Mindestkapitalanforderung 2017 der PKV-Versicherer

 

Mit der Einführung der Solvency II-Richtlinie gelten erweiterte Publikationspflichten sowie verfeinerte Solvabilitäts­vorschriften für die Eigenmittelausstattung der Versicherungsunternehmen.

Nachdem das zweite Geschäftsjahr unter Solvency II abgeschlossen ist mussten die unter Solvency II fallenden deutschen Versicherer der BaFin – bis zum 07.05.2018 – neben den quantitativen Formularen den Bericht über Solvabilität und Finanzlage (Solvency and Financial Condition Report – SFCR) vorlegen und die SFCR-Berichte auf ihrer Homepage veröffentlichen.

 

1. Solvenzkapitalanforderung (SCR)

Die Solvency Capital Requirement (SCR) beschreibt die regulatorische Solvenzkapitalanforderung und kann unter Verwendung einer Standardformel oder durch ein vom jeweiligen Versicherungsunternehmen entwickeltes internes Modell berechnet werden, sofern die BaFin dieses Modell genehmigt.

Die Solvenzkapitalanforderung (SCR) im Standardmodell entspricht dabei dem Kapital, sodass die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz des Unternehmens für das Folgejahr maximal 0,5 % beträgt:
 

  • Die Eintrittswahrscheinlichkeit von 0,05 Prozent entspricht einem 200-Jahresereignis
  • eine SCR-Bedeckungsquote von 100 % bedeutet, dass bei Eintritt eines 200-Jahresereignisses die Unternehmensfortführung sichergestellt ist

 

d.h. im Umkehrschluss:
 

  • es wird Versicherungsnehmern zu 99,5 % garantiert, dass alle im Folgejahr anfallenden Zahlungsverpflichtungen inklusive der Folgeverpflichtungen durch das Unternehmen bedient werden können.
  • Jedes Versicherungsunternehmen hat ab dem 01.01.2016 sicherzustellen, all seine vertraglich eingegangenen Verpflichtungen für das kommende Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5% erfüllen zu können.

 

Die sog. SCR-Bedeckungsquote (SCR-Quote) entspricht dabei dem Verhältnis der anrechnungsfähigen Eigenmittel zur Solvenzkapitalanforderung. Die maßgebliche Zielgröße beträgt 100 % oder ein Vielfaches davon.

Versicherer mit einer SCR-Bedeckungsquote von weniger als 100 % sind keines Falls als insolvent anzusehen, sondern deren Eigenmittel reichen lediglich nicht aus, um die Solvenzkapitalanforderung (SCR) zu erfüllen. Diese Unternehmen verfügen also nicht über ausreichend Kapital, um bei Eintritt eines 200-Jahresereignisses (bei einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 0,5 Prozent) die Unternehmensfortführung zu garantieren.

 

Allerdings können Versicherer die SCR-Quote durch genehmigungspflichtige Instrumente (BaFin) beeinflusst werden. Dabei werden u.a. die folgenden Instrumente unterschieden:
 

  • Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen gemäß § 352 VAG
  • Übergangsmaßnahmen für risikofreie Zinssätze nach § 351 VAG 
  • Volatilitätsanpassungen gemäß § 82 VAG

 

2. Mindestkapitalanforderung (MCR)

Das Minimum Capital Requirement (MCR) beschreibt die regulatorische Untergrenze der Solvenzkapitalanforderung (SCR).
 

  • Das MCR ist das Eigenmittelniveau, unterhalb dessen die Interessen der Versicherungsnehmer gefährdet wären
  • Wenn die anrechenbaren Eigenmittel diese Grenze unterschreiten, kann das den Verlust der Geschäftsbetrieberlaubnis zur Folge haben
  • Es stellt somit die letzte aufsichtsrechtliche Eingriffsschwelle dar, bevor dem Unternehmen die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb entzogen wird

 

Die sog. MCR-Bedeckungsquote entspricht dabei dem Verhältnis der anrechnungsfähigen Eigenmittel zur Mindestkapitalanforderung.

 

Aufgrund der zuvor genannten Instrumente, die die SCR-Quote beinflussen können, wird in der nachfolgenden, sortierbaren (!) Tabelle die bereinigte Netto-Quote verwendet, d.h. um eine Vergleichbarkeit der Kennzahlen zu gewährleisten wurde der Einfluss möglicher Instrumente herausgerechnet.

 

Stand: 13.06.2018

Solvabilität: MCR-Quoten 2017 der privaten Krankenversicherer
 

Versicherer* MCR-Quote netto
2017
Diff.
(in %)
MCR-Quote netto
2016
MCR-Quote brutto
2017
Diff.
(in %)
MCR-Quote brutto
2016
             
Advigon            
Allianz            
Alte Oldenburger            
Arag            
Axa            
Barmenia            
BBKK            
Central            
Concordia            
Continentale            
Debeka            
Deutscher Ring            
Devk            
DFV            
Die Bayerische            
Dkv            
Envivas            
Ergo Direkt            
FAMK            
Gothaer            
Hallesche            
HanseMerkur            
Huk-Coburg            
Inter            
Janitos            
Liga            
Lkh            
Lvm            
Mecklenburgische            
Münchener Verein            
Nürnberger            
ottonova            
Pax            
Provinzial (VGH)            
R+V            
Sdk            
Signal            
Ukv            
Universa            
Vigo            
Württembergische            
Markt **            

* Alphabetische Sortierung nach Versicherungsunternehmen
** MCR-Quote 2017 netto + brutto ohne ottonova

 

3. Fazit

Mit der Einführung der Solvency-II-Richtlinie ergeben sich folgende Neuerungen:
 

  • 40 private Krankenversicherer sind nach Solvency II berichtspflichtig
  • alle obigen Versicherer weisen eine SCR-Bedeckungsquote von 100% oder mehr auf
  • 14 (15) Versicherer weisen 2017 eine geringere SCR-Quote netto (brutto) als im Jahr zuvor auf
  • 36 Versicherer verwenden das Standardmodell
  • 4 Versicherer (Allianz, AXA, Central und DKV) verwenden ein partielles oder vollständiges internes Modell
  • 2 Versicherer (Gothaer und vigo) nutzen Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen nach § 352 VAG
  • 5 Unternehmen nutzen die Möglichkeit der Volatilitätsanpassung nach § 82 VAG

 

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