenvermittler und Honorar-Finanzanlagenberater unterscheiden. Und das gelingt auch dem Focus nicht so richtig.
Doch selbst, wenn – wie Mohn gerne möchte – ein Begriff etabliert wird, der dem Verbraucher sofort klar macht, dass keine Provisionen/Courtagen fließen, ist damit keinerlei Aussage über die mögliche Beratungsqualität getroffen. Das sollten auch die Verbraucherzentralen einsehen.

Sicher sind Produkte, die einfach und verständlicher sind, wünschenswert. Gleich, ob im Versicherungs- oder Finanzanlagebereich. Das ist aber eine Frage für die Produktentwickler und Rechtsabteilungen. Durch ein „Zurechtregulieren“ des Vertriebs wesentliche Änderungen bei der Produktgestaltung hervorrufen zu wollen, halte ich für den falschen Weg.

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Für alle Fälle abgesichert: Die „Unbenannte Gefahren“- Klausel

Mi, 10/17/2018 - 10:08

Als Heike Ludwig aus Pfedelbach im Hohenlohekreis an jenem Novembernachmittag nach Hause kommt, traut sie ihren Augen kaum: Die gläserne Terrassentür ihres Eigenheims ist zerborsten, das dahinterliegende Wohnzimmer komplett verwüstet, Wände und Boden mit Blut und Schmutz verunreinigt. Zunächst denken sie und ihr Mann an einen missglückten Einbruch, aber ein Nachbar hat den „Täter“ beobachtet: eine Wildsau. Das rund 100 Kilogramm schwere Tier war verletzt und in Panik durch den Garten und die Glastür gestürmt, hatte im Inneren der Wohnung gewütet und war dann wieder geflüchtet.

Der Schaden an Fußböden, Wänden, Mobiliar und Glastüren betrug mehrere Tausend Euro. Die Hausratversicherung des Paares regulierte ihn nicht, weil laut Vertrag nur Fälle von Vandalismus versichert waren, die von Personen verursacht worden sind. Ein wild gewordenes Wildschwein war als Schadensursache nicht vorgesehen.

Leben auf unsicherem Grund

Sogenannte Bergschäden können in mehreren Regionen Deutschlands zum Problem werden. Überall dort, wo früher Kohle abgebaut wurde – sei es im Tagebau oder unter Tage – besteht auch Jahrzehnte nach der Stilllegung noch die Gefahr von Erdsenkungen, Erdrutschen und Grubenbeben. Im Juli 2009 stürzten in Sachsen-Anhalt an einem Tagebausee ein Doppelhaus und ein halbes Mehrfamilienhaus unvermittelt in die Tiefe! Grund war, dass ein gut 100 Meter breiter Streifen am Seeufer abrutschte. Weniger dramatische, aber dennoch sehr ärgerliche Bergschäden sind auch aus den Kohlegebieten in Nordrhein-Westfalen und im Saarland bekannt. Dort kommt es aufgrund der alten Gruben und Schächte immer wieder zu Erdsenkungen, die allmählich Risse im Mauerwerk entstehen lassen und das gesamte Gebäude in eine Schieflage bringen können.

Bei der Wohngebäudeversicherung sind jedoch in aller Regel nur Schäden mitversichert, die aufgrund natürlicher Hohlräume entstehen. Bergschäden bleiben damit außen vor.

„Unbenannte Gefahren“- Deckung inklusive

Bei beiden beschriebenen Szenarien hätte eine „Unbenannte Gefahren“- Deckung die Schäden reguliert, denn: Der Versicherer leistet hierbei eine Entschädigung für versicherte Sachen, die durch andere als durch die in den Speziellen Bedingungen versicherten Gefahren und Schäden unvorhergesehen zerstört oder beschädigt werden oder im Zusammenhang mit einem solchen Versicherungsfall abhandenkommen. Mit anderen Worten: Alles, was nicht explizit ausgeschlossen ist.

Bei der Condor gibt es für die Hausrat- und die Wohngebäudeversicherung ab sofort die Tarifvariante PremiumPlus. Diese schließt die „Unbenannte Gefahren“- Deckung mit ein – und bietet damit deutlich mehr Sicherheit für die Kunden.

GKV-Zusatztarife: AOK will Vertriebsverbot abwehren

Mi, 10/17/2018 - 09:46

Die AOK Rheinland/Hamburg zieht vor das Bundessozialgericht (BSG). Dort will die Krankenkasse darum kämpfen, ihren Versicherten auch in Zukunft Wahltarife zur Kostenerstattung von Leistungen anbieten zu können, die über den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hinausgehen. Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg erklärte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, beim BSG Revision gegen ein aktuelles Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen (LSG) einlegen zu wollen. Dieses hatte der AOK das Angebot solcher Wahltarife untersagt (AZ: L 16 KR 251/14).

Dem vorausgegangen war eine Klage der Continentale Krankenversicherung. Aus Sicht der privaten Krankenversicherer machen solche GKV-Wahltarife ihren privaten Krankenzusatzversicherungen Konkurrenz. Vor dem LSG konnte die Continentale mit der aktuellen Entscheidung einen bedeutenden Sieg erringen. Die LSG-Richter beschlossen, dass die AOK-Tarife auf Leistungen abzielen würden, die nicht zum gesetzlich definierten Leistungskatalog der Kassen gehören. Verboten wurden ihr somit die Angebote von Kostenerstattungstarifen in den Bereichen Auslandsbehandlung, Krankenhaus-Zuzahlung, Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus, Zahnersatz, Brillen und kieferorthopädische Behandlung.

Von dem Verbot ausgenommen sind Tarife für Zahngesundheit und häusliche Krankenpflege, weil es sich bei ihnen nicht um neue Leistungen, sondern um eine Weiterentwicklung der gesetzlich vorgesehenen Regelversorgung handle.

Seit 10 Jahren vom Gesetzgeber akzeptiert

Aus Sicht der Richter dürfen Krankenkassen keine Wahltarife anbieten, die über ihren gesetzlichen Auftrag hinausgehen. Die AOK Rheinland/Hamburg würde aber über ihre Kompetenzen hinausgehen, indem sie als Wettbewerber auf dem Gesundheitsmarkt auftrete und damit wirtschaftliche Interessen verfolge. Zwar dürfen Krankenkassen seit dem Jahr 2004 mit PKV-Anbietern bei Zusatzversicherungen kooperieren. Die Kassen dürfen dabei aber lediglich Vermittler der PKV-Tarife sein.

Die AOK Rheinland/Hamburg hatte bereits 2007 begonnen, als erste Krankenkasse ihren Versicherten Wahltarife zur Kostenerstattung anzubieten. Seitdem seien mehrere regionale AOKs diesem Weg gefolgt und hätten mittlerweile fast 1,4 Millionen Wahltarife im Bestand, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Wältermann zeigte sich gegenüber dem Blatt überzeugt davon, mit der Revision vor dem BSG Erfolg Recht zu bekommen. Schließlich habe die Politik die AOK-Tarife durch eine gleichbleibende Gesetzeslage in der Sache seit 10 Jahren akzeptiert und auch der Absatz privater Zusatzpolicen sei durch den Vorstoß der Kassen nicht eingebrochen, so seine Sichtweise. Darüber hinaus würden die Kassen, laut dem AOK-Chef, auch Versicherten mit Krebs oder anderen Vorerkrankungen Schutz bieten, die in der PKV keinen Vertrag bekommen würden oder Risikozuschläge bezahlen müssten. „Ich finde, das ist ein gesellschaftlicher Wert“, sagte Wältermann der Süddeutschen.

Grafik: Was Versicherer schon immer über Makler wissen wollten

Mi, 10/17/2018 - 07:50

Die procontra-Umfrage „Maklers Liebling 2018“ liefert Einblicke in die Denkwelt von Versicherungsmaklern. Welche Anbieter sind im Pflegebereich favorisiert und was schätzen die Vermittler bei Maklerbetreuern?
Doch auch die statistischen Erhebungen verdienen Aufmerksamkeit. Sie zeigen beispielsweise, wie viele Angestellte Versicherungsmakler im Durchschnitt haben und wie viele Kunden sie betreuen.

Nicht in Sichtweite: das Sozialpartnermodell

Di, 10/16/2018 - 17:04

Mit dem Sozialpartnermodell sollte der große Wurf gelingen und die betriebliche Altersversorgung (bAV) gestärkt werden. Mehrere Versicherer haben sich bereits zusammengeschlossen und gemeinsame Lösungen entwickelt. Doch „zurzeit haben wir einen reinen Anbietermarkt“, sagt Michael Hoppstädter, Geschäftsführer der Longial GmbH. Einen Tarifvertrag, der das Sozialpartnermodel vorsieht, gibt es nicht. „Die Tarifvertragsparteien sind sehr zurückhaltend – die Chemiebranche hat es im letzten Tarifabschluss nicht angepackt und das Thema auf die nächste Tarifrunde vertagt. Die Bahngewerkschaften haben die Verbesserung der Betriebsrente in ihren Forderungskatalog für die aktuelle Tarifrunde aufgenommen, aber nach unseren Informationen scheint bereits ausgemacht, dass es kein Sozialpartnermodell geben wird“, so Hoppstädter.

KMU fühlen sich nicht angesprochen

Besondere Wirksamkeit sollte das BRSG bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) entfalten. Doch die sind meistens nicht tarifgebunden und fühlen sich kaum vom Sozialpartnermodell angesprochen. „Auf das erste Sozialpartnermodell werden wir wohl noch einige Zeit warten müssen – aber das BRSG ist nicht nur das Sozialpartnermodell“, sagt Hoppstädter.

Seinen Beobachtungen zufolge, ist das Wissen um die bAV im Allgemeinen und den Vorteilen des BRSG und der reinen Beitragszusage im Besonderen nicht sonderlich ausgeprägt.
„Der erweiterte Dotierungsrahmen nach § 3 Nr. 63 des Einkommensteuergesetz, aber auch die Fördermaßnahmen für Geringverdiener werden positiv gesehen. Dass Unternehmen allerdings schon ab 1. Januar 2019 für neu abgeschlossene Entgeltumwandlungsvereinbarungen einen verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss leisten müssen, wenn die Versorgungszusagen über Pensionskasse, Pensionsfonds oder Direktversicherung durchgeführt werden, scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben. Nach unseren Erfahrungen haben sich nur die wenigsten Unternehmen dazu bereits entsprechend aufgestellt.“

Achtung Sturmschäden! Das müssen Ihre Kunden wissen

Di, 10/16/2018 - 14:40

Umgestürzte und entwurzelte Bäume, Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 km/h, Starkregen und beschädigte Autos – orkanartige Sturmböen haben in der Vergangenheit bereits große Schäden angerichtet. Orkan Friederike hielt beispielsweise im Januar diesen Jahres NRW und große Teile Deutschlands in Atem, Polizei und Feuerwehr waren im Dauereinsatz. Acht Menschen verloren ihr Leben, der GDV bezifferte den Gesamtschaden auf rund eine Milliarde Euro. Davon entfielen 900 Millionen Euro auf Sachschäden, etwa an Gebäuden, sowie 100 Millionen Euro auf Schäden an Kraftfahrzeugen.

Sturmschäden können an und in Gebäuden auftreten, ebenso an Autos. Es greifen insbesondere drei Versicherungen: Wohngebäude-, Haftpflicht-, Hausrat- und Kasko-Versicherung. Unter bestimmten Umständen benötigen Ihre Kunden jedoch eine Zusatzversicherung. Doch welche Versicherung kommt für welche Schäden auf?

Schäden am Gebäude

Für die Versicherungen gilt: Ein Sturm liegt ab Windstärke acht vor – also, ab 60 km/h. Ob es wirklich Stärke acht war, muss allerdings nicht der Kunde selber messen. Es reicht generell aus, wenn die Wetterstation solche Sturmstärken in der betreffenden Gegend gemessen hat, urteilte das OLG Karlsruhe (Az. 12U 251/104). Der Versicherte kann auch auf Unwetterwarnungen, die durch den Deutschen Wetterdienst gemacht wurden, verweisen. In der Regel sind Sturmschäden in der Wohngebäudeversicherung enthalten. Die Versicherer ersetzen beispielsweise die Kosten für abgedeckte Dächer, umgestürzte Schornsteine oder Schäden am Haus durch umgeknickte Bäume.

Achtung: Nebengebäude, wie Gartenhäuser oder Garagen auf dem gleichen Grundstück sind ebenfalls versichert – allerdings nur, wenn es in der Police vermerkt wurde. Auch bei Hagelschaden am Haus ist der Eigentümer durch die Wohngebäudeversicherung abgesichert. Anders verhält es sich bei Überschwemmungen und Rückstau: Dringt bei starkem Regen Wasser ins Gebäude und flutet beispielsweise den Keller oder das Untergeschoss, werden die Schäden nicht durch die einfache Wohngebäudeversicherung abgesichert. Dafür benötigt man den Zusatzbaustein Elementarschaden (oder Naturgefahrenversicherung).

Ebenfalls wichtig: Wenn ein Schaden eintritt, muss der Hausbesitzer der Schadensminderungspflicht nachkommen. Das bedeutet, er muss sich eigenständig darum kümmern, Folgeschäden zu verhindern und schnellstmöglich seinen Versicherer kontaktieren und zuvor die Schäden genau dokumentieren. Es gilt eine Meldepflicht. Zur Prävention gehört jedoch auch, die Bäume auf dem Grundstück oder im Garten regelmäßig zu kontrollieren. Denn: Für das Entsorgen eines umgestürzten Baums zahlen Gebäudeversicherer nicht, ein Baum gilt nicht als „versicherte Sache“ und muss durch einen Zusatzbaustein abgedeckt werden.

Wenn sich das Haus noch im Rohbau befindet

Natürlich ist ein Haus, das sich noch im Rohbau befindet, besonders anfällig für Sturmschäden. Denn Gerüste, Mauern und Planen können schnell weggefegt werden. Auch Material, das auf der Baustelle lagert und nicht gesichert wurde, kann durch Unwetter beschädigt oder zerstört werden. Diese Schäden ersetzt eine Rohbauversicherung, die in der Regel ebenfalls als Zusatz-Baustein der Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden kann.

Schäden im Innern des Gebäudes

Hat ein Sturm auch im Haus gewütet, zum Beispiel das Dach abgedeckt, kommt die Hausratsversicherung für die Schäden an der Inneneinrichtung auf. Wenn Ihre Kunden allerdings vergessen haben, das Fenster zu schließen und durch die Wassermassen Möbel und Teppiche beschädigt wurden, kommt der Versicherer nicht für den Schaden auf. Wenn jedoch beispielsweise ein Blitz einschlägt und die technischen Geräte lahmlegt, ist das mit abgedeckt. Und auch hier gibt es eine Ausnahme: Bei Blitzeinschlag in eine Überlandleitung können Überspannungsschäden auftreten – und diese sind nicht in jedem Vertrag mitversichert, können aber zusätzlich eingeschlossen werden.

Eine Haftpflichtversicherung sollte jeder Kunde besitzen: Denn auch Mieter können belangt werden, wenn ein vom Balkon gewehter Blumentopf beispielsweise einen Fußgänger trifft.

Sturmschäden an Autos und Motorrädern

Werden die Fahrzeuge Ihrer Kunden beschädigt, springt die Teilkaskoversicherung ein. Empfehlenswerter ist jedoch eine Vollkasko, die auch sturmbedingte Schäden ab der Stärke acht miteinschließt. Eingeschlossen sind auch herumfliegende Gegenstände wie Ziegel oder große Äste. Wenn Dachziegel, Äste oder Bäume von einem Grundstück aufs Fahrzeug fallen, haftet der Grundstückseigentümer. Dieser muss aber nur zahlen, wenn ihn auch die Schuld trifft. Wird durch den Sturm ein Unfall verursacht, ist eine Vollkaskoversicherung allerdings unumgänglich.

Google-Update: Diese 10 Versicherer profitieren

Di, 10/16/2018 - 12:34

Versicherer, deren Sichtbarkeit bei Suchmaschinen wie Google nicht gut ist, müssen umfangreiche Werbemaßnahmen in Kauf nehmen, um Besucher auf die eigene Webseite zu ziehen und mögliches Geschäft daraus zu generieren.

Mitte August wurde ein weiteres Google-Update bestätigt, das sich teilweise heftig auf die Webseiten von Versicherern auswirkt. Wie die Branche durchgerüttelt wurde, lässt sich mit Auswertungen des Sistrix-Sichtbarkeitsindex nachvollziehen. Der Sichtbarkeitsindex ist eine Kennzahl, die sich aus der Summe der gefundenen organischen Rankings in den Top-100 zu einem von Sistrix vorgegebenen repräsentativen Keyword-Set. Die Rankings werden nach Suchvolumen und Position pro Keyword gewichtet.

Über sieben Wochen hat die procontra-Redaktion jeden Donnerstag die Entwicklungen im Sichtbarkeitsindex festgehalten. Für den Zeitraum 30. August bis 4. Oktober wurde ein Mittelwert gebildet, der wiederum mit dem Status der untersuchten Webseiten vom 11. Oktober verglichen wurde. Die Übersicht listet jene 10 Versicherer auf, deren Webseiten die größte positive Veränderung aufweisen.

Google Medic Update: Diese 10 Versicherer profitieren

Berufsunfähigkeit: Das sind Maklers Lieblinge 2018

Di, 10/16/2018 - 12:02

Gleich zwei Neueinsteiger finden sich dieses Jahr unter den Spitzenkandidaten - darunter dennoch ein alter Bekannter. Verpasste er 2017 mit 8,6 Prozent noch ganz knapp das Siegertreppchen, zog der Volkswohl Bund dieses Jahr mit 10,6 Prozent auf Platz 3. 2016 konnten sich der Dortmunder Versicherer schon einmal auf dem dritten Platz behaupten, allerdings mit deutlich weniger Prozenten – 6,4 waren es damals.

Platz 2 nimmt die LV 1871 mit 11,5 Prozent ein. Damit konnten die Münchener einen ordentlichen Zuwachs verbuchen. 2017 erreichten sie mit 6,2 Prozent lediglich den fünften Platz.

Platz 1 mit Abzügen

Stetig konstant, allerdings mit weniger Prozenten als in den Vorjahren, findet sich auch dieses Jahr wieder die Alte Leipziger auf Platz 1 der beliebtesten Berufsunfähigkeitsversicherungen. Erreichten die Versicherer 2017 in etwa denselben Prozentsatz, waren es 2016 noch 28,9 Prozent.

Als „Verlierer“ kann sich dieses Jahr die Swiss Life sehen, die 2016 Platz 2 und 2017 Platz 3 einnahm, dieses Jahr das Siegertreppchen mit 8,1 Prozent allerdings verpasste.

Betrieblicher Krankenschutz boomt

Di, 10/16/2018 - 11:12

Knapp 6.000 deutsche Unternehmen stellten Ende 2017 ihren Mitarbeitern eine betriebliche Krankenversicherung bereit. Zwei Jahre zuvor, boten dies nur 2.200 Firmen an - ein Wachstum von satten 57 Prozent. 
Ein Trend hin zur betrieblichen Sicherheit lassen daneben die neuen Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2018 vermuten, in welchem sich schon 800 neue Betriebe für eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) entschieden haben.

 


Neue Impulse durch Bundesfinanzhof

Bereits seit Jahren werden über die Steuerbeträge diskutiert. Im Sommer diesen Jahres hat nun der Bundesfinanzhof diese aufgegriffen und Hoffnung auf Steuerfreiheit gegeben. Aktuelle Beschlüsse beschäftigen sich explizit mit der lohnsteuerlichen Behandlung der Betrieblichen Krankenversicherung. Nach diesen könne die Versicherung als von Sozialabgaben und Lohnsteuer freie Sachleistung gelten, insofern sie gleichgestellt werden mit anderen Sachleistungen des Arbeitgebers. Genauer gesagt: Wenn der Betrieb Kosten übernimmt, können diese mit einem Freibetrag von 44 Euro abgesetzt werden.
Diese Beschlüsse könnten dafür sorgen, dass sich mehr Makler für betriebliche Krankenversicherungen entscheiden und eine Vertriebsmöglichkeit für diese ermöglichen.

BaWü stellt umstrittene Schülerversicherung ein

Di, 10/16/2018 - 08:16

Ab dem nächsten Schuljahr werden die Lehrerinnen und Lehrer in Baden-Württemberg (BaWü) ihren Schülerinnen und Schülern keine Versicherungen mehr im Klassenzimmer anbieten. „Um Missverständnissen vorzubeugen, die sich auch zum neuen Schuljahr ergeben haben, wird das Land die Vereinbarung über einen Gruppenversicherungsvertrag mit einzelnen Versicherungen zum Schuljahr 2019/2020 auslaufen lassen.“ So wird BaWü-Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann in einer offiziellen Mitteilung des Kultusministeriums zitiert.

Damit reagiert das Land auf die anhaltende Kritik an den Produkten sowie deren Vertriebsweg. Auch zu Beginn des aktuellen Schuljahres habe es, laut Kultusministerium, erneut zahlreiche kritische Rückmeldungen gegeben. Zwar hätten sich Land und Schulen immer wieder bemüht, die Freiwilligkeit des Angebots herauszustellen. Es sei in der Öffentlichkeit jedoch immer wieder der Eindruck entstanden, dass der Abschluss der Schülerzusatzversicherung verbindlich sei. Gegenüber Schulen und Ministerium sei auch kritisch angemerkt worden, dass der Anschein entstehen könne, das Land betreibe über die Schulen durch diese Aktivität Werbung für einzelne Versicherungen.

Laut Eisenmann sollten diese Bedenken eigentlich durch eine seit 1998 gültige Verwaltungsvorschrift ausgeschlossen sein. Um ordnungspolitisch Klarheit zu schaffen, nehme das Ministerium aber von der darauf beruhenden Vereinbarung Abstand. Für das aktuelle Schuljahr würden sich jedoch noch keine Änderungen ergeben.

Kritik an Produkt und Vertrieb über Lehrer

Konkret geht es bei den umstrittenen Schülerversicherungen um eine kombinierte Police aus Haftpflicht-, Sachschaden- und Unfallversicherung. Sie kostet pro Schüler einen Euro pro Schuljahr und kommt seit langem von der Württembergischen Gemeinde-Versicherung (WGV) sowie der BGV Badische Versicherung AG. Die Schülerversicherung bietet Leistungen zum Beispiel für Unfälle, die passieren, wenn die Schüler vom Schulweg abweichen und somit nicht mehr den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz genießen. Sie würde damit auch denjenigen Schülern eine Möglichkeit auf Versicherungsschutz bieten, zumindest im Umfeld des Schulbesuchs, die keine weitere Absicherung haben, hieß es im April des Jahres von Seiten der BGV auf procontra-Nachfrage.

Aufhänger für die damalige Berichterstattung war die Wahl der BaWü-Schülerversicherung zum „Versicherungskäse des Jahres 2018“, dem Negativpreis des Bund der Versicherten (BdV). Die Verbraucherschützer hatten das Produkt neben seinen „schwachen“ Leistungen vor allem für den bestehenden Vertriebsweg über die Lehrer kritisiert, die die Anträge austeilen und die Beiträge einsammeln. In einer aktuellen Stellungnahme zur Entscheidung des Landes BaWü erklärt BdV-Pressesprecherin Bianca Boss: „Der Vertrieb von Versicherungen und anderen Finanzdienstleistungen hat an Schulen nichts zu suchen.“

Allerdings: Das Modell Schülerversicherung hat sich über die Jahrzehnte in BaWü anscheinend schon so etabliert, dass es durch den Wegfall für Schüler und Eltern zu zusätzlichem Aufwand kommen könnte. So würden zahlreiche Unternehmen bei Schülerpraktika den Nachweis einer privaten Haftpflichtversicherung verlangen, schreiben die Stuttgarter Nachrichten. Wenn künftig jeder Schüler diesen Nachweis selbst erbringen muss, könnte der Aufwand dafür teurer werden als die bisherige Ein-Euro-Versicherung, meint ein WGV-Mitarbeiter, den das Blatt in seinem Bericht zitiert. Denn die Lehrer hätten den Versicherungsschutz bislang häufig klassenweise bestätigen können. Dem Bericht zufolge würde man bei WGV über Alternativen nachdenken. Die Überlegungen dazu würden sich jedoch noch im Anfangsstadium befinden.  

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